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Gute Vorsätze für 2026 Wenn ich nur aufhören könnt ...

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Viele Menschen setzen sich zum Jahreswechsel Ziele. In Umfragen erweisen sich diese seit vielen Jahren als erstaunlich konstant. Diese Vorhaben sind meist schnell passé. Das muss aber nicht sein.

Mehr bewegen, gesünder essen, weniger rauchen – rund um Neujahr haben gute Vorsätze Hochkonjunktur. Laut Umfragen betrifft ein Großteil der oft sehr ehrgeizigen Ziele unser höchstes Gut: die Gesundheit. Doch wer noch Anfang Jänner voll Motivation die Laufschuhe geschnürt oder gesund gekocht hat, gibt das Vorhaben oft schon nach kurzer Zeit wieder auf.

Meist liegt das nicht an mangelnder Motivation, analysiert Prof. Dr. Andreas B. Eder von der Universität Würzburg. Vielmehr scheiterten Vorsätze an unklar gefassten Zielen, unrealistischen Erwartungen, falschen Strategien, mangelnder Planung und anderen typischen Fallstricken. Um das zu vermeiden, empfiehlt der Motivations- und Emotionspsychologe das Akronym SMARTER, das bei der Formulierung und Umsetzung von Vorsätzen hilft. Der Meinungsforscher Prof. Dr. Wolfgang Beutelmeyer beleuchtet die Neujahrsvorsätze der Österreicherinnen und Österreicher für 2026. Wie seit Jahrzehnten stehen gesundheitliche Ziele an der Spitze der Liste. Grundsätzlich änderten sich im Lauf der Zeit weniger die Themen der Vorsätze als deren Gewichtung und Ausformung, erklärt Beutelmeyer diese Tatsache. Heutzutage gehe es weniger um Verzicht und Disziplin – z. B. um Rauchverzicht oder Gewichtsverlust –, sondern eher um Lebensqualität und Selbstfürsorge.

Inhaltliche Verschiebungen gibt es aber doch: Laut Beutelmeyers MARKET Institut verliert Umweltschutz, der in den frühen 90ern oder in der jüngeren Vergangenheit häufig genannt wurde, 2026 dramatisch an Bedeutung. Neu hinzugekommen ist der Wunsch, weniger Zeit mit dem Handy und zu verbringen –, was auf ein wachsendes Bewusstsein für digitale Belastungen verweist.

Warum gute Vorsätze oft scheitern – und wie ihre Umsetzung doch gelingen kann

Prof. Dr. Andreas B. Eder, Professor für Psychologie an der Universität Würzburg mit Schwerpunkt auf Motivations- und Emotionspsychologie


„Viele Menschen nutzen den Jahreswechsel, um sich Ziele zu setzen. Dass das ausgerechnet zu Neujahr geschieht und nicht etwa zum Geburtstag oder einem anderen Stichtag, hat vor allem kulturelle und soziale Gründe: Der 1. Jänner steht für einen Neubeginn. Hinzu kommt, dass Freunde und Familie oft ebenfalls Vorsätze fassen, was motiviert, es ihnen gleichzutun. Psychologisch betrachtet könnte man Veränderungen aber jederzeit anstoßen. Der Erfolg hängt nicht vom Datum ab.

So groß die Motivation anfangs auch ist – viele Vorsätze überleben nicht lange. Ein häufiger Fallstrick sind Startschwierigkeiten: Man verpasst den richtigen Moment, Pläne umzusetzen. Viele Menschen nehmen sich vor, mehr Sport zu treiben, legen aber nicht fest, wann das passieren soll. Ohne konkrete Termine bleibt der Vorsatz vage, wird aufgeschoben und schließlich aufgegeben.

Auch falsche Strategien und unrealistische Erwartungen führen zum Scheitern. Besonders bei gesundheitlichen Zielen fehlt oft das Wissen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und wann Erfolge zu erwarten sind. Menschen mit Rückenschmerzen beginnen z. B. mit täglichen Spaziergängen und hoffen, dass die Beschwerden binnen kurzem vergehen. Häufig kommt eine Überbeanspruchung dazu: Man startet zu ehrgeizig, steigert sich nicht schrittweise und scheitert an körperlichen oder zeitlichen Grenzen.

Vorsätze betreffen meist Änderungen, die Selbstdisziplin und Anstrengung erfordern, wie der Verzicht aufs Rauchen oder eine Ernährungsumstellung. Es hilft daher, Versuchungen so gut es geht zu meiden. Wichtig ist allerdings auch, nicht an ungeeigneten Strategien festzuhalten. Manche Menschen beginnen mit dem Joggen, um abzunehmen, obwohl die Sportart für sie aus gesundheitlichen Gründen ungeeignet ist. Dennoch bleiben sie dabei –, weil sie ihren Plan durchziehen möchten oder schlicht, weil sie in teure Laufschuhe investiert haben.

