Schmerzmedikamente können das Mikrobiom beeinflussen und das Mikrobiom beeinflusst, wie Schmerzmedikamente verstoffwechselt werden und wie sie wirken.
Optimalerweise wird eine längere Schmerztherapie ernährungsmedizinisch begleitet.
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Das Mikrobiom ist für die Schmerztherapie wichtig, da es Einfluss auf die Verstoffwechslung von Schmerzmedikamenten hat und umgekehrt von Analgetika beeinflusst wird. Studien zeigten, dass Protonenpumpenhemmer (PPI) am stärksten auf das Mikrobiom wirken, gefolgt von Statinen, Antibiotika, Betablockern, trizyklischen Antidepressiva, NSAR, Opiaten und SSNRI.
Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac beeinflussen die Darmschleimhaut, können die Darmpermeabilität stören und Ulcera und Blutungen verursachen. „NSAR nehmen auch direkt Einfluss auf das Darmmikrobiom und können zu Veränderung des mikrobakteriellen Gleichgewichts führen“, warnt Doz. DDr. Sabrina Leal Garcia von der Klinischen Abteilung für medizinische Psychologie, Psychosomatik und Psychotherapie der MedUni Graz.
NSAR und Opiate
Die „Alpha-Diversität“ ist ein wichtiger Parameter, der die Anzahl der verschiedenen Spezies im Darm beschreibt. Je höher sie ist, desto gesünder ist der Organismus. „In Studien hatten NSAR nur minimalen Einfluss auf die Alpha-Diversität. Das hängt aber mit der Dauer der Anwendung und der Dosierung zusammen“, erklärt Garcia. In Tierversuchen brachte die Einnahme von NSAR zudem eine Zunahme von gramnegativen Bakterien, die zu entzündlichen Reaktionen beitragen können. „Auch die Beweglichkeit des Darmes wird durch NSAR ein wenig beeinflusst“, stellt Garcia fest.
Ob Opiate gut oder schlecht für die Alpha-Diversität sind, ist noch unklar. Einige Studien zeigen eine Erhöhung der Diversität, andere eine Verringerung. Opiate beeinflussen die Mobilität des Darmes; Obstipation ist eine ihrer häufigsten Nebenwirkungen. „Dadurch verweilen potenziell schädliche Bakterien länger im Dickdarm und es entsteht eine Dysbiose“, erklärt Garcia. Die Dysbiose spielt auch eine Rolle bei der Opioid-Toleranz – je länger das Medikament eingenommen werden muss, desto mehr wird benötigt.
Wenn Patientinnen und Patienten an Krankheiten leiden, die mit dem Mikrobiom in Zusammenhang gebracht werden, nehmen sie häufig auch Schmerzmedikamente ein. „Es ist in Studien daher schwierig zu unterscheiden, welche Veränderungen des Mikrobioms durch NSAR und Opiate verursacht wurden oder was sich durch die Krankheit verändert“, berichtet Garcia.
Das Mikrobiom stärken
Fest steht, dass die Ernährung einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung des Mikrobioms hat. Eine westliche Ernährung mit vielen Kohlehydraten, Fett, Zucker und Salz führt dazu, dass die Darmbarriere undicht wird und es zu Entzündungen kommt. Eine undichte Darmbarriere kann wiederum psychische Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und „Brain Fog“ triggern. Betroffene klagen dann etwa über Ganzkörperschmerzen. Insbesondere bei chronischen Schmerzpatienten, so Garcia, gelte es daher auch diese kleinen Entzündungen von Anfang an bestmöglich zu behandeln.
Wünschenswert wäre, eine längerfristig notwendige Schmerztherapie ernährungsmedizinisch zu ergänzen und damit das Darmmikrobiom und die Darmbarriere zu schützen. Unterstützt werden kann die Schmerztherapie laut Garcia mit Probiotika, Präbiotika, Postbiotika – inaktivierten mikrobiellen Zellen oder Zellbestandteilen wie kurzkettigen Fettsäuren – sowie mit Synbiotika, Nahrungsmitteln, die Präbiotika und Probiotika enthalten wie etwa Sauerkraut, Kimchi, Misosuppe oder fermentiertes Gemüse.
Wie mit dem Einsatz von Probiotika und Präbiotika negative Auswirkungen von Schmerzmitteln verhindert werden können, ist noch wenig erforscht. „Eine kleine Studie mit 20 Teilnehmern konnte aber zeigen, dass die Gabe eines Probiotikums bei einer NSAR-Therapie die Schädigung des Mikrobioms durch das Schmerzmittel abfangen kann“, so Garcia.
Quelle: Presseaussendung der Österreichischen Schmerzgesellschaft