Ernährung als Schlüssel zur Schmerzlinderung bei Endometriose
- Open Access
- 03.04.2025
- Gynäkologische Endokrinologie
Zusammenfassung
Einleitung
Weltweit betrifft Endometriose etwa 6–10 % der Frauen im gebärfähigen Alter. In der Schweiz sind ungefähr 200.000 Frauen betroffen. Da die Erkrankung oft unerkannt bleibt, dürfte die tatsächliche Anzahl noch höher liegen [1, 2]. Diese chronische Erkrankung ist gekennzeichnet durch das Wachstum von endometriumähnlichem Gewebe ausserhalb der Gebärmutter. Dies löst Entzündungsreaktionen und oxidativen Stress aus, was wiederum zu erheblichen Schmerzen und anderen Symptomen führt [3]. Die Vielfalt der Symptome (bspw. chronische Beckenschmerzen, Dysmenorrhö und gastrointestinale Beschwerden) erschwert die Diagnose und führt oft zu einer verzögerten Behandlung [4].
Obwohl gängige Behandlungsmethoden wie Analgetika, Hormontherapie oder chirurgische Eingriffe Linderung versprechen, erreichen sie nicht immer eine vollständige Schmerzbeseitigung und gehen häufig mit unerwünschten Nebenwirkungen einher [5, 6]. In der Folge suchen viele Betroffene nach alternativen Ansätzen wie Ernährungsumstellungen, die zunehmend Aufmerksamkeit erhalten, da sie entzündungshemmend wirken und oxidativen Stress reduzieren können [7].
Anzeige
Neuere Studien zeigen, dass spezifische Ernährungsumstellungen, wie die Low-FODMAP-Diät, die mediterrane Ernährung und die Endometriosediät, dazu beitragen können, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern [8, 9]. Diese Ansätze beinhalten den Verzicht auf entzündungsfördernde Lebensmittel wie rotes Fleisch, Zucker und Gluten sowie die Ergänzung mit entzündungshemmenden Nährstoffen wie Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und Antioxidanzien [10, 11]. Obwohl diese Ergebnisse vielversprechend sind, ist weitere Forschung erforderlich, um die Wirksamkeit und Mechanismen dieser Ernährungsinterventionen zu validieren.
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Rolle von Ernährungsumstellungen bei der Schmerzlinderung und der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Endometriose systematisch zu untersuchen. Im Fokus der Untersuchung stehen die potenziellen Wirkmechanismen, wie die Modulation von Entzündungsprozessen, oxidativem Stress und der Schmerzempfindung.
Methode
Die Methodik dieser systematischen Literaturarbeit umfasst eine umfassende Untersuchung des Einflusses von Ernährungsumstellungen auf endometriosebedingte Schmerzen. Zu diesem Zweck wurden vier Datenbanken (PubMed, Cochrane Library, Web of Science und CINAHL) systematisch durchsucht, wobei relevante Studien nach PRISMA-Richtlinien identifiziert, gescreent und ausgewertet wurden. In die Untersuchung wurden ausschliesslich Studien integriert, die sich mit Endometriosepatientinnen befassen, die Auswirkungen von Ernährungsumstellungen auf die Schmerzreduktion untersuchen und in den Jahren 2019 bis 2024 veröffentlicht wurden. Die Sprachen der Publikationen mussten Deutsch oder Englisch sein. Studien, die eine unzureichende Methodik aufwiesen, die Komorbiditäten oder Tierversuche beinhalteten, wurden ausgeschlossen. Die neun eingeschlossenen Studien wurden einer qualitativen Analyse unterzogen. Dabei wurden Schmerz- und Lebensqualitätsskalen wie die VAS-Skala herangezogen. Die Ergebnisse wurden tabellarisch erfasst, miteinander verglichen und in Kategorien gruppiert, um die Wirksamkeit verschiedener Ernährungsansätze zu bewerten.
