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29.06.2018 | originalarbeit Open Access

Die Universitäts-Augenklinik Graz erreicht den Recognised for Excellence (R4E****) Preis des European Foundation for Quality (EFQM) Modells

Zeitschrift:
Spektrum der Augenheilkunde
Autoren:
a.o.Univ. Prof. Dr. Gerald Langmann, Elke Granitz, Aloisia Kohlhofer, Alex Kreilinger, Wolfgang Gliebe, Andrea Langmann, Andreas Wedrich
Wichtige Hinweise
W. Gliebe ist externer Assessor und Coach.

Zusammenfassung

Grundlagen

Qualitätsmanagement (QM) wurde 2006 verpflichtend an der Universitäts-Augenklinik Graz eingeführt. Das European Foundation for Quality Management (EFQM) Modell wurde von der Universitäts-Augenklinik als bisher anspruchsvollstes Modell (heute als Business Excellence Model bezeichnet) zusammen mit der Anstaltsleitung des LKH Universitäts-Klinikums Graz ausgewählt. Aufbauend auf zwei Committed to Excellence (C2E) Auszeichnungen 2008 und 2010 hat die Universitäts-Augenklinik Graz im Februar 2017 die Recognised for Excellence (R4E) Anerkennung erlangt.

Methodik

Während bei der Committed to Excellence (C2E) Validierung das Prozess- und Projektmanagement der 3 wichtigsten Handlungsfelder der Klinik basierend auf einer Selbstbewertung bearbeitet und beurteilt wurden, muss für das R4E Assessment eine Einreich-Broschüre über die Gesamtklinik in Hinblick auf die Kriterienmatrix mit 9 Haupt- und 32 Subkriterien des EFQM Modells auf Basis der RADAR-Logik („Results-Approach-Deployment-Assessment-Refinement“) erarbeitet und beschrieben werden. Zu diesen Kriterien zählen zum Beispiel u.a. die Führung und die strategische Ausrichtung, Prozesse und Abläufe, Mitarbeitenden-Orientierung sowie Ergebnisse (wie beispielsweise Anzahl der Publikationen, Anzahl an Kataraktoperationen) der letzten Jahre. Die Kriterienmatrix des Modells sieht vor, dass die Klinikleitung unter Beachtung der Führung und Strategie mit ihren MitarbeiterInnen und den zur Verfügung stehenden Ressourcen mittels strukturierter Prozesse Ergebnisse generiert. Diese Ergebnisse werden unterteilt in mitarbeiterInnenbezogene Ergebnisse (z. B. Zufriedenheitsergebnisse aus der MitarbeiterInnenbefragung), kunden- bzw. patientInnenbezogene Ergebnisse (z. B. Zufriedenheitsergebnisse aus der PatientInnenbefragung) und gesellschaftsbezogene Ergebnisse (z. B. Ausmaß der Public Relation Aktivität der Klinik). In den Schlüsselergebnissen, dem letzten und 9. Kriterium des EFQM Modells, finden sich u. a. jene (Schlüssel‑) Ergebnisse, die für die Strategieumsetzung und operative Führung der Klinik wesentlich sind (z. B. Anzahl an Operationen mit Qualitätskennzahlen, Anzahl der Impact Faktoren, Anzahl der betreuten Dissertationen/ Diplomarbeiten).
Nach einer SWOT-Analyse der Klinik wurden zu den einzelnen Kriterien interdisziplinäre Teams zur Erarbeitung der Themen gebildet. Die Ergebnisse dieser Kriterienteams wurden von einem Redaktionsteam – bestehend aus Klinikleitung und Pflegeleitung sowie den Qualitätsbeauftragten und Risikomanagern – abstimmend formuliert, zusammengefasst, ergänzt und in die vorgegebene Struktur der EFQM Broschüre Kriterium für Kriterium eingearbeitet. Auffallende Lücken in der Darstellung – zum Beispiel fehlende Prozesslandkarte – wurden in eigenen kleinen Projekten erarbeitet und in die bestehende Beschreibung integriert. Nach Prüfung der Gesamtbroschüre auf Konsistenz wurde diese bei der Quality Austria zum Assessment eingereicht.

Ergebnisse

In einem, aufgrund der Klinikgröße eintägigen Assessment, durchgeführt von einem Leadassessor und 2 weiteren Assessoren der Quality Austria im Februar 2017, erfolgte die Bewertung der Klinik. Die Assessoren attestierten der Universitäts-Augenklinik mit 400–450 Punkten die für „Recognised for Excellence“ (R4E****) benötigte Zahl von mindestens 300 Punkten.
Als Stärken der Klinik wurden die hohe PatientInnenzufriedenheit (die Klinik ist an der Spitze innerhalb des Klinikums platziert) sowie den mitarbeiterInnen-zentrierte Führungsansatz der Klinikleitung. Das 1. Kriterium im EFQM Modell, die Führung resp. Klinikleitung, erhielt die höchste Punkteanzahl (50–60 Punkte ) mit den Subkriterien Führen nach einem definierten Leitbild (das Leitbild wurde bereits im 2. C2E 2010 unter der Leitung des Vorstands der Klinik entwickelt), Einführung und Weiterentwicklung eines QM Systems, exzellentes Unternehmensklima zusammen mit den MitarbeiterInnen sowie große Flexibilität bei extern induzierten Veränderungen.
Potenziale, die für eine Weiterentwicklung in Richtung höherer Punktescores bearbeitet werden müssen, sind u.a. die detaillierte Entwicklung einer Strategie, ausgerichtet auf die Schlüsselkennzahlen, die Abstimmung dieser Strategie auf die Leitbilder der Medizinischen Universität Graz (MUG) und der Krankenanstalten Gesellschaft (KAGES) und das Thema Öffentlichkeitsarbeit – insgesamt Themen, die teilweise nur beschränkt innerhalb eines Krankenanstalten-Verbundes maßgeblich beeinflussbar sind und daher eine besondere Herausforderung für eine Klinik mit den beiden Trägern MUG und KAGes darstellen.

Schlussfolgerung

Das EFQM Modell, ursprünglich vor allem für Organisationseinheiten konzipiert, die in der Privatwirtschaft tätig sind, kann auch in operativ tätigen Organisationseinheiten im Gesundheitsbereich – auch in Konkurrenz mit privatwirtschaftlichen Unternehmen – erfolgreich implementiert werden. Inwieweit eine weitere Maximierung der in der Fremdbeurteilung erreichten Punkte mit den durch die Träger KAGes und MUG vorgegebenen Rahmenbedingungen und dadurch eingeschränkter Selbstbestimmung/-gestaltung erzielt werden kann, bleibt Gegenstand weiterer Organisationsentwicklungsschritte und nachfolgender Bewerbungen. Entscheidend ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität,wobei diese kontinuierliche Weiterentwicklung durch konsequente Anwendung von geschlossenen RADAR-Kreisen in allen relevanten Bereichen die Stärke des EFQM Modells darstellt.
Literatur
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