Beverly Hills! Hollywood! Vogue! Klingt natürlich edler als Krautsuppe, Erdäpfel oder Eier. Dabei handelt es sich bei allem um nichts anderes als eine ...
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Crash-Diät
Oder anders ausgedrückt: Schneller Gewichtsverlust durch extreme Kalorienreduktion. Man kann sich natürlich zum filmstarreifen Hungern mit dem Champagnerglas in der Hand ins Glitzerkleid zwängen. Wenn das den Glamour-Faktor nicht ausreichend erhöht, wird zumindest mit jedem Klack der High Heels das Magenknurren übertönt, während man dem unausweichlichen Jojo-Effekt entgegen tanzt. Und das Ergebnis? Fünf Kilo runter, zehn wieder drauf, und den Frust über die fehlende Selbstdisziplin gibt es gratis dazu. Dabei liegt es in diesem Fall wirklich nicht an uns, dass wir scheitern. Es ist vielmehr so, dass der Körper bei einem zu starken Kaloriendefizit auf Sparflamme schaltet, um so wenig wie möglich zu verbrauchen. Schließlich und endlich geht es ja für ihn ums nackte Überleben, da wir uns ja offenbar gerade in einer Hungersnot befinden. Gleichzeitig wird Muskulatur abgebaut (irgendwoher muss die Energie ja kommen, um die Basisfunktionen weiter ausführen zu können – atmen, zum Beispiel. Weniger Muskelmasse bedeutet aber wiederum einen geringeren Kalorienverbrauch, und so wundert es nicht, dass, wenn wir wieder „normal“ essen, der Zeiger der Waage nach oben schnellt.
Na gut, das war nix, also kehren wir Hollywood den Rücken und schälen uns wieder aus dem Luxusfummel. Vielleicht haben wir ja mehr Glück mit der ...
Carnivor-Diät
Diese Extremform der kohlenhydratarmen Ernährung wurde ab 2016 durch Dr. Shawn Baker populär gemacht. Er experimentierte mit einer rein tierischen Ernährung, also aß er nur noch Fleisch, Fisch und Eier und behauptete, den Schlüssel zu Gesundheit und Wohlbefinden entdeckt zu haben. 2019 veröffentlichte er sein Werk „The Carnivore Diet“ in dem er behauptet, Menschen seien evolutionär bedingt Fleischfresser (was durch archäologische Studien und Funde mehrfach widerlegt ist, wie Sie als fleißiger Leser meiner Kolumne längst wissen). Gegessen wird, was ein Gesicht hatte, und nichts anderes. Also kein Gemüse, kein Obst, kein Getreide, keine Hülsenfrüchte. Auch Fett bitte ausschließlich aus tierischer Quelle: Schmalz, Butter, Ghee, Rindertalg. Eier hätten zumindest irgendwann einmal ein Lebewesen werden können, also zählen sie auch.
Dr. Shawn Baker verbreitete die Carnivor-Diät, die ausschließlich aus tierischen Produkten besteht und mit erheblichen Nebenwirkungen einhergeht.
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Wie man sich vorstellen kann, sind die Nebenwirkungen einer solch restriktiven Ernährung enorm. Angefangen von Verstopfung (durch fehlende Ballaststoffe), Durchfall (durch den hohen Fettanteil), Vitamin- und Nährstoffmangel, Entgleisung des Cholesterinspiegels bis hin zu Nierenschäden. Man könnte meinen, der gute Mann wäre ein deutlich übermotivierter Gastroenterologe, der um seinen Patientenzulauf besorgt ist. Mitnichten, er ist (oder war, bevor er zum Fleischpapst wurde) orthopädischer Chirurg. Ich kann nicht umhin, mich zu fragen, ob ihm bei jeder Knie- oder Hüftoperation heimlich das Wasser im Mund zusammenläuft und bin froh, dass ich voraussichtlich nicht bei ihm unterm Messer liegen werde. Bevor es noch blutrünstiger wird, schnell weiter zum ...
