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19.03.2020 | Innere Medizin | Onlineartikel

Patienten-Info: Wissenswertes zum Coronavirus

Autor:
Prof. Dr. Heinz Ludwig

Ruhig zu bleiben fällt in Zeiten der Panikmache angesichts des Coronavirus schwer. Warum wir es trotzdem tun sollten, erklärt uns der Wiener Onkologe Prof. Dr. Heinz Ludwig.

Zum Virus: Das Corona Virus (SARS CoV-2) hat vor wenigen Monaten in der Stadt Wuhan durch Veränderung (Mutation) seines ursprünglichen genetischen Materials den Sprung vom Tierreich zum Menschen geschafft.

Ansteckung: Die Ansteckung erfolgt vorwiegend durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Speichel) oder auch über direkten Kontakt mit kontaminierten Körperflächen (zumeist Hände) sowie verschiedenen Gegenständen des Alltags. Ähnlich wie bei anderen respiratorischen Infektion kommt der Balance zwischen Viruslast und Immunsystem des betroffenen Individuums eine entscheidende Rolle beim Ausbruch einer Infektion zu.  

Symptome: Eine SARS CoV-2 Infektion verursacht in der Regel leichte Symptome wie andere Erkältungskrankheiten, wie Fieber, Husten, Müdigkeit. Allerdings können auch schwerwiegende Symptome wie Kurzatmigkeit und Atemnot sowie selten auch tödliche Komplikationen, insbesondere bei Personen mit geschwächten Immunsystem, auftreten. Die Todesrate liegt derzeit bei etwa 2%. Allerdings ist von einer großen Dunkelziffer nicht diagnostizierter Infizierter Personen auszugehen, sodass die Mortalitätsrate geringer sein dürfte. Allerdings steigt das Sterberisiko mit dem Lebensalter und liegt bei 70-80 Jährigen bei 8% und bei über 80 Jährigen bei 15%

Wie kann ich mich vor Infektionen schützen:  Vermeidung von Kontakt mit anderen Menschen, sorgfältiges Händewaschen (siehe untenstehender Link zu einer detaillierten illustrierten Instruktion sowie zu einem Video), Schutzkleidung. Mundmasken sind hier leider nicht ausreichend, sie reduzieren allerdings die Gefahr der Verbreitung von Viren von bereits infizierten Personen.

Inkubationszeit: bisher offensichtlich bis zu 2 Wochen vor Ausbruch einer Infektion und die ersten Tage während einer klinisch symptomatischen Infektion.

Wie lange kann das Coronavirus auf Oberflächen infektiös bleiben: Neue Daten weisen darauf hin, dass SARS-CoV-2 mehrere Stunden in Aerosolen infektiös bleiben kann; für Kupfer gelten 3.4, für Karton 8.5, für Stahl 13 und für Plastik 16 Stunden.

Behandlung der Symptome: Symptomatisch nach Erfordernis, z.B. fiebersenkend, Behandlung von bakteriellen Superinfektionen, Sauerstoffgabe bei Atemnot.

Versuche das Andocken der Viren zu blockieren: Das Virus dringt wie bei SARS über den ACE2-Rezeptor in die menschliche Zelle ein, wobei das virale Spike-Protein an den ACE2-Rezeptor bindet. Derzeit laufen verschiedene Versuche das Andocken der Viren zu behindern. Allerdings ist fraglich, ob eine derartige Strategie großen Nutzen bringen würde, da ja die Blockade über die Dauer der Epidemie aufrecht erhalten werden müsste. 

Behandlung der Virusinfektion: Eine Behandlung zur Eindämmung der Virusinfektion ist bisher nicht etabliert. Bei schweren Infektionen werden derzeit folgende Substanzen eingesetzt: Chloroquin, Lopinavir in Kombination mit Ritonavir, Remdesivir (wird derzeit in einer randomisierten Studie untersucht) sowie Darunavir in Kombination mit Ritonavir. Zur Reduktion der Entzündungskaskade empfiehlt sich der Einsatz von Tocilizumab.

Was tun bei Auftreten von grippeähnlichen Symptomen: Kontakt-Aufnahme mit Experten der AGES über Telefonnummer 0800 555 621 (24 Stunden erreichbar) oder über das Gesundheitstelefon 1450. Keinesfalls selbst in eine Arzt-Ordination oder Ambulanz gehen!

Kann ich mich auf Vorliegen einer Corona-Virus-Infektion testen lassen: Experten entscheiden nach ausführlicher Analyse Ihrer Situation ob eine Testung sinnvoll oder notwendig ist.

Wie reagieren Krebspatienten ganz allgemein auf das Virus? 

Einem Bericht aus China zufolge haben Tumorpatienten ein höheres Infektionsrisiko und einen schwereren Krankheitsverlauf (Lancet Oncology Februar 2020). Allerdings kann man dies nicht pauschal für alle Patienten annehmen, vielmehr sollte die spezifische Situation des Einzelnen berücksichtigt werden. Viele Patienten mit soliden Tumoren haben außerhalb von Therapiephasen eine normale Infektabwehr. Unter Therapie kann diese aber deutlich supprimiert sein. Außerdem gehen bestimmten hämatologischen Erkrankung mit einer Suppression der Abwehrmechanismen einher, die unter Therapie noch weiter unterdrückt wird.

Besondere Risikofaktoren sind: Alter über 65 Jahre, eine niedrige Lymphozytenzahl (<0,2x109/L) schwere Immunssuppression, und wenig neutrophile Granulozyten (insbesondere nach allogener Stammzelltransplantation)

Kann ein Patient aus seinem Blutbefund ersehen wie stark oder schwach sein Immunsystem ist: Nur bedingt, da selbst bei niedrigen Zahlen von weißen Blutkörperchen die Abwehr funktionieren kann. Sind die Lymphozyten stark reduziert, so kann dies mit einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Virusinfektionen verbunden sein.

Wichtige Informationsquellen:

Bundesministerium für Soziales und Gesundheit

https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Uebertragbare-Krankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/Neuartiges-Coronavirus.html

Instruktion über richtiges Händewaschen:

https://www.rajapack.de/verpackungsnews/haendewaschen/

Video „Richtiges Händewaschen:

https://www.youtube.com/watch?v=HwMDo_QZkkI

Generelle Bemerkung: Die Ausbreitung der Corona-Infektion ist, wie die letzte Entwicklung zeigt, nicht aufzuhalten, da selbst rigorose Isolationsmaßnahmen ohne die erwartete schnelle Wirkung bleiben. Es ist zu hoffen, dass dennoch der angestrebte Nutzen einer Isolationspolitik den dadurch bedingten enormen Schaden für die Gesellschaft (insbesondere für jene ohne staatlich gesicherten Arbeitsplatz) überwiegen wird. Die Infektionswelle wird, wie die epidemiologischen Daten aus China erhoffen lassen, wieder abklingen, so wie wir dies bei der Vogelgrippe oder den jährlichen Influenza-Epidemien beobachten können.

Interessant ist, dass die hohen Todesraten, die durch die jährlichen Grippewellen entstehen, keine öffentliche Aufmerksamkeit nach sich ziehen, obwohl in Österreich im Jahr 2019 über 1000 Menschen daran gestorben sind. Diese Todesfälle wären zum Großteil durch die Grippeimpfung zu vermeiden. Dennoch lässt sich nur ein kleiner Teil der Österreicher Grippeimpfen.

Autor:

Prof. Dr. Heinz Ludwig

Wilhelminen Krebsforschungsinstitut,

c/o I. Medizinische Abteilung

Wilhelminenspital, Wien

Stand: 17. März 2020

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