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12.02.2018 | Tekal

Der Bock als Gärtner

Autor:
Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist

Die Nominierung Donald Trumps für den Friedensnobelpreis lässt mich auf den Erwerb eines Medizinnobelpreises hoffen.

Der Friedensnobelpreis, den Alfred Nobel einst über die Erfindung des Dynamits gesponsert hat, sollte bekanntlich all jenen verliehen werden, die dieses Dynamit nicht verwenden. Man denkt dabei an Henry Dunant, Bertha von Suttner, Mutter Teresa oder auch an Mahatma Gandhi, der den Nobelpreis jedoch nie erhalten hat, wahrscheinlich weil er zu aggressiv gehungert hat.

Nun wurde verdienterweise Donald Trump nominiert. Übrigens zum dritten Mal. Genau jener Donald, der unter @realDonaldTrump twittert, dass der Atomknopf auf seinem Schreibtisch im Vergleich zum Knopf seines nordkoreanischen Widersachers nicht nur schöner, sondern auch größer sei, und der mit glänzenden Augen die „Mutter aller Bomben“ auf Afghanistan wirft, weil es so „awesome“ ist. Immerhin sind zeitgleich auch die pazifistischen kurdischen Peschmerga vorgeschlagen, vermutlich, weil diese Armee weit weniger gewaltbereit ist als der Brutal-Faster Gandhi.

Vielleicht ist dem Gedanken, dass man mächtigen Menschen mit dieser Auszeichnung zu vermehrt friedfertigem Handeln verhelfen kann, etwas abzugewinnen. Zudem möchte natürlich auch das schwedische Karolinska Institut in die Schlagzeilen kommen. Denn ein nominierter kongolesischer Menschenrechtsaktivist bekommt weitaus weniger mediale Aufmerksamkeit, als wenn man den Bock Trump zum Gärtner des Friedens macht. Das hat etwas von „Mann beißt Hund“-Geschichte.

Meine Hoffnung ist, dass man es möglicherweise auch mit dem Medizinnobelpreis nicht ganz so genau nimmt. Noch ist es überaus aufwendig, in den Kreis der Nominierten zu kommen. Man muss viele Jahre forschen, lange im Labor stehen, Unmengen von Daten manipulieren und persönliche Kontakte zu Personen forcieren, die dem Nobel-Komitee nahestehen (Stockholm-Syndrom). Im Endeffekt bekommt die Öffentlichkeit dann einen Preisträger präsentiert, der meistens männlich ist und einen Ionenkanal entdeckt hat, der den Endkunden keinen unmittelbar sichtbaren Vorteil im Leben verschafft.

Würde man mich auszeichnen für die Erkenntnis, dass viele Patienten gerade dann genesen, wenn sie ihre Medikamente gar nicht einnehmen, so hätte das weitaus mehr mediale Sprengkraft. Die preisverdächtige Beobachtungsstudie hätte unmittelbare Konsequenzen auf die medizinische Praxis. Da man damit dem Gesundheitssystem enorme Kosten erspart, stünde mir zeitgleich auch der Wirtschaftsnobelpreis zu. Und auch in den Kategorien Physik und Chemie müsste ich ausgezeichnet werden, schließlich verschaffe ich den Naturwissenschaftlern in den Pharma-Labors mit der Reduzierung der Medikamentenlast eine ganze Reihe freier Tage. Wenn ich es dann noch schaffe, die Studie in Reimform zu gießen („The patient is blowing in the wind“), ist mir auch der Literaturnobelpreis sicher.

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