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11.05.2024

Der Wasserplanet

verfasst von: Katharina Weinberger

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Im Wasserturm Favoriten ist bis 20. Mai 2024 die Ausstellung „Water No Water“ der Wiener Künstlergruppe coop.incontro zu sehen.

Die Fotografin Natascha Uccusic arbeitet mit extremen Vergrößerungen mit dem Makroobjektiv: Nahezu abstrakt wirken die Luftblasen auf der Oberfläche eines Topfes, die beim Reiskochen auf ihrem Herd entstanden sind, oder der Schaum, der beim Öffnen der Waschmaschine abgelichtet wurde. Auch auf ihrem Balkon wurde Uccusic fündig: Nach dem Regen waren die Untersetzer ihrer Pflanzen voll Wasser und ein sich darin bewegender Wurm schwamm vor ihre Linse. Wie Augen muten dagegen die Formen an, die sie im Überschwemmungsgebiet eines Wiener Baches mit der Kamera festgehalten hat. Es handelt sich um flüchtige Momentaufnahmen, da die Tropfen und Blasen nur für den Bruchteil einer Sekunde ihre Form behalten.

Judith Nicolussi zeigt kleinformatige Mixed-Media-Arbeiten auf gefundenen Holzplatten wie Regal- oder Kastenbretter, auf denen diverse Wasserlandschaften zu sehen sind. Dazwischen hat sie SchwarzWeiß-Fotos verschiedener Häuser eingearbeitet, die zum Teil nur auf Linien reduziert sind. Auch türkise Flussläufe und graue Brücken sind auf ihren stimmungsvollen Collagen zu erkennen. Während des Arbeitsprozesses werden immer wieder Elemente übermalt oder hinzugefügt. „So sehr wir Menschen uns auch bemühen, das Wasser zu bändigen, zu regulieren und einzudämmen, es findet doch immer seinen eigenen Weg. Wir können es einige Zeit behindern und einsperren, unsere Dämme, Deiche und Kanäle sind aber eigentlich klein und hilflos gegenüber der Naturgewalt“, so Nicolussi.

Die Malerin Alexandra Uccusic präsentiert verschiedene tierische Wasserbewohner. Freundliche bunte Fische blicken den Betrachter mit großen Augen an. Kröten und Frösche mit Kringel-Haut wurden in einer Mischtechnik aus Aquarellfarben und Tuschestiften zu Papier gebracht. Ornamente spielen eine große Rolle in den Werken der studierten Architektin, genauso wie die Titel, die sich aus poetischen Wortspielen zusammensetzen. In der Ausstellung sind etwa ein skeptischer Moorfrosch mit viel Grün und ein zielstrebiger Frisurenfisch zu sehen. Die Künstlerin thematisiert in ihren Arbeiten Natur- und Artenschutz.

Andreas J. Hirsch hat für seine neue Serie ein Wasserglas in die Kulisse eines Baches gestellt und dabei mit Schärfe und Unschärfe gearbeitet. Es bleibt Ansichtssache, ob das Glas – und damit die globale Situation des Wassers – als „halb voll oder halb leer“ gesehen wird. Hirsch hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit dem Thema Wasser beschäftigt: In der Schau sind zahlreiche Fotos dazu zu sehen, etwa Menschen, die im seichten Meer stehen oder eine urbane Wasserfontäne durchwandern.

Katja Uccusic-Indras Totenköpfe sind für den Wasserturm in Blautöne getaucht. Den Hintergrund hat die Malerin mit Schriftelementen versehen. In Lateinbuchstaben sind Worte wie „Goldwater“ und „White“ zu lesen, die zu einer Zeile verbunden wurden. Eine zweite Bilder-Reihe behandelt die gefährdete Unterwasserwelt, wo Tauchroboter, Fischgerippe, Seesterne, Vulkane und alte Handys aufeinandertreffen – in der Hoffnung, dass das, was nicht in den Ozean gehört, wieder herausgefischt wird. Die Hundertwasser-Schülerin verwendet eine Mischtechnik aus Acrylfarben und Gouache sowie Marker auf Leinwand.



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Metadaten
Titel
Der Wasserplanet
Publikationsdatum
11.05.2024

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