Ergebnisse
Synthese der primären Ergebnisse
Neun Studien wurden im vorliegenden systematischen Review berücksichtigt. Sie untersuchten den Zusammenhang zwischen Ernährungsumstellungen und endometriosebedingten Symptomen. Amini et al. [10], Cirillo et al. [9] und Zheng et al. [12] untersuchten in neun Studien die Auswirkungen einer Vitaminsupplementierung auf oxidativen Stress und Schmerzen. Drei weitere Studien untersuchten die Auswirkungen spezifischer Ernährungsumstellungen auf Schmerzen und Lebensqualität (vgl. Armour et al., [13]; Nodler et al., [14]; van Haaps, Wijbers et al., [8]). Die übrigen drei Studien fokussierten sich auf Kombinationen verschiedener Nährstoffe. Die genannten Studien wurden von Amirsalari et al. [15], Krabbenborg et al. [16] und Huijs und Nap [11] durchgeführt. Die in die systematische Überprüfung einbezogenen RCT verwendeten alle validierten Schmerz- und Lebensqualitätsskalen, darunter die VAS, zur Bewertung ihrer Ergebnisse.
Anzeige
Schmerzlinderung
Bei der vorliegenden Studie wurden chronische Beckenschmerzen, Abdominalschmerzen, Rückenschmerzen, Dysmenorrhö, Dyspareunie, Dysurie, Dyschezie, Blähungen und Müdigkeit untersucht.
Beckenschmerzen.
Die Studie von Amini et al. [10] ergab, dass Vitamin-C- und Vitamin-E-Gaben chronische Beckenschmerzen reduzierten (von 26,66 ± 27,84 auf 12,43 ± 13,28; p < 0,001). Diese Ergebnisse wurden durch Zheng et al. [12] bestätigt (p = 0,02). Auch Amirsalari et al. [15] beobachteten eine signifikante Schmerzreduktion durch Knoblauchsupplementierung (7,15 ± 1,58 auf 2,33 ± 1,75; p < 0,001). Fettsäuren und Antioxidanzien sowie die mediterrane Diät zeigen positive Effekte. Van Haaps et al. [8] beobachteten mit Low-FODMAP- und endometriosespezifischen Diäten eine ähnliche, jedoch nicht signifikante Linderung der Beckenschmerzen (p = 0,976).
Abdominalschmerzen.
In der von Armour et al. [13] durchgeführten Studie konnten bei Patient*innen, die verschiedene Ernährungsumstellungen vorgenommen hatten, darunter eine Low-FODMAP-, glutenfreie und laktosefreie Ernährung, Ergebnisse festgestellt werden, die Abdominalschmerzen lindern. Die Ergebnisse zeigen, dass die Abdominalschmerzen trotz der Tatsache, dass keine signifikanten Unterschiede zwischen den Diäten festgestellt wurden (p = 0,067), gelindert werden konnten.
Rückenschmerzen.
Die von Amirsalari et al. [15] durchgeführte Untersuchung einer Knoblauchsupplementierung ergab eine signifikante Verringerung der Rückenschmerzen von 6,06 ± 1,49 auf 1,65 ± 1,49 (p < 0,001). Dies deutet auf die Rolle der entzündungshemmenden Eigenschaften des Knoblauchs hin.
Dysmenorrhö.
Drei Studien zeigten eine signifikante Verringerung der Dysmenorrhö durch Antioxidanzien. Amini et al. [10] berichteten von einer Reduktion durch Vitamin-C- und -E-Supplementierung von 50,53 ± 32,12 auf 17,56 ± 16,65 (p < 0,001). Amirsalari et al. [15] wiesen nach, dass Knoblauch die Dysmenorrhö signifikant von 6,71 ± 1,55 auf 1,90 ± 1,76 reduziert (p < 0,001). Zheng et al. [12] zeigten ebenfalls eine Reduktion durch antioxidative Vitaminsupplementierung (p = 0,007). Zudem wiesen van Haaps, Wijbers et al. [8] nach, dass eine Low-FODMAP- und Endometriosediät die Dysmenorrhö leicht verringert (p = 0,515).
Dyspareunie.
