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13.04.2022 | Innere Medizin

Ich packe meinen Koffer…

verfasst von: Christopher Waxenegger

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© Julia_Sudnitskaya / Getty Images / iStock

Ferne Länder jenseits des Meeres, Abenteuer in der Wildnis oder doch ein Urlaub in heimischen Gefilden? Je nach Destination unterscheiden sich die Vorbereitungen zum Teil beträchtlich – so auch der Inhalt der Reiseapotheke.

Reisen bietet die Gelegenheit etwas Abstand vom Alltag zu gewinnen und das Leben entspannter zu genießen. „Besonders in der Sommerzeit besuchen viele Menschen die Apotheke, um sich optimal auf ihre Reise vorzubereiten. Das ist eine gute Gelegenheit sich einen Überblick zu verschaffen und Kunden gezielt zu beraten“, stellt Mag. pharm. Julia Mazal von der Donaufelder Apotheke im 22. Wiener Gemeindebezirk, fest.

Magen-Darm-Medikamente

Diarrhoe ist ein häufiges Übel. Über 90 Prozent aller akuten Durchfälle treten zwischen dem dritten und neunten Urlaubstag auf und zwingen Betroffene mehrmals täglich auf die Toilette. „Der Motilitätshemmer Loperamid ist auf Reisen nicht immer geeignet. Bei Infektionen mit Salmonellen oder Shigellen führt die Ruhigstellung der Darmperistaltik zu einer verstärkten Ausbreitung der Bakterien im Darm, das Wachstum der Erreger wird dadurch gefördert“, warnt Mazal. Die Empfehlung lautet daher, die Einnahme bei Vorliegen von Fieber oder Blut im Stuhl zu vermeiden, da dies Indizien für eine bakterielle Infektion sind. Vorsicht ist ebenso bei gleichzeitiger Einnahme von Antibiotika geboten, zumal durch die gehemmte Motilität eine antibiotikaassoziierte Kolitis provoziert werden kann.

„Eine Alternative stellen Tannin-Präparate dar, die die geschädigte Darmschleimhaut abdichten und selbst bei komplizierten Diarrhoen gut wirksam sind. Auch der Enkephalinasehemmer Racecadotril wäre eine Möglichkeit, sollte laut Fachinformation aber nicht bei gleichzeitiger Einnahme von ACE-Hemmern oder dem Vorliegen von Fieber bzw. Blut im Stuhl angewendet werden.“ Probiotika mit Laktobazillen und Hefen wirken präventiv, in der Akutphase führen sie allein jedoch meist nicht zur vollständigen Besserung.

Mittel gegen Erkältung

Grippale Infekte verlaufen normalerweise selbstlimitierend, weshalb die symptomatische Behandlung im Vordergrund steht. Bei Fieber und Schmerzen sind Paracetamol oder Ibuprofen Mittel der ersten Wahl. Während ersteres in allen Phasen der Schwangerschaft und Stillzeit einsetzbar ist, verfügt Ibuprofen zusätzlich über entzündungshemmende Eigenschaften, die sich bspw. bei aktivierter Arthrose oder Mittelohrentzündung nutzen lassen. „Mit Aspirin sollten Reisende insbesondere in Gebieten mit Dengue- und Gelbfieber bzw. Malaria vorsichtig sein. Bei diesen Erkrankungen ist unter ASS die Gefahr von Hämorrhagien erhöht“, so Mazal. Für unterwegs sollten zudem praktische Arzneiformen, die keine Flüssigkeitszufuhr benötigen, empfohlen werden. Beispielsweise Kau-/Schmelztabletten sowie Direkt-Granulate.

Reiseübelkeit und Insekten

Ursächlich für die Reisekrankheit ist eine Missinterpretation des Gehirns über die räumliche Lage und Bewegung des Körpers. „ZNS-gängige Antihistaminika wie Dimenhydrinat verhindern die Aktivierung des Brechzentrums. Im Akutfall sind schnell freisetzende Arzneiformen wie Kaugummis zu bevorzugen“, so Mazal. Kunden sollten darauf hingewiesen werden, dass mit Müdigkeit als typischer Nebenwirkung zu rechnen ist. Betroffene sollten nach der Einnahme deswegen kein Fahrzeug führen.

