DACH-Kongress Herzinsuffizienz und Pflege 2025
- 10.12.2025
- Innere Medizin
- Kongressbericht
- Zeitungsartikel
Kongressbericht-- Vom 12. bis 14. Oktober 2025 versammelte der DACH-Kongress unter dem Motto „Der Mensch im Zentrum“ Expert:innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, um aktuelle Entwicklungen in Diagnostik, Therapie und Versorgung zu diskutieren.
D-A-CH-Kongress Herzinsuffizienz | v.li: Prim. Prof. DDr. Peter Rainer, Prof. DDr. Stephan von Haehling, Prim. Dr. Anna Rab, Prof. Dr. Andreas Flammer, Prof. Dr. Markus Wallner.
LOGO GmbH, Steinfurt
Rund 200 Teilnehmende aus Kardiologie, Pflege und Forschung machten die Veranstaltung zu einem lebendigen Treffpunkt zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Gastgeberstadt bot mit ihrer Verbindung aus Kultur, Wissenschaft und Offenheit den idealen Rahmen für diesen Austausch.
Gleich zu Beginn wurde deutlich: Trotz aller technologischen Fortschritte bleibt der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen und Grenzen im Mittelpunkt. Herzinsuffizienz ist eine Erkrankung, die Medizin, Pflege und Gesellschaft gleichermaßen fordert – und deren Bewältigung nur interdisziplinär gelingen kann.
Wissenschaftliche Schwerpunkte: Von Akuttherapie bis KI
Das wissenschaftliche Programm deckte das gesamte Spektrum der Herzinsuffizienz ab – von akuter und chronischer Herzinsuffizienz über Rhythmus- und Device-Therapien, Kardiomyopathien und Komorbiditäten bis hin zu digitalen Innovationen. Ein Schwerpunkt lag auf der akuten Herzinsuffizienz mit Fokus auf frühzeitige Diagnostik und Risiko-stratifizierung. Das Thema Gender-Gap in Diagnose und Therapie beleuchtete anhaltende Unterschiede in der Behandlung von Frauen und Männern. Frauen werden nach wie vor später diagnostiziert, in Studien unterrepräsentiert und seltener leitliniengerecht behandelt – ein strukturelles Problem, das zunehmend in den Fokus rückt.
Neue pharmakologische Konzepte im Mittelpunkt
Auch neue pharmakologische Konzepte standen im Mittelpunkt – etwa die Beeinflussung der Kardiometabolik durch SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Analoga, die auch bei Herzinsuffizienz ohne Diabetes Bedeutung gewinnen. Bei der Amyloidose wurden innovative Therapieansätze vorgestellt, die auf Kombinationen aus TTR-Stabilisierung, RNA-Interferenz und CRISPR-basierten Strategien setzen. Diese Konzepte gelten als on the horizon und könnten die Behandlung in den kommenden Jahren grundlegend verändern.
Zudem wurde die wachsende Rolle der künstlichen Intelligenz in Diagnostik und klinischer Entscheidungsfindung beleuchtet – von automatisierter Bildanalyse bis zu prädiktiven Modellen. Weitere Schwerpunkte galten Komorbiditäten wie Adipositas, Diabetes, Eisenmangel sowie kardiorenalen und onkologischen Wechselwirkungen.
Keynote & Pacher Lecture:Regenerative Medizin und gelebte Versorgung
Ein wissenschaftliches Highlight war die Keynote Lecture von Prof. Josef Penninger, Wien, mit dem Titel „Engineering human blood vessels from stem cells“. Der renommierte Forscher zeigte, wie aus pluripotenten Stammzellen funktionelle Blutgefäße entstehen können – ein Schritt mit großem Potenzial für die kardiovaskuläre Regeneration. Der Vortrag verband Grundlagenforschung mit klinischer Vision und eröffnete neue Per-spektiven für die personalisierte Kardiologie.
Einen besonderen Akzent setzte zudem die Pacher Lecture von Prof. Gerhard Pölzl, Innsbruck, der sein Lebenswerk „HerzMobil Tirol“ vorstellte – ein beispielhaftes Disease-Management-Programm, das durch strukturierte Nachsorge, telemedizinische Betreuung und enge interprofessionelle Kooperation europaweit Maßstäbe setzt. Sein Vortrag verdeutlichte, dass nachhaltige Versorgung nicht nur kosteneffizient ist, sondern vor allem Mortalität senkt.
Pflegekongress: Interprofessionelle Versorgung als Schlüssel
Parallel zum wissenschaftlichen Hauptprogramm fand der Pflegekongress Herzinsuffizienz statt, der die zentrale Rolle der Pflege für eine erfolgreiche Versorgung unterstrich. Themen wie psychokardiologische Begleitung, Telemonitoring, Beratung bei terminaler Herzinsuffizienz und Palliative Care zeigten, dass moderne Therapie nur im Team gelingt. Best-Practice-Beispiele aus der DACH-Region verdeutlichten, wie strukturierte Nachsorge, hybride Versorgungskonzepte und spezialisierte Heart-Failure-Nurses Versorgungslücken schließen und die Lebensqualität verbessern.
Wissen teilen, Grenzen überwinden, Brücken bauen
In den sozialen Medien fand das Resümee des Kongresses große Resonanz. Eine zentrale Botschaft lautete: „Wissen teilen, Grenzen überwinden, Brücken bauen – Herzinsuffizienz braucht Teamgeist, Innovation und Menschlichkeit im System.“
Das Dreiländertreffen Herzinsuffizienz- und Pflegekongress 2025 zeigte eindrucksvoll, dass moderne Herzinsuffizienzversorgung nur im Zusammenspiel von Medizin, Pflege und Forschung funktioniert. Die Verbindung aus wissenschaftlicher Exzellenz, praxisnahen Konzepten und gelebter Zusammenarbeit machte Salzburg für drei Tage zum Herzinsuffizienzzentrum der DACH-Region – und setzte ein deutliches Signal für die Zukunft: Herzinsuffizienz-Therapie bedeutet heute mehr als Pharmakologie – sie steht für Wissen, Teambuilding und den Anspruch, Patient:innen in ihrer ganzen Lebensrealität wahrzunehmen.