Eine Supplementierung mit Vitamin C und E reduzierte die Dyspareunie signifikant von 26,66 ± 28,27 auf 15,43 ± 18,47 (p < 0,001), wie Amini et al. [10] berichteten. Auch durch Knoblauchsupplementierung wurde eine Reduktion von 6,13 ± 1,41 auf 1,46 ± 1,32 (p < 0,001) beobachtet (Amirsalari et al. [15]). Cirillo et al. [9] zeigten, dass Teilnehmer*innen mit mediterraner Diät geringere Dyspareunie aufwiesen (p = 0,04). Teilnehmer*innen der Studie von van Haaps, Wijbers et al. [8] berichteten von einer signifikanten Reduktion (p < 0,001 bis p = 0,012) durch eine Low-FODMAP- und endometriosespezifische Ernährung. Zheng et al. [12] bestätigten diese Ergebnisse und wiesen eine signifikante Reduktion der Dyspareunie (p = 0,0005) durch antioxidative Vitaminsupplementierung (Vitamine E und C) nach. Allerdings zeigte deren Synthese keine signifikanten Unterschiede zwischen Placebo- und Vitamin-D-/Vitamin-E-Gruppen.
Dysurie, Dyschezie, Blähungen und Müdigkeit.
Van Haaps, Wijbers et al. [8] konnten eine signifikante Verringerung von Dysurie (p = 0,015), Blähungen (p < 0,001) und Müdigkeit (p = 0,002) bei Low-FODMAP- und der Endometriosediät feststellen. In dem von Armour et al. [13] durchgeführten Survey gab ein Drittel der Teilnehmer*innen an, dass die Anwendung verschiedener Ernährungsstrategien zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome von Blähungen und Flatulenz geführt habe. Darüber hinaus konnten Cirillo et al. [9] nachweisen, dass die Einhaltung einer mediterranen Diät zu einer signifikanten Reduktion der Dysurie (p = 0,04) und Dyschezie (p < 0,001) führt.
Schmerzreduktion allgemein.
Die folgenden Studien untersuchten Schmerzen bei Endometriose, ohne sie in spezifische Befunde zu unterteilen. Nodler et al. [14] zeigten eine Verringerung der Schmerzen durch Vitamin-D3- (VAS 7,0 auf 5,5, p = 0,02) und Omega-3-Supplementierung (VAS 5,9 auf 5,2, p = 0,39), jedoch wurde auch in der Placebogruppe eine ähnliche Verringerung beobachtet (VAS 6,0 auf 4,4, p = 0,07). Huijs und Nap [11] wiesen eine allgemeine Schmerzreduktion durch Nahrungsergänzungsmittel wie Palmitoylethanolamid und Transpolydatin nach.
Oxidativer Stress
In drei Studien wurde der Einfluss von Ernährungsumstellungen auf oxidative Stressmarker bei Endometriose untersucht. Amini et al. [10] und Zheng et al. [12] analysierten die Supplementierung von Vitamin C und E, Cirillo et al. [9] eine mediterrane Diät. In allen drei Studien wurden oxidative Stressmarker im Blut analysiert. Amini et al. [10] zeigten in einer RCT eine signifikante MDA-Reduktion von 34,51 ± 28,66 µM auf 17,74 ± 16,66 µM (p = 0,002) und eine signifikante Reduktion von ROS von 6,22 ± 0,36 µM auf 3,66 ± 0,59 µM (p < 0,001) durch die Vitamin-C- und -E-Supplementierung. Zheng et al. [12] bestätigten die Reduktion von MDA und Lipidhydroperoxid durch diese Vitamine. Cirillo et al. [9] stellten in einer Studie fest, dass eine mediterrane Diät zu verringerten ROS- und Lipidhydroperoxidwerten führte. Die VAS-Werte für Beckenschmerzen und Dysurie verbesserten sich bei Patient*innen, die sich mediterran ernährten.
Synthese der sekundären Ergebnisse
Ernährung und Lebensqualität
Drei der Studien haben zusätzlich die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Teilnehmer*innen bewertet. In den Studien von Nodler et al. [14] und Krabbenborg et al. [16] konnten keine signifikanten Unterschiede in den Lebensqualitätswerten (SF-12 und EHP-30) zwischen der Diätinterventions- und der Kontrollgruppe festgestellt werden. Es wurde keine Korrelation zwischen Ernährungsqualität und Lebensqualität festgestellt. In der Studie von van Haaps, Wijbers et al. [8] wurde jedoch beobachtet, dass Teilnehmer*innen, die eine Low-FODMAP- und endometriosespezifische Diät einhielten, signifikante Verbesserungen bei verschiedenen Aspekten ihrer Lebensqualität erfuhren. Diese Verbesserungen waren insbesondere in den Bereichen Schmerzen (p = 0,007) und Hilflosigkeit (p = 0,002) ersichtlich.
