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02.10.2022 | Gesundheitspolitik

Auf ein Bier mit Dominik Wlazny

verfasst von: Annabella Khom

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„Ein wahrer Freund ist gleichsam ein zweites Ich" und "deine Absicht erst gibt deinem Werke seinen Namen", sagte Ambrosius von Mailand De officiis ministrorum. Dominik Wlazny und sein Alter Ego Marco Pogo können schon ganz gut miteinander.  So oder so, muss man selbst gebastelte Masken nicht mal als Bundespräsident ganz ablegen. Nach dem “goschat sein” kommt: “Ich hab das alles ernst g´meint”. Die Frage, warum wir uns "ned einfach lieb haben können” und den Wunsch danach, “ned gschissn zu sein”, will Dominik Wlazny beantworten. Dazu muss er nüchtern, aber nicht zu professionell sein.

Ich fläze auf der Couch des Bundespräsidentschaftskandidaten Dominik Wlazny und beobachte ihn dabei, wie er mir behutsam eine Dose TurboBier in einen Bierhumpen einschenkt. Fix lasse ich mir die Chance nicht entgehen, vom womöglich zukünftigen Bundespräsidenten ein Bier serviert zu bekommen. „Ich hab´s extra umg´schüttet aus der Dose!“, betont er Offensichtliches mit einer strahlenden Freude im Gesicht. Gerne würde er ein Bier mit mir trinken. Dem straff getakteten Terminkalender geschuldet wäre er aber „bis zum Wahltag vermutlich tot“, würde er während dieser Zeit „ah nur a Bier“ trinken. Er zeigt mir seinen Terminkalender. Ja, der ist schon heftig. Wie viele Stunden hat ein Tag nochmal? 42? Schnell ein Schluck Bier.

King of Simmering

Dr. Wlazny kann mit "dem ganzen, alten "Einordnungschaß" nix anfangen. Die Schublade 2muss man erst finden", in die Wlazny passen könnte. Oder auch nicht. Herr Wlazny und ich plaudern in seinem Heimatbezirk Simmering und sitzen in Pogos Empire – dem Reich von Dominik Wlazny. Als Plattenlabel, Bierhersteller, Shop und Agentur ist das Imperium erfolgreich. Gegründet wurde es 2017 von seiner Kunstfigur „Marco Pogo“, der – je nach Blase, in der man wandelt - bekannter ist als Dominik Wlazny. 

"Marco Pogo“, Sänger und Komponist der Punkrock-Band Turbobier. „Für die Musik entschied ich mich als Turnusarzt“, erzählt er, und über die Musik kam er mit der Politik in Berührung. 2015 gründete er – wegen eines gleichnamigen Songs – die Bierpartei, zum Spaß. 2019 wurden die Lyrics bitterer Ernst: Bei der Nationalratswahl 2019 schaffte Wlazny die Kandidatur in Wien und holte fast 5.000 Stimmen. Bei der Wiener Gemeinderatswahl 2020 waren es schon rund 13.100 Stimmen, was für den Landtagseinzug nicht reichte, aber immerhin ist Wlazny Bezirksrat in Simmering. Als COVID-19 über uns hereinbrach, werkte er als Arzt in einer der Impfstraßen und verpasste das „Jaukerl“ seinen Fans vor Konzerten seiner Band Turbobier.

„Red‘ ma drüber“ 

Worüber reden? Das ist auf seinen Wahlplakaten zu lesen. „350.000 Kinder in Österreich sind armutsgefährdet“, heißt es da etwa. Es wird darauf hingewiesen, dass die durchschnittliche Pension nicht weit von der Armutsgefährdungsschwelle entfernt ist. Ebenso thematisiert werden Gewalt gegen Frauen, deren niedrigeres Einkommen – „Frauen arbeiten jedes 8. Jahr gratis“ – und Tierschutzanliegen. Ein Sujet lautet: „Warum stehen in Tirol 1.245 Skilifte, aber kein einziges Windrad?“ Gemeinsam mit dem oberösterreichischen Künstler „SBÄM“ alias Stefan Beham wurde das Thema „Red‘ ma drüber“ umgesetzt. Ganze sieben Plakatständer stehen Dr. Dominik Wlazny zur Verfügung. „Man kann mit wenig viel erreichen. Obwohl die Plakate nur auf der Mariahilfer Straße zu sehen sind – die Themen seien landesweit relevant. „Vor dem Hintergrund einer Energie-, Gesundheits-, Pflege-, Sicherheits- und Teuerungskrise müssen wir Diskurs anregen und darüber reden.“

Die Politik ist am Ende sämtlicher Skalen, die die Vertrauenswürdigkeit messen. Betrug ist nichts Neues, sondern ein internationales Phänomen. Wir müssen keine spezifisch österreichische Debatte darüber führen, meint der Kandidat. „Der Schmerz zieht sich durch die Seelen, der Schmerz des Vertrauensverlustes.‘‘ Wer sind die Täter und der Grund der Wut gegenüber unserem Staat? Wählen wir Van der Bellen? Wählen wir den Brunner? Den Staudinger? Den Rosenkranz? „Die sich nach Lösungen Sehnenden bedient die Abwärtsspirale kaum“, meint Dominik Wlazny. 

