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18.10.2019 | Originalien

Evolutionäre Aspekte in der Pathogenese und Pathophysiologie von Adenomyose und Endometriose

Die Bedeutung der primären Dysmenorrhö

Zeitschrift:
Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Österreich
Autoren:
Prof. Dr. med. Gerhard Leyendecker, Prof. Dr. med. Ludwig Wildt
Wichtige Hinweise

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.

Zusammenfassung

Endometriose und Adenomyose werden unter pathogenetischen Gesichtspunkten wieder als ein Krankheitsbild, als Archimetrose, angesehen. Ihr liegt ein langer evolutionärer Prozess zugrunde, der junge Frauen begünstigte, die über eine hohe Kontraktilität des Myometriums verfügten. Es handelt sich um die uterine Peristaltik der Archimetra und die rhythmische Kontraktionsraft der Neometra. Eine große neometrale Kontraktionskraft aufzubauen und diese über eine längere Zeit aufrecht zu erhalten, sicherte die Fähigkeit, eine Schwangerschaft durch Geburt eines gesunden Kindes inklusive der Nachgeburt auch unter regelwidrigen Bedingungen erfolgreich zu Ende zu bringen. Davon hingen sowohl Leben des Kindes als auch das Überleben der Mutter bis in die vormoderne Zeit ab. Expulsion des Konzeptus bei der Geburt oder Fehlgeburt und Externalisierung des menstruellen Debris sind beide durch die Kontraktionen des Stratum vasculare der Neometra biomechanisch gleichartige Vorgänge. Die hohe Prävalenz der primären Dysmenorrhoe als schmerzhalft empfundene Hyperkontraktilität des Stratum vasculare in Höhe von 50–60% aller jungen Frauen reflektiert heute diesen langen und (über)lebenswichtigen Evolutionsprozess. Allerdings waren Menstruationen in archaischer Zeit, anders als heutzutage, ein seltenes Ereignis, so dass die uterine Hyperkontraktilität, die sich in der primären Dysmenorrhoe manifestiert, nicht zu einem in der frühen Phase der Reproduktion schnell auftretenden zerstörerischen Effekt auf die uterinen Strukturen und damit, auch in Verbindung mit der Dissemination endometrialer (archimetraler) Zellen, zu einem negativen Effekt auf die Fertilität führte. Die hohe Prävalenz der primären Dysmenorrhoe und die hohe Prävalenz der Archimetrose in diesem Risikokollektiv junger Frauen mit primärer Dysmenorrhoe finden damit eine befriedigende evolutionsbiologische Erklärung.

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Literatur
Über diesen Artikel