Zum Inhalt

Senolytika: neue Wunderwaffe gegen altersassoziierte Erkrankungen?

Zusammenfassung

Die Gesamtheit der von seneszenten Zellen ausgeschütteten Faktoren und deren entzündungsförderndes Sekretom (SASP) tragen maßgeblich zu einer Vielzahl altersassoziierter Erkrankungen bei. Senotherapeutische Ansätze – entweder durch Modulation des SASP mittels Senomorphika oder durch gezielte Eliminierung seneszenter Zellen mittels Senolytika – eröffnen damit neue Möglichkeiten für ursächliche Therapien jenseits symptomorientierter Behandlung. Präklinische Modelle zeigen konsistent funktionelle Verbesserungen in Muskeln, Organen und Stoffwechsel sowie teilweise eine Verlängerung der gesunden Lebensspanne. Erste klinische Studien liefern vorsichtig positive Signale, insbesondere für idiopathische Lungenfibrose, chronische Nierenerkrankung und Osteoarthritis, bleiben aber aufgrund kleiner Fallzahlen, fehlender Biomarker und der Verwendung von nichtoptimierten Wirkstoffen noch begrenzt aussagekräftig. Zugleich bestehen wichtige Herausforderungen: die Heterogenität seneszenter Zellpopulationen, das Fehlen verlässlicher diagnostischer Marker, Sicherheitsaspekte und regulatorische Anforderungen. Eigene Forschungsarbeiten sowie die Ausgründung Rockfish Bio entwickeln präzisere und selektivere Senolytika der nächsten Generation, die in präklinischen Modellen vielversprechende Wirksamkeit ohne erkennbare Nebenwirkungen zeigen. Parallel wird an zirkulierenden miRNAs als potenziellen klinischen Biomarkern gearbeitet. Ob Senotherapeutika den Sprung in die klinische Routine schaffen, hängt von robusten Studiendaten und klaren Zulassungsverfahren ab. Mit ersten Markteinführungen ist frühestens in vier bis sechs Jahren zu rechnen. Bis dahin bleibt ihr Einsatz auf klinische Studien beschränkt und erfordert eine realistische, evidenzbasierte Beratung der Patient*innen.
Titel
Senolytika: neue Wunderwaffe gegen altersassoziierte Erkrankungen?
Verfasst von
Ingo Lämmermann
Assoc. Prof. Dr. Johannes Grillari
Publikationsdatum
30.01.2026
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
Gynäkologie in der Praxis
Print ISSN: 3005-0758
Elektronische ISSN: 3005-0766
DOI
https://doi.org/10.1007/s41974-026-00403-2
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.
Bildnachweise
Alte und junge Hände /© Evrymmnt / stock.adobe.com