Von besonderer Bedeutung ist die Auswahl der Ziele. Wer zu viel auf einmal will, überfordert sich. Die Devise sollte lauten: „Choose your battles“. Ein erster Schritt kann sein, alle Ziele zu notieren und nach Priorität zu ordnen. Bei der konkreten Gestaltung der so gewählten Vorsätze bietet das SMARTER-Prinzip Orientierung:


  • S wie spezifisch: Die Ziele sollen klar und konkret formuliert sein.
  • M wie messbar: Die Fortschritte sollten überprüfbar sein.
  • A wie anspruchsvoll: Die Ziele sollen fordern, aber nicht überfordern. Zu geringe Herausforderungen mindern die Motivation.
  • R wie realisierbar: Die Vorsätze müssen realistisch sein.
  • T wie terminierbar: Ein klarer Start- und Endzeitpunkt oder ein Termin für eine Zwischenbilanz ist wichtig.
  • E wie eigeninitiativ erreichbar: Die Umsetzung sollte nicht von anderen abhängen. Wer mehr Zeit mit der Familie verbringen will, scheitert, wenn die nicht mitzieht.
  • R wie rückmeldungsgebunden: Vereinbarungen, z. B. mit dem Hausarzt, sollten überprüft werden, etwa durch eine medizinische Beurteilung nach einem halben Jahr Rückentraining.


Nicht zuletzt sind soziale Faktoren mitentscheidend: Wer seine Vorsätze mit anderen teilt, erhöht die Verbindlichkeit. Es hilft auch, Ziele gemeinsam zu verfolgen – das erleichtert den Einstieg und macht die Umsetzung lustvoller.“

Prof. Dr. Andreas B. Eder, Professor für Psychologie an der Universität Würzburg mit Schwerpunkt auf Motivations- und Emotionspsychologie

Neujahrsziele für 2026: Umweltschutz verliert dramatisch an Bedeutung

Prof. Dr. Werner Beutelmeyer, Institutsvorstand und Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens MARKET Institut in Linz


„Neujahrsvorsätze gelten als flüchtig – doch inhaltlich sind sie erstaunlich beständig. Seit den frühen 1990er-Jahren befragt das MARKET Institut die Österreicherinnen und Österreicher regelmäßig zu ihren Zielen für das kommende Jahr.

Beim Vergleich dieser Erhebungen wird deutlich, dass sich im Lauf der Zeit weniger die Themen der Vorsätze verändern als deren Gewichtung und Ausformung. Die Erhebung für 2026, für die Mitte Dezember des Vorjahres 1.000 Menschen ab 16 Jahren online befragt wurden, bestätigt diesen Trend.

Bereits seit Jahrzehnten stehen gesundheitliche Themen an der Spitze der in Umfragen genannten Vorsätze. Die vier häufigsten Ziele 2026 sind unserer Befragung zufolge denn auch:


  •   Gesünder und bewusster leben: 41 %
  •   Auf gesunde Ernährung achten: 34 %
  •   Mehr Sport betreiben: 33 %
  •   Einige Kilogramm abnehmen: 31 %

Der Wunsch, abzunehmen, ist dabei ein gutes Beispiel für die Beständigkeit bestimmter Vorsätze. Schon 1993 zählte er mit 35 Prozent der Nennungen zu den Spitzenreitern – mehr als 30 Jahre später ist er unverändert populär. Wir sehen: Körperbezogene Ziele prägen die Vorsatzkultur seit jeher.
Ein Vergleich früherer Jahre mit 2026 zeigt jedoch auch klare Unterschiede. Früher dominierten klar definierte Verhaltensänderungen wie Gewichtsreduktion oder Rauchentwöhnung. Heute verstehen die Menschen Gesundheit umfassender: Vorsätze zielen weniger auf Verzicht und Disziplin ab, als auf Lebensqualität, Selbstfürsorge und Balance.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den sozialen und persönlichen Zielen für das bevorstehende Jahr wider. Für 2026 nehmen sich 28 Prozent der Befragten vor, mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen, ebenso viele wollen Kontakte intensiver pflegen. Ein Viertel plant, die Freizeit sinnvoller zu gestalten, 22 Prozent möchten sich selbst mehr verwöhnen.
Gesellschaftlich oder moralisch geprägte Ziele spielen bei Vorsätzen meist nur eine Nebenrolle, was heuer besonders beim Thema Umweltschutz sichtbar wird: Nur mehr zehn Prozent der Befragten nennen ihn als Vorsatz (1993 waren es noch 28 Prozent, 2025 12 %). Damit einhergehend wollen lediglich drei Prozent weniger Auto fahren (1993: 14 Prozent, 2025: 6 %).
Der Wunsch, anderen zu helfen oder rücksichtsvoller zu sein, bleibt mit rund zehn Prozent ebenso eine Minderheitenposition wie das Vorhaben, es mit der Wahrheit genauer zu nehmen (4 Prozent). Beide Ziele wurden allerdings schon 1993 nicht besonders oft genannt.
2026 treten aber auch neue, für unsere Zeit typische Vorsätze auf. So geben 17 Prozent der Befragten an, weniger Zeit mit dem Handy verbringen zu wollen. Dieser Vorsatz, der erstmals erhoben wurde, verweist auf ein wachsendes Bewusstsein für digitale Belastungen.
Insgesamt zeigt sich: Neujahrsvorsätze verändern sich langsamer, als man vermuten könnte. Über Generationen hinweg bleiben Gesundheit, Beziehungen und persönliche Lebensgestaltung die zentralen Themen. Es verändert sich also weniger das Was als das Wie: Der Wunsch nach einem bewussteren, ausgewogeneren Leben prägt die Vorsätze heute stärker als klassische Leistungs- oder Verzichtsziele

Prof. Dr. Werner Beutelmeyer, Institutsvorstand und Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens MARKET Institut in Linz

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Titel
Gute Vorsätze für 2026
Wenn ich nur aufhören könnt ...
Schlagwort
Gesundheitspolitik
Publikationsdatum
22.01.2026
Zeitung
Ärzte Woche
Ausgabe 1-4/2026

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