Gegen lästige Stechmücken empfehlen sich Repellenzien. „Am wirksamsten sind DEET und Icaridin. Doch Achtung: DEET hat die Eigenschaft Kunststoffe und Leder anzugreifen! Daher ist beim Gebrauch von Sonnenbrillen, Armbanduhren, Taschen etc. Vorsicht geboten.“ Damit Insektenabwehrmittel funktionieren, sollte stets zuerst der Sonnenschutz und anschließend nach 20 bis 30 Minuten das Repellent aufgetragen werden. Kommt es trotzdem zu einem Stich sind mit antiallergischen Gelen schnellwirksame Helfer verfügbar. „Hydrogele eignen sich darüber hinaus hervorragend bei Sonnenbrand und -allergie“, erklärt Mazal.

Maßnahmen zur Wunderversorgung

Der Umfang des Verbandmaterials richtet sich in erster Linie nach der Art des Urlaubs. Gewisse Produkte sollten allerdings jedes Mal mit von der Partie sein. „Die Versorgung von Wunden erfolgt grundsätzlich in drei Schritten: Wundreinigung, Wunddesinfektion und Wundverband. Im ersten Schritt wird die Wunde gereinigt. Grobe Verschmutzungen werden ggf. vorsichtig mit einer Pinzette entfernt und die Stelle mit sauberem Wasser gespült. Das Auftragen/-sprühen von Desinfektionsmitteln ist besonders in tropischen Gebieten oder Orten mit schlechten Hygienestandards angebracht“, stellt Mazal fest. „Auf diese Weise wird einer bakteriellen Kontamination vorgebeugt.“ Blutungen müssen möglichst rasch gestoppt werden. Hierfür reicht bei kleinen Verletzungen in der Regel ein Heftpflaster. Bei größeren Wunden bietet sich ein Wundverband, bestehend aus einer direkten Wundauflage und einer Abdeckung zur Fixierung, wie Mullbinden oder selbsthaftende Verbände an. Scheren, Pinzetten, Einmalhandschuhe sowie Wund- und Heilsalben vervollständigen das Erste-Hilfe-Set.

Heuschnupfen und andere Allergien

Manche Ortsveränderung kann sich durchaus positiv auf saisonale allergische Erkrankungen auswirken, wie beispielsweise Meerluft auf allergisches Asthma oder größere Höhen auf Pollenallergien. Manche allergische Tücken lauern allerdings auch am Reiseziel. Ob es sich dabei um Kreuzallergien mit bekannten Pollenallergien oder die Haare des Hundes oder der Katze im Quartier handelt oder auch um die schwer zu bändigende Hausstaubmilbe – Reisende, die eine allergische Disposition haben, sollten daher auf entsprechende vorbeugende und schnell wirksame therapeutische Medikamente nicht vergessen. Bei bekannten schweren allergischen Reaktionen sollte auch in Absprache mit dem Arzt ein entsprechendes Notfallset nicht fehlen.

Abschließende Tipps

„Arzneimittel sollten vorrangig im Handgepäck verstaut werden, da ein eventueller Verlust des Koffers unangenehme Konsequenzen, vor allem bei Dauermedikamenten, haben kann. Dies gilt ebenso für kühlungspflichtige Medikamente wie Insulin. Bei Reisen in tropische Länder ist es sicherlich ratsam, bei hitze- oder feuchtigkeitsempfindlichen Arzneiformen wie zum Beispiel Suppositorien, TTS oder Pulverinhalatoren zuvor mit Arzt und Apotheker geeignete Alternativen zu eruieren. Ein guter Sonnenschutz ist allgemein empfohlen, Patienten mit photosensibilisierender Therapie wie zum Beispiel Retinoiden, Tetracyclinen oder Amiodaron sollten aber besonders auf einen hohen Lichtschutzfaktor achten und ausgiebige Sonnenbäder, wenn möglich, vermeiden.“ Ergänzend sollten Kunden vor einer Reise erinnert werden, notwendige Bescheinigungen, medizinische Dokumente und Impfungen rechtzeitig zu organisieren.

Metadaten
Titel
Ich packe meinen Koffer…
Publikationsdatum
13.04.2022

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