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Dünn durch Detox?

2026 sind sie wieder da: Die Abnehmtipps, die „in 14 Tagen endlich schlank werden“- Versprechen, und die Brennessel-LöwenzahnArtischockenpillen, die den Stoffwechsel so richtig ankurbeln.

Darm-Hirn-Achse. Darm und Gehirn kommunizieren ständig miteinander. 


Wir sind nämlich nur deshalb wieder einmal ein paar Kilo schwerer, weil unser Stoffwechsel schon seit Jahren nicht mehr richtig funktioniert und nicht, weil wir uns unter dem Jahr mehr cheats als days gegönnt und zwischen den Jahren vorwiegend von Vanillekipferln, Rumkugeln und Nougatstangerln ernährt haben. Was ist also naheliegender als ein gepflegter ...

Detox

Jetzt sagen Sie bloß, Sie wissen nicht, was Detox ist. Haben Sie etwa mein Buch nicht gelesen? Na gut, ich sage es Ihnen trotzdem. Der Begriff bedeutet „Entgiftung“ und beschreibt meistens eine Diät, manchmal in Kombination mit leichter Bewegung, die den Körper von angeblichen Schadstoffen befreien soll. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff „Schlacken“ erstmals in diesem Zusammenhang verwendet. Was man bisher nur als Rückstände in Kohleöfen kannte, eignete sich vorzüglich zur Beschreibung von körperlichen Vorgängen, die angeblich durch Fehlernährung vor sich gingen. Man kann sich ja wunderbar bildlich vorstellen, wie der Darm, verklebt von schwarzen, zähen Klumpen, ächzend versucht, seine Arbeit weiterhin zu bewältigen. Irgendwann geht dann nichts mehr, er gibt auf, und wir leiden an Verstopfung, Blähungen, Übergewicht, Müdigkeit und Schmerzen. Also höchste Zeit für eine Entgiftung! Wo früher mit Bittersalz, Kräutern und Schwitzkuren gearbeitet wurde, kommen heutzutage praktische Helferlein wie Kurkuma-Drinks, Chlorellapulver und Detox-Säfte zum Einsatz. Dazu essen wir ein paar Wochen, je nach Plan, nur Obst und Gemüse, keinen Zucker, kein Weißmehl, kein Fleisch. Ganz Hartgesottene melden sich gleich für eine Woche im Fastenhotel an und zahlen Unsummen dafür, nichts zu essen zu bekommen. Stattdessen gibt es bittere Kräutertees, um auch die hartnäckigsten Schlacken ein für alle Mal aus dem Körper zu schwemmen.

Das Problem dabei? Es gibt gar keine Schlacken im Körper, im Darm kleben keine unverdauten Nahrungsreste, und unser Übergewicht ist wirklich nur eine Folge davon, dass wir zu viele Kalorien aufgenommen und uns zu wenig bewegt haben. Na gut, aber vielleicht hilft eine ...

Darmsanierung?

Darunter versteht man Maßnahmen, die die Darmgesundheit verbessern sollen. Das Ziel ist, das Mikrobiom, auch Darmflora genannt, ins Gleichgewicht zu bringen und dadurch die Verdauung zu optimieren und Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung und Durchfall zu lindern. Eine vernünftig durchgeführte Darmsanierung kann durchaus sinnvoll sein, vor allem dann, wenn sie keine kurzfristige Maßnahme ist, sondern auf eine langfristige Ernährungsumstellung abzielt. Die Dysbalance der Darmbakterien nennt man auch ...

Dysbiose

Sie kann vor allem durch Fehlernährung, Stress oder auch Antibiotikaeinnahme entstehen. Und nein, es ist nicht sinnvoll, zwei Wochen lang becherweise Joghurt mit links-, rechts- oder rundherum drehenden Milchsäurebakterien zu essen. Ja, Joghurt enthält darmfreundliche Bakterien, allerdings nur wenige verschiedene Stämme und davon nicht genug, um wirklich eine Wirkung zu erzielen. Abgesehen davon verabschieden sich die meisten blubbernd im Magensäurebad, bevor sie den Darm überhaupt erreichen.

