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Open Access 11.01.2023

Frischfleisch für Alphaprädatoren

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Dinosaurier fanden zwar einen reich gedeckten Tisch vor, doch wie genau haben sie sich ernährt? Die Abnutzung der beeindruckenden Beißer von Tyrannosaurus und Allosaurus zeigt: Jungspunde mussten mit Aas Vorlieb nehmen.

Die sogenannte „Mikrotexturanalyse“ deckt die Ernährungsweise der fleischfressenden Theropoden wie Allosaurus und Tyrannosaurus rex auf. Mit diesem mikroskopischen Verfahren wird aus den kleinsten Abnutzungsspuren ein 3-D-Oberflächenmodell des Zahnschmelzes erstellt, das Rückschlüsse auf eine Ernährung mit entweder eher weicher oder eher harter Nahrung liefert. Entgegen den Erwartungen fanden die Forscher zwischen Allosaurus und Tyrannosaurus keine Unterschiede in der Intensität, mit der Knochen gefressen und mit den Zähnen zerkleinert wurden. Allerdings zeigten sich Unterschiede zwischen Jungtieren und Erwachsenen.

Die Theropoden waren Fleischfresser und standen im Erdmittelalter an der Spitze der Nahrungspyramide, bis sie zum Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren ausgestorben sind. Um ihre Ernährung zu untersuchen und Unterschiede im Fressverhalten zu ermitteln, werden gut erhaltene Schädel benötigt. Die Analyse der Mikroabnutzungstextur von Zähnen, kurz DMTA von Dental Microwear Texture Analysis , wurde zur Untersuchung einzelner Theropoden-Zähne eingesetzt, die häufiger als Fossilien erhalten geblieben sind als Schädel. Damit kann die Zahnoberfläche wie auf einer Geländekarte als dreidimensionales Höhenmodell abgebildet werden. Aus der Rauheit, Tiefe und Komplexität der Abnutzungsspuren wird geschlossen, ob harte Materialien, sprich Knochen, in großem Umfang mit der Nahrung aufgenommen wurden.

Bei Tyrannosaurus wurde vermutet, dass viele Knochen mitgefressen wurden und sich das Zerbeißen von harten Knochen mithilfe der DMTA in Form von raueren und komplexeren Oberflächentexturen zeigen lässt. „Unsere Daten legen jedoch nahe, dass sich die beiden Theropoden, Allosaurus und Tyrannosaurus, nicht so sehr unterscheiden, wie man vielleicht erwartet hätte“, sagt der Paläontologe Thomas Tütken, Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU).

Insgesamt wurden 48 Zähne, 34 von Dinosauriern und zum Vergleich 14 von heutigen Krokodilen untersucht. Dabei fanden sich sowohl bei den Dinosauriern als auch bei den Krokodilen Unterschiede zwischen Jungtieren und Erwachsenen. Die Zähne der Jungen waren stärker abgenutzt, was bedeutet, dass sie sich häufiger von Kadavern ernähren mussten und es zu mehr Knochen-Zahnkontakt beim Abnagen des Fleischs von den Knochen kam. Die Zähne der jungen Krokodile waren besser erhalten, weil sie sich von weicherer Nahrung ernähren.


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Metadaten
Titel
Frischfleisch für Alphaprädatoren
Publikationsdatum
11.01.2023