Unter der Ägide mehrerer kardiologisch orientierter (und tätiger) Frauen hat sich vor Kurzem auch in Österreich die Initiative „Go Red for Women“ etabliert. Diese Bewegung existiert seit etlichen Jahren in den USA, inzwischen auch in anderen europäischen Ländern, um auf das Problem des noch immer weit verbreiteten fehlenden Wissens und Bewusstseins um Herz-Kreislauferkrankungen bei Frauen, die dazu führenden Risikofaktoren und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten von Prävention, hinzuweisen.
N F / peopleimages.com / Stock.adobe.com
Vor Jahren wurde in Amerika, unter anderem von der American Heart Association, der Monat Februar zum Herzmonat ausgerufen, am 1. Februar sollte rote Kleidung zur Steigerung der Aufmerksamkeit für das Problem speziell im Hinblick auf Frauen getragen werden („Wear Red Day“).
In Wien wurde nun die Initiative unter der Schirmherrschaft des Österreichischen Herzfonds und unter Mitwirkung zahlreicher Personen und Organisationen aus Wissenschaft und Industrie gegründet. Denn trotz der Tatsache, dass die häufigste Todesursache von Frauen nach wie vor die Folgen der koronaren Herzkrankheit, des Schlaganfalls sowie der Herzinsuffizienz sind, sind auch nur annähernd die flächendeckende Diagnose und Therapie der klassischen Risikofaktoren und erst recht nicht die Erkenntnisse aus endokrinologisch-hormoneller Forschung und der Zusammenhang mit Herz-Kreislauferkrankungen bei noch nicht manifest Erkrankten, und das vor allem unter Frauen, gegeben.
Dazu „passt“ ein jüngst erschienener State-of-the Art-Review aus dem European Heart Journal mit dem Titel „Stable angina in young women“.1 Denn obwohl die Mortalität an ischämischer Herzerkrankung (KHK) bei jüngeren Frauen global abnimmt, nimmt sie in bestimmten reicheren Ländern (high- income countries) zu.
Insgesamt steigt die Prävalenz im Zeitraum an IHE unter jüngeren Frauen zwischen 1990 und 2019 um 3 %. Denn auch wenn immer wieder berichtet wird, dass Frauen mit KHK häufig „andere“ Symptome als Männer aufweisen, die oft nicht primär ein kardiales Geschehen vermuten lassen (was wieder zu zeitlichen und damit diagnostischen Zeitverlusten führt), ist das Symptom „Angina pectoris“ bei stabiler KHK auch bei Frauen mit einem ungünstigeren weiteren Verlauf und einer Häufung kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert.
Jüngere Frauen berichten diese Symptome häufig zyklisch, was den Zusammenhang mit den Ovarialhormonen suggeriert. In diesem Zusammenhang wird auch von „Menstruations-Angina“ gesprochen, wo in bestimmten Phasen des Zyklus vermehrt Vasokonstriktion stattfindet.
Die Diagnose und rechtzeitige Therapie der klassischen Risikofaktoren gilt klarerweise für beide Geschlechter – die Entwicklung zu manifester Hypertonie zum Beispiel ist im Lauf eines Lebens bei Frauen schneller als bei Männern. Darüberhinaus scheinen auch hier hormonelle Faktoren eine zusätzliche Rolle in der Manifestation von Hypertrophie und späterer Herzinsuffizienz bei normaler Pumpfunktion zu spielen.
Go Red for Women – das ist eine ganz wichtige Initiative, die auch die Österreichische Kardiologische Gesellschaft mitträgt. Vielleicht ist – wieder einmal – ein Schritt in die richtige Richtung getan
Literatur 1. CM Webb et al. Stable angina in young women. Eur Heart J (9 Oct.2025) ehaf728