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01.12.2012 | leitlinien für die praxis | Sonderheft 2/2012

Wiener klinische Wochenschrift 2/2012

Geschlechtsspezifische Aspekte für die klinische Praxis bei Prädiabetes und Diabetes mellitus

Zeitschrift:
Wiener klinische Wochenschrift > Sonderheft 2/2012
Autoren:
Alexandra Kautzky-Willer, Raimund Weitgasser, Peter Fasching, Fritz Hoppichler, Monika Lechleitner
Wichtige Hinweise
(Ausschuss Gender und Migration der ÖDG)

Zusammenfassung

Metabolische Erkrankungen beeinflussen das Leben von Männern und Frauen in den verschiedenen Lebensabschnitten in unterschiedlicher und vielfältiger Weise und stellen eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Die behandelnden ärztinnen und ärzte sind mit den unterschiedlichen Bedürfnissen von Männern und Frauen im klinischen Alltag konfrontiert. Dieser Artikel will das Bewusstsein für einen geschlechtssensiblen Zugang und eine differenzierte Betrachtung und Behandlung wecken und zur Implementierung von Praxis-relevanten Erkenntnissen der Gendermedizin in Bezug auf Prä-Diabetes und Diabetes beitragen. Geschlechtsspezifische Unterschiede beeinflussen Screening, Diagnose und Behandlungsstrategien sowie die Entwicklung von Komplikationen und die Mortalitätsraten. Veränderungen im Glukose- und Lipidstoffwechsel, die Regulation von Energiehaushalt und Körperfettverteilung sowie damit assoziierte kardiovaskuläre Erkrankungen werden stark von Steroid- und Sexualhormonen beeinflusst. Zusätzlich spielen Erziehung, Einkommen und psychosoziale Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Adipositas und Diabetes und müssen bei geschlechtsspezifischer Betrachtung mitberücksichtigt werden. Männer scheinen im jüngeren Alter und bei niedrigerem BMI ein höheres Risiko für Typ 2 Diabetes aufzuweisen als Frauen, die wiederum durch einen starken Anstieg im Risiko für Diabetes-assoziierte kardiovaskuläre Erkrankungen nach der Menopause charakterisiert sind. Frauen dürften durch Diabetes auch etwas mehr Lebensjahre verlieren als Männer, wobei die höhere Mortalität hauptsächlich auf vaskuläre Komplikationen zurückgeführt werden kann. Bei diabetischen Männern scheint dafür der Mortalitätsanstieg durch Krebs gewichtiger als bei Frauen zu sein. Bei Frauen ist Prä-Diabetes und Diabetes meist mit mehr vaskulären Risikofaktoren assoziiert, wie erhöhte Inflammationsparameter, prothrombotische Veränderungen und höherem Blutdruck. Sie weisen deshalb ein relativ höheres vaskuläres Risiko (3-6fach höher verglichen mit nicht-diabetischen Frauen) auf als Männer (2–3fach höher als bei nicht-diabetischen Männern). Frauen sind öfter stark übergewichtig und weniger körperlich aktiv, obwohl sie sogar noch mehr als Männer von einem höheren Bewegungsausmaß in ihrer Gesundheit und Lebenserwartung profitieren dürften. Frauen weisen öfter eine gestörte Glukosetoleranz, Männer hingegen erhöhte Nüchternblutzuckerspiegel auf. Eine Anamnese eines Gestationsdiabetes oder PCOS sowie höhere Androgenspiegel stellen bei Frauen, das Vorhandensein einer erektilen Dysfunktion oder erniedrigter Testosteronspiegel bei Männern wichtige geschlechtsspezifische Diabetesrisikofaktoren dar. Die erektile Dysfunktion ist bei übergewichtigen mit metabolischem Syndrom häufig und ist auch ein wichtiger Prädiktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Viele Studien zeigen, dass Frauen in der Therapie weniger oft die Zielwerte für HbA1c, LDL-Cholesterin oder Blutdruck erreichen, wobei die Ursachen unklar sind. Generell sollen in der medikamentösen Behandlung geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wirkung, Pharmakokinetik und in den Nebenwirkungen mehr Beachtung finden.

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Literatur
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