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20.11.2022 | Herzinsuffizienz

Österreich erkennt seine telemedizinischen Chancen

verfasst von: Josef Broukal

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Während der Pandemie kamen Telefon und Internet zum Zug. Aber hätten sie nicht auch in normalen Zeiten ihren Platz im Verhältnis Arzt-Patient? Zum Beispiel bei häufigen chronischen Krankheiten? Das Institut für Höhere Studien in Wien meint: Richtig gemacht, bringt Telemedizin viel.

Das Institut für Höhere Studien (IHS) ging der Frage nach, wie Telemedizin bei COPD, Diabetes mellitus und Hypertonie helfen kann. Unter der Leitung von Dr. Thomas Czypionka wurden Hunderte Studien im Internet aufgestöbert und geprüft. Ergebnis: „Telemedizin hat das Potenzial, den Outcome für die Patienten zu verbessern“, sagt Czypionka. Aber: „Nicht jede telemedizinische Anwendung ist effektiv. Oft liegt der Erfolg nicht in der Anwendung selbst – sie ist schließlich von fachkundigen, klugen Menschen gemacht worden –, sondern an der Art und Weise, wie sie sich dem Patienten und dem Arzt zeigt. Gesundheitsdienste-Anbieter und Patienten müssen sie gerne anwenden wollen.“

Czypionka meint, dass die jungen Ärztinnen und Ärzte als mit dem Internet und Smartphone aufgewachsene „digital natives“ gut mit telemedizinischen Anwendungen zurechtkommen. Der anstehende Generationswechsel werde vieles möglich machen. Dennoch: Wichtig sei auch im Zeitalter von Video-Calls und Medizin-Apps der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient. Telemedizin werde eine unterstützende Maßnahme bleiben.

In den vom IHS durchleuchteten Studien zeige sich klar, sagt Czypionka: „Wenn ärztliche Versorgung nur oder vorwiegend durch Telemedizin erfolgt, wirkt sie schlechter. Entscheidend ist, dass der Arzt den Patienten kennt und der Patient den Arzt. Dann kann Telemedizin sehr gut unterstützen.“

Spart Leid, nicht Kosten

Hilft Telemedizin, Geld zu sparen? Nein, sagt Czypionka. Es gebe vielleicht höhere Kosten, aber dafür auch eine höhere Qualität der Versorgung – und mehr Lebensqualität. Das sieht man bei COPD sehr stark. Dort verschlechtert sich oft im Herbst und Winter das Krankheitsbild. Dazu kommt oft eine Infektion.

Ergebnis: Die Patienten bekommen schlechter Luft. Müssen sie jetzt ins Krankenhaus mit allem, was dazu gehört: Anreise, lange Wartezeiten …? Oder genügt die Einnahme eines Medikaments zu Hause? Telemedizinische Überwachung, sagt Czypionka, könne sehr gut unterscheiden, ob ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist oder nicht. Die engmaschige Kontrolle mache sich bezahlt.

Bezahlt mache sich auch die Tagebuchfunktion vieler telemedizinischer Anwendungen. Die Selbstauskunft über Wohlbefinden und klinische Kennwerte verbessert das Selbstmanagement. Die Patienten bekämen mehr Klarheit über ihre Symptome.

Ärzte müssen mitreden

Bei der Österreichischen Ärztekammer beobachtet Dr. Alexander Moussa die Entwicklung der Telemedizin. Moussa leitet das ÖÄKReferat „E-Health in Ordinationen“. Er ist Allgemeinmediziner im oststeirischen Hartberg. Er sagt, es hänge immer davon ab, wie einfach ein Programm zu bedienen ist. Die Ärzteschaft sträube sich nicht gegen den Einsatz von Telefon und Computer, auch wenn man ihr Technikfeindlichkeit unterstellt. Ärztinnen und Ärzte sollten beim Erstellen von Telemedizin-Programmen einbezogen werden. Am besten wäre die Integration in die Arzt-Software der einzelnen Hersteller.

Besonders groß sei der Nutzen für den Patienten dann, wenn er bei der täglichen Dateneingabe sehen kann, was sich bei ihm tut: Hat er zugenommen? Klettert der Blutdruck nach oben? Erleichtert Telemedizin die Arbeit von Ärzten? Nein, sagt Moussa. Sie bringe zusätzliche Arbeitszeit – schließlich müsse der telemedizinische Input nach den normalen Ordinationszeiten bearbeitet werden. Und – so viel Standesvertreter muss sein – die Mehrarbeit müsse entlohnt werden.

Beispiel „Herzmobil“

Ein Beispiel für Telemedizin ist für Moussa das Telemedizin-Projekt „Herzmobil“. Es hilft bei der Kontrolle von Patienten mit Herzinsuffizienz. Diese erhielten nach Schulung: eine Körperwaage, ein Blutdruck- und Pulsmessgerät und ein spezielles Mobiltelefon. Über das Telefon geben die Patienten die Messdaten ein, die sie selbstständig erhoben haben: Gewicht, Puls, Blutdruck. So können Verschlechterungen früher erkannt und bekämpft werden.

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Metadaten
Titel
Österreich erkennt seine telemedizinischen Chancen
Publikationsdatum
20.11.2022

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