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01.03.2013 | übersicht | Ausgabe 1/2013

neuropsychiatrie 1/2013

Das Cotard-Syndrom bei schizophrenen Erkrankungen

Zeitschrift:
neuropsychiatrie > Ausgabe 1/2013
Autoren:
Univ.-Prof. Dr. Thomas Stompe, Hans Schanda
Wichtige Hinweise
„Sind Sie tot?“
„Ja“, sagte der Jäger, „wie Sie sehen. Vor vielen Jahren, es müssen aber ungemein viele Jahre sein, stürzte ich im Schwarzwald – das ist in Deutschland – von einem Felsen, als ich eine Gemse verfolgte. Seitdem bin ich tot.“
„Aber Sie leben doch auch“, sagte der Bürgermeister.
„Gewissermaßen“, sagte der Jäger, „gewissermaßen lebe ich auch.“
aus Franz Kafka: Der Jäger Gracchus

Zusammenfassung

Grundlagen

Das Cotard Syndrom (CS), die Überzeugung tot zu sein, wurde erstmals 1880 beschrieben und fand seither immer wieder das Interesse von Psychopathologen, aber auch von Philosophen. In der Fachliteratur findet es sich vorwiegend in Kausuistiken über ängstlich-depressive, demente oder paranoide Patienten. Die vorliegende Arbeit versucht, die Prävalenz sowie den psychopathologischen Kontext des CS bei schizophrenen Erkrankungen zu erfassen.

Methodik

Ausgewertet wurden die Daten des österreichischen Samples (N = 346) der International Study on Psychotic Symptoms in Schizophrenia.

Ergebnisse

Ein CS fand sich in drei Fällen (0,87 %). Bei allen drei Patienten entwickelte es sich aus einem nihilistisch-hypochondrischen Wahn und einem seit längerer Zeit bestehenden progredienten Energieverlust. Die logischen Brüche der Wahnerzählung wurden in zwei Fällen durch illusionäre Verkennungen, im dritten Fall durch eine wahnhafte Situierung in einem Zwischenreich zwischen Diesseits und Jenseits überbrückt.

Schlussfolgerungen

Das CS kann einerseits als eine besondere Form der Verarbeitung der Todesthematik im Wahn, andererseits als eine nihilistische Wahnidentität aufgefasst werden. Dieses seltene, jedoch überaus faszinierende und bizarre psychotische Phänomen wird wohl noch länger Gegenstand des Interesses sowohl der allgemeinen Psychopathologie als auch der Philosophie des Geistes sein.

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