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Impfen: EU-weit Leben retten

Neuer Inhalt © European Commision

"Wir erleben derzeit in mehreren EU-Staaten Ausbrüche von Krankheiten, die beinahe schon ausgerottet waren." Das sei nicht mehr hinnehmbar, meint Gastautor und EU-Kommissar Vytenis Adriukaitis – und schlägt EU-weite Leitlinien vor.

Impfungen sind eine der größten Errungenschaften der Medizin. Sie schützen Millionen Menschen weltweit vor Masern, Tetanus und Keuchhusten. Ich selbst habe Menschen gekannt, die an Masern gestorben sind oder zeitlebens an den Folgen von Kinderlähmung litten.

Aufgrund von Impflücken erleben wir derzeit in mehreren EU-Staaten und Nachbarländern Ausbrüche von Krankheiten, die durch Impfungen vermieden werden könnten. Allein in den vergangenen beiden Jahren starben über 50 Menschen an Masern und Diphterie.

Als Arzt kann ich nicht hinnehmen, dass bei uns Kinder an Krankheiten sterben, die längst ausgerottet sein sollten. Impflücken in einem Mitgliedstaat stellen auch ein Risiko für die Nachbarländer dar. Hier ist EU-weites Handeln gefordert.

Deshalb habe ich am 26. April 2018 eine entsprechende Initiative auf den Weg gebracht. Die Auswirkungen der Impfskepsis auf die Immunisierungsprogramme geben zunehmend Anlass zur Sorge. Irrglaube und pseudo-wissenschaftliche Behauptungen bahnen sich durch das Internet und soziale Medien ihren Weg. Wir wollen darauf in Form eines Web-Portals mit klaren, transparenten und überprüften Daten reagieren. Impfskepsis bei Angehörigen der Gesundheitsberufe kommt hinzu. Wir müssen daher unbedingt in die Ausbildung investieren, wenn wir wollen, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse, auf die sich die Impfungen stützen, europaweit in die medizinischen Lehrpläne fließen.

Impfpolitik und Impfkalender sind von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat sehr unterschiedlich. Das ist problematisch für Menschen, die in verschiedenen EU-Ländern leben. Eine meiner Hauptempfehlungen ist daher die Aufstellung von Leitlinien für einen EU-Impfkalender.

Impfstoffknappheit ist ebenfalls ein großes Problem. Aus Solidarität sollten wir ein Versorgungsgefälle zwischen Ländern und Regionen vermeiden und eine EU-weite Datenbank zu Impfstoffbedarf und ‑vorräten einrichten. Zudem brauchen wir neue Impfstoffe und müssen existierende verbessern. Deswegen müssen wir die Impfforschung und Impfstoffentwicklung fördern.

Auch die Durchimpfungsraten müssen wir EU-weit erhöhen. Viren und Bakterien machen bekanntlich nicht an Grenzen halt, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir ein EU-weites Problem haben. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten, den Regionen, den Eltern und allen Partnern in Gesundheitswesen, Bildung und Forschung wollen wir dafür sorgen, dass alle Menschen in der EU, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit und ihrem Alter, geimpft werden können.

Vytenis Andriukaitis ist EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

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