Skip to main content
main-content

Tipp

Weitere Artikel dieser Ausgabe durch Wischen aufrufen

08.02.2018 | themenschwerpunkt | Ausgabe 3/2018

Spektrum der Augenheilkunde 3/2018

Das Unsagbare darstellen

Zur Visualisierung des Traumas in der Kunst

Zeitschrift:
Spektrum der Augenheilkunde > Ausgabe 3/2018
Autor:
Dr. Barbara Laimböck

Zusammenfassung

Traumatisierte haben oft keine Worte für das, was ihnen widerfahren ist. Doch unvermittelt und plötzlich taucht das Trauma lebhaft und hochaffektiv im Alltag auf. Scham und Angst verstärken Verschweigen und Verbergen. Kunst hilft, dies zu überleben: Überwältigende Gefühle wie Schmerz, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Angst, Wut etc. erhalten durch das Kunstwerk einen Rahmen, können ausgehalten und kommuniziert werden. Diese Kommunikation findet zuerst mit dem „inneren Anderen“ statt, dann aber auch mit dem Rezipienten.
Durch die Kunst werden Erinnerungsfragmente zu einem Narrativ geformt. Und dieses gestaltet Kontinuität in unserem Erleben und unserer Erinnerung, formt unsere Identität und integriert unsere Erfahrungen. Nach unproduktivem Grübeln ist der innovative, kreative Augenblick eine besonders bedeutsame Inspiration, eine Veränderung.
Diese Funktionen des Kunstwerks habe ich an der Geschichte ihrer Vergewaltigung und der beiden in diesen Epochen entstandenen Bilder der Barockmalerin Artemisia Gentileschi dargestellt.
Ihr Kunstwerk gestaltend, erlangt die Künstlerin Kontrolle über das, was ihr zugestoßen ist und ihr Leben überschattet. Sie dosiert ihre Konfrontation und tritt gleichzeitig mit unbewussten Wünschen und Abwehr in Kontakt. So gestaltet sie, womit und wie die weiße Leinwand gefüllt wird. Das autobiographische Narrativ ist das Produkt des kreativen Teils, der nicht mehr Opfer ist, sondern aktiv und selbst gestaltend überlebt.
Die Leere, das Fehlen von Struktur, die weiße Leinwand und das Fehlen eines Symbols werden gefüllt und verändert. Das schafft Sicherheit und stiftet Sinn. In Ungewissheit zu bleiben, lässt uns das gute Gefühl vermissen, gehalten zu werden, meint Winnicott („To be adrift in uncertainty is to feel un-held“). Das Kunstwerk dient als Container und eröffnet den Weg, erlittene Verluste zu betrauern und allmählich das Trauma zu überwinden.

Bitte loggen Sie sich ein, um Zugang zu diesem Inhalt zu erhalten

Literatur
Über diesen Artikel

Weitere Artikel der Ausgabe 3/2018

Spektrum der Augenheilkunde 3/2018Zur Ausgabe

themenschwerpunkt

The Making of VETART

themenschwerpunkt

Ohne Hirn keine Kunst