Diskussion
Resultate
Die Forschungsfrage, inwieweit Ernährungsumstellungen eine Schmerzreduktion bei Patient*innen mit Endometriose bewirken können, konnte durch die Literaturrecherche beantwortet werden. Dabei hat sich gezeigt, dass eine Ernährungsumstellung bestimmte endometriosebedingte Schmerzsymptome verringern kann. Auch der zweite Teil der Forschungsfrage, welche spezifischen Veränderungen sich als besonders wirksam erwiesen haben, kann zum Teil beantwortet werden.
Die in den untersuchten Publikationen dargestellten Interventionen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: die Supplementierung mit Vitaminen und/oder Antioxidanzien sowie die Diätänderung. Im Anschluss erfolgt ein Vergleich dieser Interventionen, wobei eine Bewertung ihrer Auswirkungen auf die einzelnen Schmerzsymptome und die Lebensqualität vorgenommen wird.
Supplementierung mit Vitaminen und/oder Antioxidanzien
Fünf Studien untersuchten die Wirkung von Supplementierungen auf endometriosebedingte Schmerzen. Amini et al. [10], Huijs & Nap [11], Nodler et al. [14] und Zheng et al. [12] analysierten Vitamin- und Antioxidanziensupplementierungen, während Amirsalari et al. [15] Knoblauch untersuchte. Amini et al. [10] und Zheng et al. [12] berichteten eine signifikante Reduktion chronischer Beckenschmerzen durch Vitamin C und E. Huijs & Nap [11] zeigten uneinheitliche Ergebnisse für Vitamin D, aber Omega-3-Fettsäuren reduzierten die VAS-Werte. Amirsalari et al. [15] belegten signifikante Verbesserungen bei Beckenschmerzen und Dysmenorrhö durch Knoblauch.
Antioxidanzien bei Dysmenorrhö wurden in drei Studien untersucht, wobei alle signifikante Reduktionen fanden. Bei Dyspareunie berichteten zwei Studien Verbesserungen durch Vitamin C, E und Knoblauch, während Zheng et al. [12] uneinheitliche Ergebnisse meldete. Nodler et al. [14] fand signifikante VAS-Reduktionen durch Vitamin D3, aber Placeboeffekte spielten eine Rolle. Insgesamt stimmen die Ergebnisse mit der RCT von Santanam et al. [17] überein, die die schmerzlindernde Wirkung von Antioxidanzien und deren Reduktion von Entzündungsmarkern bestätigte.
Diätänderung
Vier Studien untersuchten die Wirkung von Diätänderungen auf die Schmerzreduktion bei Endometriose. Van Haaps, Wijbers et al. [8] fanden, dass Low-FODMAP- und Endometriosediäten keine signifikante Verbesserung chronischer Beckenschmerzen brachten, während Cirillo et al. [9] signifikante Effekte einer mediterranen Diät auf Beckenschmerzen berichteten. Armour et al. [13] zeigten eine Reduktion abdominaler Beschwerden durch Low-FODMAP-, glutenfreie und laktosefreie Diäten, jedoch ohne signifikante Unterschiede. Dysmenorrhö zeigte in keiner Studie signifikante Unterschiede zur Kontrollgruppe, doch Cirillo et al. [9] und van Haaps, Wijbers et al. [8] berichteten signifikante Reduktionen der Dyspareunie. Zudem reduzierte die mediterrane Diät laut Cirillo et al. [9] Dysurie und Dyschezie. Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von Diätänderungen zur Linderung von Endometrioseschmerzen.
Auswirkungen auf oxidative Stressmarker
Bei Patient*innen mit Endometriose sind oxidative Stressmarker erhöht, die in entzündlichen Prozessen und der Schmerzentstehung eine Rolle spielen. Drei Studien untersuchten die Wirkung von Vitaminen, Antioxidanzien und Diätänderungen auf diese Marker. Amini et al. [10] und Zheng et al. [12] evaluierten Vitamin C und E, während Cirillo et al. [9] die Effekte einer mediterranen Ernährung untersuchte. Alle bewerteten oxidative Marker vor und nach der Intervention.
