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Erschienen in: Pädiatrie & Pädologie 1/2019

26.03.2019 | Leitthema

Das Chaos in der Finanzierung funktioneller Therapien

verfasst von: MSc Irmgard Himmelbauer

Erschienen in: Pädiatrie & Pädologie | Sonderheft 1/2019

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Zusammenfassung

Es ist seit Jahren durch Studien belegt und mittlerweile auch von den Versorgungsverantwortlichen anerkannt, dass im Bereich funktioneller Therapien Versorgungsmängel in Österreich bestehen. Auch die vom Hauptverband jüngst erhobenen (noch nicht öffentlich zugänglichen) LEICON-Daten* bilden diese Mängel deutlich ab. Funktionelle Therapien (Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie) sind laut Allgemeinem Sozialversicherungsgesetz (ASVG) Pflichtleistungen der Krankenkassen und diesbezüglich der ärztlichen Leistung gleichgestellt.
Erschwerend für strukturelle Verbesserungen sind aber inhomogene und unübersichtliche Vertrags- und Verrechnungssysteme. Anstatt – wie im ASVG vorgesehen – eine flächendeckende ausreichende Versorgung durch Verträge sicherzustellen, gibt es in fast allen Bundesländern und bei allen Krankenversicherungsträgern unterschiedliche Verrechnungs- und Versorgungsvarianten für Ergotherapie, Physiotherapie und teilweise auch Logopädie im niedergelassenen Bereich.
Die Bandbreite reicht von völligem Fehlen vertraglicher Regelungen für Niedergelassene über Poolverträge bis hin zu ausreichender Versorgung durch Kassenverträge. Darüber hinaus existieren noch zahlreiche institutionelle Anbieter (Vereine, Ambulatorien usw.), die ebenfalls Therapien mit Kassen abrechnen, jeweils aber wieder unterschiedliche Verrechnungsmodalitäten haben (Pauschalen, geteilte Finanzierungen usw.). Regionale Vergleiche der Versorgungsquantität sind daher schwierig und die vorhandenen Daten lückenhaft.
Diese inhomogene Versorgungssituation geht eindeutig an der Intention des ASVG vorbei, führt zu Ungerechtigkeiten und Unsicherheit für die Patienten und zu Umständlichkeit und Unklarheiten in der Verrechnung. Die von der Regierung angekündigte Harmonisierung der Kassenleistungen greift im Bereich der funktionellen Therapien leider bisher viel zu kurz.
Anhand der Darstellung der regional unterschiedlichen Versorgungsvarianten im niedergelassenen Bereich (Verträge, vertragslose Zustände und Poolverträge) werden die Auswirkungen auf die Versorgungswirksamkeit (qualitativ und quantitativ) und die daraus entstehenden Probleme aufgezeigt.
*LEICON ist ein modular aufgebautes gesundheitsökonomisches Datenerhebungs- und Controlling-Instrument, das von den Sozialversicherungsträgern entwickelt wurde, um fundierte Krankheitsversorgungs- und Behandlungsdaten zu erhalten.
Fußnoten
1
Zahlreiche Studien, Presseartikel, parlamentarische Anfragen etc. zum Thema Versorgungsmangel finden Sie auf der Homepage der Politischen Kindermedizin unter: http://​www.​polkm.​org/​archive.​html/​kostenfreie_​therapien.
 
2
Aus: Allgemeines Sozialversicherungsgesetz Band 1, Stand 01.09.2010.
 
4
In der Satzung sind u. a. die Rechte und Pflichten der Versicherten (Anspruchsberechtigten) sowie der Beitragsschuldner geregelt.
 
5
Obwohl der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger in einer eigenen Pressekonferenz im September 2018 die Vereinheitlichung der satzungsmäßigen Zuschüsse auf 30 € verkündete, wurde diese Vereinheitlichung von der Wiener Gebietskrankenkasse bis Januar 2019 nicht umgesetzt.
 
6
Erhebungsdatum November 2018.
 
7
Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit.
 
8
Der Katalog wurde vom Hauptverband der SV-Träger erworben; ein Muster ist auf der Homepage der Politischen Kindermedizin unter http://​www.​polkm.​org/​archive/​VO_​Katalog_​18_​cr.​pdf abrufbar.
 
Metadaten
Titel
Das Chaos in der Finanzierung funktioneller Therapien
verfasst von
MSc Irmgard Himmelbauer
Publikationsdatum
26.03.2019
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
Pädiatrie & Pädologie / Ausgabe Sonderheft 1/2019
Print ISSN: 0030-9338
Elektronische ISSN: 1613-7558
DOI
https://doi.org/10.1007/s00608-019-0663-0