Clean Eating
Das klingt schon so sympathisch. Blitzsauber und strahlend wie Mr. Propers Glatze. Die Grundidee ist so unkompliziert wie lobenswert: Weniger industriell verarbeitete Nahrungsmittel, mehr frisch Gekochtes in Form von Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst. Beginnend mit der Rohkostbewegung in den Siebzigern hat sich „sauberes Essen“ in den 2010ern zum Trendbegriff und Lifestyle entwickelt. Aus ernährungstechnischer Sicht befürworte ich Clean Eating, solange es vernünftig durchgeführt wird. Vor allem nicht so, dass man damit seiner Umgebung auf die Nerven geht, mit Sätzen wie: „Danke, ist ja sehr lieb, dass du an mich gedacht hast, aber ich esse seit drei Stunden nur mehr rohvegane, zuckerfreie, kalt gegossene Schokolade aus bei Vollmond barfuß geernteten Kakaobohnen.“ Oder das andere Extrem, das sich vor allem die Nahrungsmittelindustrie zunutze gemacht hat. Nur, weil etwas „clean“, „natural“ und/oder „organic“ ist, ist es noch lange nicht gesund. Ich bin gerade in den USA auf Urlaub, und hier lässt sich dieser Trend besonders gut beobachten. Es gibt hier zum Beispiel Gummibärli, die mit „organic cane sugar“ zubereitet wurden. Ein grünes Blatt ist auf der Verpackung, weil ja nur „natürliche“ Zutaten drin sind. Sind die Bärlis deshalb gesünder oder kalorienärmer? Kein Stück, aber dafür kosten sie das Dreifache. Augenauswischerei hat eben ihren Preis und die Vernunft bleibt auf der Strecke. Genau wie bei einer ...
Cleanse
Früher auch Saftkur genannt, aber das klingt nicht so Social Media tauglich. Es wird wieder einmal nicht gegessen, stattdessen trinkt man Säfte, oder im Fall der „Master Cleanse“ Wasser mit Zitronensaft, Ahornsirup und Cayennepfeffer. Also eine Crash-Diät zum Quadrat, die sich durch Promis wie Beyoncé und Oprah in den 2010ern großer Beliebtheit erfreute. Ich habe sie damals auch probiert, und es kam, wie es kommen musste: Hunger, Muskelabbau, Jojo-Effekt. Bestimmt war ich währenddessen (weil hungrig) und danach (weil frustriert) absolut unerträglich, aber das habe ich glücklicherweise verdrängt. Das einzig Positive, das es zu sagen gibt, ist, dass Wasser mit Ahornsirup immer noch besser schmeckt, als der Selleriesaft, der heutzutage für Juice Cleanses propagiert wird. Das war es dann aber auch schon. Der Gewichtsverlust ist temporär und es werden auch keine Schlacken oder Giftstoffe aus dem Körper entfernt. Der (gesunde) Körper reinigt sich wunderbar selbst und benötigt diesbezüglich keine Unterstützung. Und wenn sich tatsächlich Gift in Ihrem Körper befindet, weil Sie sich zum Beispiel versehentlich einen kräftigen Schluck Chlorbleiche gegönnt haben, wählen Sie hoffentlich zuerst die Nummer 144 , bevor Sie sich ein paar Selleriestangen auspressen.
Wenn Sie allerdings ein Rezept mit dem Buchstaben C suchen, dürfen Sie sich vertrauensvoll an mich wenden. Es gibt Citrus Couscous, das sowohl warm als auch kalt schmeckt:
M.Geier
Springer-Verlag
Marlies Geier arbeitet seit 15 Jahren als Ernährungsberaterin nach den fünf Elementen der Traditionellen Chinesischen Medizin und sieht deshalb im Alltag, welche Fragestellungen und Probleme die Menschen in Bezug auf Ernährung bewegen.
Oliver Bolch