Amini et al. [10] wiesen eine signifikante Reduktion der MDA-Werte nach, was Zheng et al. [12] bestätigten. Höhere Dosen und längere Vitaminzufuhr zeigten stärkere Effekte. Alle drei Studien dokumentierten signifikante ROS-Reduktionen. Cirillo et al. [9] fanden nach sechs Monaten eine Korrelation zwischen reduzierten ROS-Werten und mediterraner Diät. Studien von Zheng et al. [12] zeigten eine Reduktion der Lipidhydroperoxidwerte. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass Ernährung und Supplementierung oxidative Stressmarker und Schmerzen bei Endometriose reduzieren können.
Auswirkungen auf Lebensqualität
Die Symptome von Endometriose, insbesondere Schmerzen, beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Drei Studien untersuchten zusätzlich die Auswirkungen von Interventionen auf die Lebensqualität. Nodler et al. [14] und Krabbenborg et al. [16] fanden keine signifikanten Unterschiede in Lebensqualitätswerten zwischen Teilnehmer*innen mit und ohne Diät. Krabbenborg [16] vermutete, dass Personen mit bereits höherer Lebensqualität den Nutzen einer Ernährungsumstellung für endometriosebedingte Symptome weniger wahrnehmen. Van Haaps, Wijbers et al. [8] berichteten hingegen von signifikanten Verbesserungen der Lebensqualität durch Low-FODMAP- und Endometriosediäten, insbesondere bei „sozialer Unterstützung“ und „medizinischer Profession“. Eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität konnte nur in einer der drei Studien nachgewiesen werden. Es bleibt unklar, warum eine Schmerzreduktion durch Ernährung nicht stärker zur Verbesserung der Lebensqualität beiträgt.
Übertragbarkeit der Resultate
Die Ergebnisse der Studien sind teilweise übertragbar, da die untersuchten Interventionen oft in der klinischen Praxis oder zu Hause umsetzbar sind. Mit Ausnahme einer Studie hatten alle einen hohen Evidenzgrad. Ernährungsumstellungen können jedoch mit hohen Kosten verbunden sein, die die Zugänglichkeit einschränken. Zudem können regionale und individuelle Unterschiede Herausforderungen bei der Umsetzung schaffen. Vitamin- und Antioxidanziensupplementierungen sowie Diätänderungen zeigen potenziellen Nutzen bei der Linderung von Endometrioseschmerzen. Ihre Anwendung erfordert Anpassungen an lokale Gegebenheiten.
Reflexion der Qualität der eingeschlossenen Publikationen
Die analysierten Studien zur Wirkung von Ernährungsumstellungen auf Endometrioseschmerzen unterscheiden sich in Methodik und Qualität, was ihre Aussagekraft beeinflusst.
Amini et al. [10] und Amirsalari et al. [15] nutzten randomisierte, dreifach verblindete Designs, die zuverlässige Ergebnisse lieferten, jedoch durch kleine Stichproben und kurze Studiendauern limitiert waren. Armour et al. [13] analysierten ein grosses, vielfältiges Sample, aber das Cross-sectional-Design schränkte die Kausalitätsbewertung ein.
Cirillo et al. [9] verwendeten validierte Instrumente und individuelle Ernährungspläne, die Studie war jedoch durch eine kleine Stichprobe und fehlende Kontrollgruppe eingeschränkt. Huijs und Nap [11] zeigten wissenschaftliche Transparenz, aber Heterogenität und Qualität der eingeschlossenen Studien minderten die Aussagekraft. Zheng et al. [12] überzeugte durch präzise Methoden und umfassende Literaturrecherche, jedoch schränkten Variationen zwischen den Studien die Zuverlässigkeit ein.
Krabbenborg et al. [16] nutzten etablierte Instrumente wie das Endometriosis Health Profile-30, jedoch begrenzten das Online-Design und mögliche Verzerrungen die Ergebnisse. Nodler et al. [14] minimierten Bias in einer randomisierten, doppelt verblindeten Studie, hatten jedoch Placeboeffekte und kleine Stichproben. Van Haaps, Wijbers et al. [8] förderten die Adhärenz durch Ernährungsberatung, aber fehlende Verblindung und kleine Stichproben reduzierten die Aussagekraft.
Zusammenfassend waren die Studienmethoden solide, aber oft durch kleine Stichproben, kurze Studiendauern und Bias limitiert. Weitere Forschung ist nötig, um langfristige Effekte und Generalisierbarkeit zu klären.
