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19.11.2022 | Gesundheitspolitik

„DiGas“ werden fixe Begleiter vieler Patienten

verfasst von: Mit Arno Melitopuloshat Josef Broukal gesprochen

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Was sagt die Österreichische Gesundheitskasse zur IHS-Studie über Telemedizin? Die „Ärzte Woche“ sprach mit  Dr. Arno Melitopulos, Leiter des Bereiches Gesundheitssystem und Qualität in der ÖGK.

Herr Dr. Melitopulos, Sie sind bei der ÖGK zuständig für die Entwicklung telemedizinischer Anwendungen. Sie sind sozusagen der Adressat der IHS-Studie. Wo liegt die Zukunft der Telemedizin?

Melitopulos: Telemedizinische Anwendungen können natürlich dazu dienen, besonders die Versorgung von chronisch Kranken zu verbessern – und die Ärzte wie auch die anderen Gesundheitsberufe in ihrer Arbeit zu unterstützen. Das ist unzweifelhaft. Aber: Wir in der ÖGK sind fest davon überzeugt, dass Telemedizin nur funktionieren kann, wenn Patientinnen und Patienten eingebettet sind in einen sauberen Versorgungsprozess. Diabetiker müssen zum Beispiel von ihrem niedergelassenen Arzt gut geführt und begleitet werden. Es macht wenig Sinn, den Leuten irgendeine digitale Gesundheitsanwendung zur Verfügung zu stellen. Wir sagen: Die Grundlage jeder Telemedizin ist, dass bereits im echten Leben ein guter Versorgungsprozess vorhanden ist.


Also geht „analog“ vor „digital“?

Melitopulos: Wenn es um chronische und komplexe Krankheiten geht, ja. Das zeigt zum Beispiel das Projekt „Herzmobil“ in Tirol – und demnächst auch in anderen Bundesländern. Da ist die intensive Verknüpfung der Patienten mit den ärztlichen Angeboten das Entscheidende. Voraussetzung war, dass Kardiologen und Niedergelassene geschult und extra dafür honoriert werden. Es wird auch speziell ausgebildete Pflegekräfte geben. Herzinsuffizienz ist ein in der Regel sehr bedrohliches Krankheitsbild, und es zeigt sich, dass die im Programm der Uniklinik Innsbruck eingeschlossenen Patienten sehr gut mitmachen. Sie wissen genau, worum es geht. Für Diabetes-Patienten entwickeln wir gerade das Projekt „DiaBetter“. Es soll die Patienten in ein komplettes Versorgungskonzept einschließen: Sie sollen einerseits von speziell ausgebildetem Personal als auch den niedergelassenen Ärzten und Ärztinnen begleitet werden. Sie führen aber auch über eine App selbst Buch über ihren Gesundheitszustand. Und bekommen zu den dort eingegebenen Daten Feedback.


Bei diesen beiden Programmen spielt Telemedizin nur eine unterstützende Rolle. Gibt es auch Projekte, in denen das Elektronische die entscheidende Rolle spielt?

Melitopulos: Ja. Wir entwickeln gerade in der Steiermark das Programm „Tele-Dermatologie“. Es gibt nicht in allen ländlichen Regionen genug Hautärzte. Daher ist es schwer für Patienten, wohnortnah an Termine zu kommen. Die Fachärzte sitzen in den Bezirksstädten – das war aber noch nie anders. Und da kann Telemedizin helfen. Mithilfe einer App kann der Arzt übers Internet eine Hautanomalie begutachten und fotografieren. Nach dieser Teleordination kann der Hautarzt schon sehr gut einschätzen, ob eine Hautveränderung dringlich ist. Ob eine Behandlung durch den Hausarzt genügen würde oder eine Salbe reicht, die der Patient ohnedies zu Hause hat. Es hat sich gezeigt, dass nur 15 Prozent der so Untersuchten dann wirklich zum Hautarzt müssen. In 60 Prozent der Fälle kann der Hausarzt helfen. 25 Prozent brauchen keine weitere ärztliche Intervention. „Tele-Dermatologie“ spart nicht nur Geld – sie erspart den Patienten auch Sorgen, Fahrtkosten und Zeit.


Nun kommen immer mehr telemedizinische Anwendungen auf den Markt. Oft geadelt durch die Benennung „Medizinprodukt“. Sind diese Ihrer Ansicht nach nützlich?

Melitopulos: Die digitalen Gesundheitsanwendungen, kurz DiGas, können schon den einen oder anderen Arztbesuch ersetzen. Dafür wird es aber notwendig sein, dass wir ähnlich wie in Deutschland die Qualität und die Evidenz jeder Anwendung prüfen, also ein Zulassungsverfahren etablieren wie bei einem Medikament. Eben, um den Nutzen zu sichern, aber auch um Schäden zu vermeiden. DiGas werden jedenfalls fixe Begleiter vieler Patientinnen und Patienten werden.

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Metadaten
Titel
„DiGas“ werden fixe Begleiter vieler Patienten
Schlagwort
Gesundheitspolitik
Publikationsdatum
19.11.2022

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