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14.10.2020 | Infektiologie

Frühe Optimierung der Antibiotikatherapie durch den schnellen Nachweis von Erregern und Empfindlichkeit

Gesundheitsökonomische Aspekte

Zeitschrift:
Wiener klinisches Magazin
Autoren:
Prof. Dr. Michael Wilke, Kerstin Worf, Dr. Wolfgang Heinlein, Tilman Kast, Dr. Klaus-Friedrich Bodmann
Wichtige Hinweise
Dieser Beitrag wurde in der Zeitschrift Medizinische Klinik – Intensivmedizin und Notfallmedizin 5 · 2020; 115:420–427 https://​doi.​org/​10.​1007/​s00063-020-00680-5 erstpubliziert. Zweitpublikation mit freundlicher Genehmigung der Autoren.

Zusammenfassung

Einführung

Schwere Infektionen erfordern frühe Optimierung der Antibiotikatherapie. Seit 2016 ermöglicht eine neue Methode Erregerdifferenzierung und Resistenztestung positiver Blutkulturen in weniger als 8 h. Ziel dieser Arbeit war, die ökonomischen Effekte der schnelleren Verfügbarkeit auf nationaler Ebene zu untersuchen und in einem Krankenhaus zu validieren.

Material und Methoden

In einer Literaturrecherche wurden der klinische und ökonomische Nutzen adäquater Therapie sowie die Rate der initial inadäquaten antibiotischen Therapie (IIAT) in der Indikation „Sepsis und Blutstrominfektionen“ ermittelt. Die Mittelwerte der gepoolten Studien wurden mit den Fallzahlen in Deutschland (Datenjahr 2015) für alle Fälle, in denen Sepsispatienten mit codiertem Keim und Intensivaufenthalt zu finden waren, in ein ökonomisches Modell integriert, das anschließend in einem Krankenhaus überprüft wurde.

Ergebnisse

Die Analyse von 14 Studien mit 6408 Patienten ergab eine mittlere Rate von 27,3 % IIAT. Aus 8 Studien (n = 2988) wurde eine durchschnittliche Verweildauer(VWD)-Einsparung von 4,7 Tagen bei adäquater Initialtherapie im Vergleich zu einer IIAT ermittelt. Mit einer VWD-Reduktion von 3,7 Tagen ließen sich im theoretischen Modell pro Fall im Mittel 1539 € einsparen. Eine konservative Variante mit einer IIAT von 20 % und VWD-Einsparungen von 2,5 Tagen ergab noch immer eine durchschnittliche Einsparung von 201 € pro Fall. Von 146 Fällen in der Validierung hatten 68 % eine positive Blutkultur. In 61 % der geprüften Fälle wäre eine Anpassung der Therapie erforderlich gewesen (35 % IIAT, 26 % Deeskalation). Nach Abzug der Kosten für den Test bei 60 Patienten ergaben sich mögliche Einsparungen von insgesamt 122.112 €; pro Fall über 2000 €.

Zusammenfassung

Sowohl die Ergebnisse des ökonomischen Modells als auch die Auswertung in einem Krankenhaus zeigen, dass eine schnelle adäquate Antibiotikatherapie ökonomisch günstig ist. Die Optimierung der antibiotischen Therapie durch einen frühzeitigen Nachweis des Erregers sowie der Empfindlichkeit mittels MHK stellt eine Möglichkeit dar, trotz hoher Kosten für die Diagnostik in der Klinik Einsparungen zu erzielen. Potenziale sollten krankenhausindividuell mittels systematischer Fallreviews ermittelt werden.

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Literatur
Über diesen Artikel