Anzeige
Limitation und Stärken dieser Arbeit
Die Arbeit weist Stärken und Limitationen auf, die bei der Untersuchung der Rolle von Ernährung bei der Schmerzlinderung von Endometriose zu berücksichtigen sind. Eine zentrale Limitation ist die hohe Heterogenität der eingeschlossenen Studien hinsichtlich Methoden, Interventionen und Stichprobengrössen, was die Vergleichbarkeit und Generalisierbarkeit erschwert. Die kurze Studiendauer vieler Arbeiten erlaubt keine Bewertung langfristiger Wirkungen und Nebenwirkungen. Auch fehlende Kontrollgruppen und mangelnde Randomisierung führen zu potenziellem Bias. Aspekte wie Zugang zu Nahrungsmitteln, sozioökonomische Unterschiede und regionale Verfügbarkeit wurden kaum berücksichtigt. Es besteht die Möglichkeit, dass Sprachbarrieren die Einbeziehung weiterer relevanter Studien eingeschränkt haben.
Dennoch bietet die Studie bedeutende Stärken. Sie liefert einen innovativen Beitrag zur Endometrioseforschung, indem sie nichtmedikamentöse Behandlungsmethoden und Ernährungsansätze bewertet. Neben der Schmerzlinderung wird die Verbesserung der Lebensqualität betont, wodurch ein ganzheitlicher Behandlungsansatz gefördert wird. Die Anwendung der PRISMA-Richtlinien und transparente Methodik stärken die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse. Die Erkenntnisse sind praxisnah und unterstützen Gesundheitsfachpersonen bei der Umsetzung alternativer Behandlungsmöglichkeiten.
Schlussfolgerung
In der vorliegenden systematischen Literaturarbeit wurden die Rolle und die Auswirkungen von Ernährungsumstellungen auf die Linderung von Endometrioseschmerzen untersucht. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass Diätänderungen sowie die Supplementierung von Vitaminen und Antioxidanzien eine deutliche Verbesserung der Schmerzsymptome bewirken können. Es besteht jedoch Forschungsbedarf, um die Evidenz zu stärken. Dazu zählen insbesondere Studien mit grösseren und diverseren Populationen, die verschiedene ethnische und sozioökonomische Hintergründe berücksichtigen. Darüber hinaus ist es von essenzieller Bedeutung, den Fokus auf Langzeitstudien zu legen, um sowohl die langfristige Adhärenz als auch die Auswirkungen von Ernährungsumstellungen auf die Lebensqualität zu bewerten. Interdisziplinäre Ansätze, die Ernährungswissenschaft, Gynäkologie und Schmerztherapie verbinden, könnten dabei helfen, ein umfassenderes Verständnis zu schaffen und die Evidenzlage zu verbessern.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Ernährungsumstellungen eine Schlüsselrolle bei der Linderung von Endometrioseschmerzen spielen und durch weitere Forschung und praktische Anwendung ihr volles Potenzial entfalten können.
Anzeige
Fazit für die Praxis
Die Ernährung spielt bei endometriosebedingten Schmerzen eine bedeutende Rolle. Deshalb sollte die Ernährungsberatung ein fester Bestandteil der Behandlung sein. Geschulte Pflegefachpersonen und Ärzt*innen können diese Maßnahmen in die Behandlungspläne integrieren und/oder dabei eng mit Ernährungsberater*innen zusammenarbeiten, was in vielen Institutionen bereits praktiziert wird. Diätänderungen wie Low-FODMAP- und mediterrane Ernährung haben sich als wirksam erwiesen und können vielen Patient*innen helfen. Die Supplementierung von Vitaminen, insbesondere C und E, kann oxidativen Stress reduzieren und Schmerzen lindern und stellt eine sinnvolle Ergänzung zur Behandlung dar. Interdisziplinäre Teams aus Pflegefachpersonen, Ernährungsberater*innen und Ärzt*innen könnten durch den gezielten Einbezug der Ernährung in die Behandlung eine umfassende Betreuung gewährleisten, endometriosebedingten Schmerzen lindern und somit die Lebensqualität der betroffenen Frauen verbessern.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
M. van der Merwe und M. Bernet geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.
Hinweis des Verlags
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.