Zielführender ist es, vermehrt Ballaststoffe zu essen, die erwiesenermaßen die „guten“ Darmbakterien füttern. Wichtig ist, vor allem wenn man bisher ballaststoffarm gegessen hat, sich langsam heranzutasten. Also bitte nicht gleich tellerweise Linsen und Bohnen, am besten noch in Kombination mit Körnerbrot und Naturreis hineinschaufeln. Das führt höchstens zu Blähungen, Bauchzwicken, Verstopfung und Frust. Zum Eingewöhnen eignen sich kleine Portionen Hülsenfrüchte besser (rote und gelbe Linsen sind besonders leicht verdaulich), ballaststoffreiches Gemüse wie Chicorée, Kraut, Karotten und Kohlrabi sind gekocht, gedünstet oder gebraten ideal, und gekochtes Getreide ist generell besser verträglich als Müsli oder Brot. Eine ballaststoffreiche Ernährung freut nicht nur die Darmbewohner, sondern auch die Seele. Haben Sie vielleicht schon von der ...

Darm-Hirn-Achse gehört?

Das Wort „Bauchgefühl“ kommt nicht von ungefähr, findet doch eine ständige Kommunikation zwischen Darm und Gehirn statt. Etwa 80 % dieser Kommunikation sind Monologe des Darms Richtung Gehirn, in denen er über seinen momentanen Zustand berichtet. In etwa so:

Darm: „Bah, heute hat die mich wieder mit Zuckerklumpert vollgestopft.“

Hirn:

Darm: „Und wer soll das jetzt bewältigen?“

Hirn: „Rather you than me.“

Darm: „Jetzt mach doch was, du G’scheiterl. Ich brauch Ressourcen!“

Hirn: „Na gut. Über den Vagusnerv kommt die Meldung an. Alle Systeme auf Standby. Müdigkeit und Antriebslosigkeit auf 100 %. Konzentration bitte komplett auf Verdauung. Ach ja – Serotoninproduktion auch drosseln.“

Darm: „Na bitte, es geht doch.“

Mensch (telefonierend): „Ich versteh gar nicht, was heute los ist. Ich bin total müde, komm nicht aus dem Bett und hab auf gar nix Lust.“

Spätestens wenn das Gehirn das Serotonin drosselt, merkt man: Stimmung, Antrieb und Laune bleiben nicht unberührt – zusätzlich zum leisen schlechten Gewissen, dass man dem Darm wieder einmal Junk zugemutet hat. Da fällt es dann doppelt schwer, sich zu bewegen, etwas Gesundes zu kochen oder überhaupt etwas anzupacken. Zum Glück ist gerade noch genug Energie vorhanden, um sich ein Nutellabrot zu schmieren, bevor man sich von der neuesten NetflixSerie berieseln lässt.

Das abendliche Einschlafen gelingt leider nicht, weil man ja nie in den Aktivitätsmodus gekommen ist, demgemäß ist man am nächsten Tag müde (und hat ja wieder nur Unsinn gegessen, zum Kochen fehlte ja die Energie). Fertig ist der Teufelskreis. Was also tun?

Die TCM (und ich aus eigener Erfahrung) empfiehlt in so einem Fall eine Getreidekur. Keine Angst, wir machen das so einfach wie möglich. Kaufen Sie sich einen Reiskocher. So können Sie sämtliches Getreide ohne Aufwand zubereiten, und es brennt nicht an. Suchen Sie sich ein Getreide aus, das Sie besonders gerne mögen. Dieses Getreide essen Sie, ohne Fett gekocht, für die nächsten 3 bis 10 Tage.

Dazu kombinieren Sie jedes Gemüse, das Sie möchten, mit Ausnahme von Erdäpfeln und Süßkartoffeln. Auch hier gilt: bitte fettfrei zubereiten, zum Beispiel als Suppe. Gewürze nur sparsam verwenden!

Das ist alles. Ja, das ist furchtbar langweilig, und das ist auch gut so. Sie werden sich nicht überessen, gleichzeitig wird der Darm massiv entlastet und kann sich erholen. Damit wir nicht in die Diätfalle tappen, verwenden wir diese Getreidekur gleich als Sprungbrett in eine gesündere, ballaststoffreiche Ernährung. Nicht nur der Darm wird es uns danken.


Marlies Geier arbeitet seit 15 Jahren als Ernährungsberaterin nach den fünf Elementen der Traditionellen Chinesischen Medizin und sieht deshalb im Alltag, welche Fragestellungen und Probleme die Menschen in Bezug auf Ernährung bewegen.





Titel
Dünn durch Detox?
Publikationsdatum
18.02.2026
Bildnachweise
Hirn-Darm-Achse/© Katie Chizhevskaya / Stock.adobe.com, Bild/© seamartini / Getty Images / iStock, 10697808/© Oliver Bolch