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Open Access 24.11.2022 | Innere Medizin

„Jetzt haben wir alles auf Knopfdruck“

verfasst von: Mit Friedrich Anton Weiserhat Josef Broukal gesprochen

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Vor zwei Jahren hat Dr. Friedrich Anton Weiser radikal mit Papier Schluss gemacht. In seiner Gruppenpraxis für Allgemeinchirurgie im 23. Wiener Bezirk haben Computer und Datenspeicher das Regiment übernommen. Warum und mit welchem Erfolg? Die Ärzte Woche hat nachgefragt.

Herr Dr. Weiser, weshalb die Umstellung vonPapier auf Datenspeicher?

Weiser: Wir sind verpflichtet, alle Patienten betreffende Dokumente zehn Jahre aufzuheben. Und: Wir haben in Österreich eine dreißigjährige Nachhaftung. Wir sind also gut beraten, alle Unterlagen und Beratungsbögen nicht nur zehn, sondern 30 Jahre aufzuheben. Wir machen sehr viele Untersuchungen und kommen daher im Monat auf etwa eintausend Aufklärungs- und Anamnesebögen zu je zwölf Seiten. Hochgerechnet aufs Jahr sind das 144.000 Seiten. Und das mal dreißig … Denken Sie daran, was das alleine an Papier kostet und an Druckerpatronen. Am Ende ist für uns die papierlose Ordi billiger als die Papiervariante – nicht wahnsinnig, aber ein wenig schon.

144.000 Seiten pro Jahr – da kommt eine unglaubliche Papierflut zusammen – und man muss die Dinge ja auch wieder finden können. Wenn in fünfzehn Jahren ein Patient kommt und sagt, da war etwas nicht in Ordnung, dann muss ich mich freibeweisen. Und das kann ich nur, wenn ich auf die Dokumente zugreifen kann. Solange ich alles auf Papier festhalte, brauche ich immer mehr Lagerplatz. Und ich muss ein Archivsystem einrichten, dass mir erlaubt, die Sachen wieder zu finden. Alles wahnsinnig kompliziert. Mein Ordi-Partner Dr. Halkawt Al-Mufti war übrigens am Anfang sehr skeptisch. Bis ich zu ihm sagte: „Bitte, geh hinunter in die alte Ordi. Such’ den Befund der Frau Maier vom 17. Juli 1994. Und in drei Monaten sehen wir uns wieder …“ Das hat ihn überzeugt. Der ganze Raum war voll mit Kartons. Da was zu finden, war irre. Und jetzt haben wir alles auf Knopfdruck.

Ganz wichtig sind am Anfang jeder Arzt-Patient-Beziehung Aufklärung und Anamnese. In vielen Ordinationen bekommt man dafür Papier, Kugelschreiber und ein Klemmbrett. Wie ist das in der papierlosen Ordination?

Weiser: Dafür verwenden wir Tablets. Was die Patienten darauf angeben, ist auf Knopfdruck und für alle Zeiten in der elektronischen Datei gespeichert. Und es ist bei jeder nachfolgenden Konsultation sofort verfügbar. Das Einzige, was auf Papier noch übrig bleibt, ist der schriftliche Befund – den dürfen wir noch nicht digitalisieren. Aber alles andere haben wir so gut wie frei von Papier.

Wie kommen ältere Patienten mit den Tablets zurecht?

Weiser: Ganz unterschiedlich. Ich hatte an einem Tag einen neunzigjährigen Patienten, der hat sich das Tablet angeschaut, hat sich umgedreht und gesagt „Mit mir nicht“. Und am selben Tag war ein Jurist eines Privatkrankenhauses da und sagte, unser System sei genial, er werde es in seinem Spital einführen. Also diese Bandbreite gibt es. Natürlich hilft einer unserer Mitarbeiter, wenn jemand mit dem System nicht zurechtkommt. Aber 99 Prozent der Patienten haben damit keine Probleme.

Wenn Daten 30 Jahre lang zur Verfügung stehen müssen – wie schützen Sie sich vor Datenverlust oder Hacker-Angriffen? Ist das, was Sie tun, gesetzlich erlaubt und zulässig?

Weiser: Die Server in der Ordination sind mit einer Firewall gegen Angriffe geschützt. Ältere Daten lagern wir in die Cloud aus. Unser IT-Dienstleister synMedico sagt, sie seien dort ebenfalls gut aufgehoben. Bevor wir ins Zeitalter der Papierlosigkeit gewechselt haben, habe ich alles von zwei Top-Juristen checken lassen. Deren Befund: Was wir planen, sei State of the Art. Natürlich gibt es Leute, die es schaffen, sich ins Pentagon zu hacken. Aber warum sollten die Zeit und Mühe auf eine Ordi in Wien 23 verschwenden?

Abschließend gefragt: Was haben Patienten und Patientinnen von der papierlosen Ordination?

Weiser: Sie wissen, dass ihre Daten jederzeit verfügbar sind. Und dass wir Ärzte bei Beschwerden auf Knopfdruck ihre Krankengeschichte aufrufen und ausdrucken können.

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Metadaten
Titel
„Jetzt haben wir alles auf Knopfdruck“
Publikationsdatum
24.11.2022

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