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Ärzte Woche

02.02.2021 | Gesundheitspolitik | Ausgabe 5/2021

Impf-Kuddelmuddel

Autor:
Philip Klepeisz

Als einige Impfbeauftragte der einzelnen Kliniken und Institute des Wiener AKHs am Montag vor zwei Wochen ihre E-Mails durchsehen, finden sie eine Nachricht der Ärztlichen Direktion vor. Man möge sich doch bitte zu einem Impftermin für eine SARS-CoV-2-Immunisierung anmelden. Da diese Mail bereits am Freitag zuvor abgeschickt wurde, waren die meisten Termine rasch vergeben. Die Aufregung war groß und Mitarbeiter in Sorge. Die Ärzte Woche sprach mit Prof. Dr. Johannes Kastner, Vorsitzender des Betriebsrates des wissenschaftlichen Personals des Wiener AKHs, was bei der Impfaktion schiefgelaufen ist.

„Es waren Probleme auf mehreren Ebenen, die in Summe eine größere Unzufriedenheit ausgelöst haben“, sagt Kastner, der seit März 2020 die Funktion des Vorsitzenden des Betriebsrates für das wissenschaftliche Personal innehat. Dazu zählt, dass die Ärztliche Direktion lediglich im Wochenabstand darüber informiert wird, wann und wie viele Impfdosen erhältlich sind. Bereits zum Jahreswechsel hatten sich mehr als 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Impfung angemeldet. Dabei wurde auf eine Kategorisierung nach COVID-Stationen, Notfall- und Akutbereichen und den restlichen Bereichen geachtet. Der Plan wäre gewesen, alle Betroffenen innerhalb von drei Wochen zu impfen.

Bedarf übermittelt


Das AKH übermittelte den Bedarf der Impfdosen, wobei sich bereits rasch die erste große Herausforderung kristallisierte: Die Haltbarkeit der Impfung. Die Kühlung des Impfstoffes bedarf einer Temperatur von -80°C, was im AKH eigentlich problemlos bewältigt hätte werden können, doch es wurde entschieden, den Impfstoff nicht bei dieser Temperatur zu liefern. Daher musste der Impfstoff prompt nach Anlieferung ohne Zwischenlagerung verabreicht werden, denn nach dem Auftauen verbleiben 120 Stunden Zeit, bis der Impfstoff als unbrauchbar eingestuft wird.

Die kurze Anlaufzeit und die große Zahl der Impfdosen erschwerten die Planung. Dies ohne Not, ärgert sich Kastner, denn in kleineren Unternehmen mit beispielsweise 200 Angestellten, hätte man dies binnen eines Tages erledigen können.

Die Wahl der Software

Die dritte Kalamität erwuchs aus der Wahl der Software, die man für die Termineinteilung heranzog. Hier erhielt das Programm des Wiener Magistrats gegenüber einem Außenanbieter den Vorzug. Leider arbeitete dieses fehlerhaft, wodurch unerwartete Probleme auftraten. So kam es schon in den ersten Tagen zu zahlreichen Doppelbuchungen. Die Termine schienen alsbald alle belegt zu sein, während in Wirklichkeit Termine frei gewesen wären.

Auch erhielten die Mitarbeiter keine Nachricht, ob die Online-Anmeldung erfolgreich war; die Stornierungsfunktion funktionierte ebenfalls nicht. Die verunsicherten Kolleginnen und Kollegen wurden zusätzlich verärgert, als klar wurde, dass das System administrativen Mitarbeitern ermöglichte, sich früher als Ärzte und Pflegepersonal zur Impfung anzumelden – nach dem Prinzip: „Wer zuerst kommt, malt zuerst!“.

All diese Fehler mussten aufwändig und unter hohem Zeitaufwand entwirrt werden. Die Engpässe hätte man vermeiden können, sagt Kastner, wenn von Seiten der Lieferverantwortlichen von Anfang an transparent kommuniziert worden wäre, wie viele Impfdosen tatsächlich zu welchem Zeitpunkt verfügbar sein werden. „Was die Versorgung der Wiener Krankenhäuser mit Impfstoffen betrifft, sind wir in einer guten Situation. Es werden alle Mitarbeiter mit den Prioritäten eins bis drei geimpft.“ In anderen Bundesländern sei es nicht so einfach. Da gebe es zu Beginn lediglich Impfstoffe für die Mitarbeiter der COVID-19-Stationen.

Sein Fazit: „Vor nicht einmal zwei Wochen hatten wir eine Riesenaufregung im AKH. Mittlerweile haben wir die Situation aber im Griff. Nun ist jeder entweder geimpft oder hat zumindest einen Termin. Allerdings wird es durch die aus den Medien bekannte Knappheit nun wieder eine Verschiebung der Kategorie 2 und 3 um circa eine Woche geben.“

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