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Erschienen in:

Open Access 02.06.2023 | Die Mädchensprechstunde

Das metabolische Profil von Patientinnen mit funktioneller hypothalamischer Amenorrhö mit und ohne polyzystische Ovarmorphologie

verfasst von: Dr. Daniel Mayrhofer

Erschienen in: Gynäkologie in der Praxis | Ausgabe 2/2023

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Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Die beiden häufigsten Ursachen der sekundären Amenorrhö sind das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) und die funktionell hypothalamische Amenorrhö (FHA; [1]). Entsprechend den Rotterdam-Kriterien müssen für die Diagnose des PCOS mindestens zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt sein: (i) klinischer und/oder serologischer Hyperandrogenismus, (ii) Oligo‑/Anovulation und/oder (iii) das Vorliegen einer polyzystischen Ovarmorphologie (PCOM), wobei eine PCOM dann vorliegt, wenn im Ultraschall pro Ovar ≥ 12 Follikel mit einem Durchmesser von 2 bis 9 mm nachgewiesen werden können [2]. Bei der FHA handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose; sie ist gekennzeichnet durch (i) eine Zykluslänge > 45 Tage oder Amenorrhö > 3 Monate, (ii) das Vorliegen eines hypogonadotropen Hypogonadismus und (iii) exzessiven Gewichtsverlust/körperliche Aktivität/Stress in der Anamnese [3]. Obwohl es sich um zwei unterschiedliche Diagnosen handelt, kann die Unterscheidung im klinischen Alltag mitunter eine Herausforderung darstellen, insbesondere wenn man bedenkt, dass bis zu 50 % aller FHA-Patientinnen eine PCOM aufweisen [4]. In einer rezenten Studie von Makolle et al. konnte gezeigt werden, dass bei diesen Frauen (PCOM-FHA) das Anti-Müller-Hormon (AMH) und der Body-Mass-Index (BMI) signifikant höher, aber das sexualhormonbindende Globulin (SHBG) signifikant niedriger waren als bei Frauen mit FHA ohne PCOM (nonPCOM-FHA; [4]). Diese Veränderungen treten häufig auch bei PCOS-Patientinnen auf, weshalb von den Studienautor:innen die Hypothese hervorgebracht wurde, dass Frauen mit PCOM-FHA möglicherweise vor dem Auftreten der FHA an einem PCOS litten. Eine weitere häufige metabolische Veränderung bei PCOS-Patientinnen (auch mit BMI-Werten im Normbereich) ist die Insulinresistenz [5]. Das Vorliegen bzw. die Ausprägung der Insulinresistenz kann mittels des HOMA-IR (Homeostasis Model Assessment of Insulin Resistance) ermittelt werden.
Im Rahmen einer retrospektiven Studie an der Medizinischen Universität Wien sollte getestet werden, ob Patientinnen mit PCOM-FHA ein erhöhtes HOMA-IR im Vergleich zu nonPCOM-FHA aufweisen. Hierfür wurden je 20 PCOM-FHA-Patientinnen und 20 nonPCOM-FHA-Patientinnen alterskorrigiert hinsichtlich des HOMA-IR verglichen. Blutabnahmen wurden während der Amenorrhö abgenommen. Der Hauptparameter war HOMA-IR (mg/dl), berechnet als Nüchterninsulin (mU/l) × Nüchternglukose (mg/dl)/405. Zusätzlich wurden die Serumspiegel von follikelstimulierendem Hormon (FSH), luteinisierendem Hormon (LH), Östradiol, Gesamttestosteron, Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS), SHBG und AMH bestimmt.
Die Ergebnisse zeigten, dass PCOM-FHA-Patientinnen signifikant höhere Testosteron‑, AMH- und HOMA-IR-Werte aufwiesen und auch der freie Androgenindex gegenüber der nonPCOM-FHA-Gruppe statistisch signifkant erhöht war (p < 0,05). Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass bei PCOM-FHA-Patientinnen ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen LH und BMI sowie BMI und HOMA-IR bestand. Bei dieser Patientinnengruppe zeigte sich darüber hinaus eine negative Korrelation zwischen SHBG und HOMA-IR (p < 0,05).
Die Ergebnisse dieser Studie bestätigten die Ergebnisse von Makolle et al. [4], die zeigten, dass Frauen mit FHA und PCOM metabolische Alterationen aufweisen, die für das PCOS charakteristisch sind (positive Korrelation zwischen AMH und BMI sowie niedrige SHBG-Werte). Obwohl ein positiver Zusammenhang zwischen LH-Spiegel und BMI nicht per se PCOS-spezifisch ist, lassen die PCOS-typischen Korrelationen zwischen HOMA-IR und SHBG vermuten, dass Patientinnen mit PCOM-FHA ursprünglich ein PCOS aufwiesen. Obwohl ein HOMA-IR > 2 mg/dl nur bei wenigen Patientinnen in unserer Studie auftrat, sind zukünftige Studien zu FHA notwendig, um diejenigen Patientinnen mit einem erhöhten metabolischen Risikoprofil zu ermitteln.
Infobox
Diese Studie wurde im Dezember 2022 in Fertility and Sterility publiziert. Tabellen und Grafiken können dort eingesehen werden:
Mayrhofer, D., Dewailly, D., Hager, M., Marculescu, R., Beitl, K., & Ott, J. (2022). Functional hypothalamic amenorrhea with or without polycystic ovarian morphology: a retrospective cohort study about insulin resistance. Fertility and sterility, 118(6), 1183–1185. https://​doi.​org/​10.​1016/​j.​fertnstert.​2022.​09.​029 .

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

D. Mayrhofer gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden vom Autor keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
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Literatur
5.
Zurück zum Zitat Cassar S, Misso ML, Hopkins WG, Shaw CS, Teede HJ, Stepto NK (2016) Insulin resistance in polycystic ovary syndrome: a systematic review and meta-analysis of euglycaemic–hyperinsulinaemic clamp studies. Hum Reproduction 31(11):2619–2631. https://doi.org/10.1093/humrep/dew243CrossRef Cassar S, Misso ML, Hopkins WG, Shaw CS, Teede HJ, Stepto NK (2016) Insulin resistance in polycystic ovary syndrome: a systematic review and meta-analysis of euglycaemic–hyperinsulinaemic clamp studies. Hum Reproduction 31(11):2619–2631. https://​doi.​org/​10.​1093/​humrep/​dew243CrossRef
Metadaten
Titel
Das metabolische Profil von Patientinnen mit funktioneller hypothalamischer Amenorrhö mit und ohne polyzystische Ovarmorphologie
verfasst von
Dr. Daniel Mayrhofer
Publikationsdatum
02.06.2023
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
Gynäkologie in der Praxis / Ausgabe 2/2023
Print ISSN: 3005-0758
Elektronische ISSN: 3005-0766
DOI
https://doi.org/10.1007/s41974-023-00267-w

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