Zwischen Kätzchen und Krise in der Pollensaison 2026
- 01.04.2026
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Die Pollensaison 2026 hat früh und heftig begonnen, und Allergiker stehen vor größeren Herausforderungen als je zuvor. Gestresste Pflanzen und neue Initiativen für allergikerfreundliche Städte werfen die Frage auf: Wie viel Frühling erträgt der Mensch?
OEPID / Johannes M. Bouchal
Mitte März am Stadtrand von Wien. Die Weiden am Marchfeldkanal sind ausgelichtet, Zweige wurden abgezwickt oder abgerissen. Viele möchten ihre Wohnungen mit flauschigen Palmkätzchen österlich schmücken. Doch Vorsicht: Wer auf Baumblüten allergisch reagiert, sollte besser darauf verzichten!
Der Pollen der Sal-Weide gilt als mäßig allergen, doch sensibilisierte Menschen reagieren auch auf blühende Verwandte wie Pappeln und andere früh blühende Gehölze.
Die Pollensaison 2026 begann abrupt, eigentlich schon Ende Dezember, als die Purpurerle, nur botanischen Insidern bekannt, Pollen freisetzte. Dieser Winterblüher, eine Kreuzung aus Japanischer und Kaukasischer Erle, ist bei Stadtgärtnern beliebt wegen seiner Widerstandskraft gegen Salz und Luftschadstoffe. Er löst bei Birken- und Haselpollenallergikern Symptome aus, lange bevor sie mit Pollen in der Luft rechnen. Kein Ende der schlechten Nachrichten: Die Purpurerle wird direkt von den genannten Gehölzen abgelöst. Erleichterung brachten die klirrende Kälte im Januar und der Wintereinbruch im Februar. Mit dem Temperaturanstieg Ende Februar explodierten die Pollenbeutel und setzten Unmengen von Pollen frei.
Keine Zeit, sich anzupassen
Aerobiologe Lukas Dirr, MSc, erklärt: „Eine hohe Pollenkonzentration führt nicht automatisch zu starken Symptomen.“ Entscheidend sei, wie eine Saison beginne und verlaufe. Steige die Belastung langsam an, könne sich der Körper besser anpassen. Ein schlagartiger Beginn wie in diesem Jahr verstärke hingegen die subjektiv empfundene Intensität. Auch die Luftqualität spiele eine Rolle: „Schadstoffe wie Ozon können die Allergenität der im Pollen enthaltenen Proteine erhöhen und Symptome intensivieren.“ Gestresste Pflanzen setzen mehr Pollen frei. Zusätzlich belasten Temperaturschwankungen die Betroffenen.
Zum Erscheinen dieser Ausgabe ist der Höhepunkt der Birkenblüte erreicht. 2026 ist ein sogenanntes „Mastjahr“. Bei Temperaturen über 10°C entwickeln sich die Blüten rasch. Die Birkenblüte folgt einem Zwei-Jahres-Rhythmus: Auf ein Jahr mit geringer Gesamtpollenmenge folgt meist eines mit höherer Gesamtpollenmenge, als „Mastjahr“ bezeichnet. In Tschechien ist der dritte Monat des Jahres nach dem attraktiven Zierbaum benannt ( březen ). In der Regel begegnen uns Birken als Park- oder Alleebäume in Gärten, natürlich kommen sie bei uns nur auf Waldschlägen vor.
Experten sehen in der Art der Bepflanzung in Städten und Gemeinden zunehmend ein Problem für Pollenallergiker ( siehe die Anmerkungen zur Purpurerle weiter oben ). Hier setzt „PollenCare“ an. In der österreichisch-ungarischen Grenzregion soll eine allergikerfreundliche Bepflanzung durchgesetzt werden. Die Mittel für dieses Vorhaben stammen aus einem grenzüberschreitenden EU-Projekt (INTERREG). Zugleich entstehen Pflanzenkataloge mit Empfehlungen für öffentliche Grünräume und private Gärten. Der Österreichische Polleninformationsdienst (ÖPID) ist wissenschaftlicher Partner bei dieser Aktion, die noch am Anfang steht. Ein Schaugarten in Sopron, Fortbildungen und Infomaterial sind geplant.
An „PollenCare“ beteiligen sich die burgenländische Landeshauptstadt Eisenstadt sowie Baden, Grimmenstein, Bad Erlach und Mönichkirchen in Niederösterreich. Die Baumkataster dieser Gemeinden werden durchforstet. Die Auswertung ist Ende Mai abgeschlossen, sagt Dr. Johannes Bouchal, Aerobiologe beim ÖPID. Danach werden die Ergebnisse vor Ort präsentiert. Dazu werden Webinare angeboten mit Praxistipps für eine allergikerfreundliche Gartengestaltung. Ein KI-Chatbot steht als Erstversion zur Verfügung, er wurde mit Daten von „Natur im Garten“ und ÖPID gefüttert.
Online-Link
www.polleninformation.at/services/pollencare