Man könnte sich doch als Bundespräsident hinstellen und ein Problem ansprechen und sagen: „Achtet´s da mal drauf“, meint er. Das Amt des Bundespräsidenten gebe nämlich sehr viel mehr her, als nur Repräsentationstermine wahrzunehmen oder, wenn es gar nicht mehr geht, die Regierung zu entlassen. „Man kann, soll und muss Meinungen positionieren, die dann öffentlich diskutiert werden. Wieso stellt sich unser Präsident nicht hin und beruft Pressekonferenzen zu wichtigen Themen ein?“ Oder, wenn wieder mal was schief gegangen ist im Land, „sprich es doch bitte einfach an und lass´die Menschen nicht unkommentiert ratlos und latent wütend herumirren“, meint Wlazny.

Authentizität und Ehrlichkeit

„Ich bin kein Profi. Ich mach und überleb´ das alles nur, weil ich Ich selbst bin und mich nicht verstelle.“ Wlazny wirkt manchmal etwas unprofessionell, aber wichtiger sei es ihm, „authentisch und ehrlich“ zu sein. Würde er sich verstellen, wäre er „immer schon sprachlos“ gewesen. Als Bundespräsident würde er „klare Worte zu klaren Themen“ sagen, denn niemand verbiete dem Bundespräsidenten, Pressekonferenzen einzuberufen und die Medienvertreter des Landes zusammenzutrommeln.  Während und nach seiner Amtszeit sollen die Menschen sagen können: „Der war da. Und das nicht nur zur Neujahrsansprache, winkend im Ausland oder zur Regierungsentlassung im Inland.“ Es passiert so viel und der Bundespräsident „darf und kann und soll den Mund aufmachen und als väterliche, liebevolle Richtschnur dienen“.

Das Bier zum Kult

„Irgendwann musste ich nicht mehr selbst für mein Bier bezahlen, weil man ja auf Konzerten viel Bier bekommt, wenn man die Band ist“, erinnert sich Wlazny an die Anfänge seiner Karriere als Turbobier-Frontman zurück. „Das war herrlich. Inzwischen vertreib‘ ich meine eigene Biermarke.“ In einem Aufwaschen mit dem zweiten Album - „Das Neue Festament“ - gründete der studierte Mediziner, erfolgreiche Musiker, Unternehmer samt eigener Biermarke sein eigenes Plattenlabel, dem er in aller Bescheidenheit den Namen Pogos Empire gab. Man sollte meinen, das reicht fürs Erste. Tat es aber nicht. Nicht für Marco Pogo. Am Anfang gab es nur die Idee, einen Song namens „Die Bierpartei“ zu schreiben. „Aus diesem Song entsprungen‘‘, ließ er die Partei dann wirklich ins Parteienregister eintragen. Weil er, wenn er sich eine Idee in den Kopf gesetzt hat, „nur schwer davon ablassen kann“. 2019 trat die 2015 gegründete Bierpartei erstmals an. Damals zur vorgezogenen Nationalratswahl, was international für Schlagzeilen sorgte. Bei der Bezirksratswahl 2020 erlangte die Partei je ein Mandat in insgesamt elf Bezirken.

Bierokraten an die Macht?

Die Band TurboBier ist Erfinder der Bierokratie und strebt die Bierokratisierung Österreichs an. Bierkonsum als Politikum, die freie Wahl des Gebräus als Grundrecht. Mit einer rechtsgültigen Satzung tritt die Bierpartei bei den heimischen Wahlen an und konnte tatsächlich schon Erfolge einfahren. Wer politisch bereits festgelegt ist, kann sich der Band in ganz anderer Form zuwenden: Die bieristische Glaubensgemeinschaft ist ein religiöser Kult, der das Bier verehrt. Glaubensführer Marco Pogo hat mit seinen höchsten Klerikern zehn Gebote erarbeitet, die den regelkonformen Bierkonsum und das Verhalten braver Bieristen beschreiben. Die genaue Anhängerzahl der bierigen Religion ist nicht bekannt, doch man munkelt, dass von Jahr zu Jahr mehr Menschen vom christlichen Glauben abfallen und zum wahren Glauben konvertieren.

Neben Religion, Politik und Musik befasst sich die Band aber auch mit den wirklich wichtigen Dingen im Leben: Bier. Natürlich dreht sich sowohl das politische Treiben als auch der religiöse Kult bereits um den holden Gerstensaft, aber das erste eigene Bier setzte allem Schaffen erst die Krone auf. Mit Turbo-Bier verwirklichte sich die Band den Traum vom eigenen Getränk und macht damit nicht nur ihre Fans, Parteimitglieder und Gemeindeangehörigen glücklich. In Zusammenarbeit mit einer namhaften Brauerei entstand das Bandbier, das sowohl in Dosen als auch in Flaschen verkauft wird. TurboBier ist kein neumodischer Firlefanz, sondern ein bodenständiges, süffiges Lager mit schlagkräftigem 5,7 %-igen Alkoholgehalt. Ein vollmundiger Erfolg – wie sollte es auch anders sein! Dominik Wlazny lädt am 09.10.2022 ab 15:00 Uhr in das Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz zum gemeinsamen Verfolgen der Hochrechnungen: „Geht’s wählen und kommt’s feiern – Ich freu‘ mich auf euch!“

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Metadaten
Titel
Auf ein Bier mit Dominik Wlazny
Schlagwort
Gesundheitspolitik
Publikationsdatum
02.10.2022

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