Darmkrebs: Stellt die Hormonersatztherapie einen Risikofaktor oder einen Nutzen für das Überleben dar?
- Open Access
- 21.05.2025
- Menopause heute und morgen
In den letzten Jahren wurden große Datensätze von Frauen, welche eine kombinierte Hormonersatztherapie (HRT) mit Östrogen und Progesteron erhalten haben, in Hinblick auf verschiedene Krankheitsbilder wie etwa die Alzheimer-Erkrankung als möglichen Schutz oder Risikofaktor publiziert. Nun wurde auch der Frage nachgegangen, ob eine kombinierte HRT das Auftreten eines Kolonkarzinoms begünstigt oder womöglich sogar davor schützt. In diesem Artikel wird zu dieser Thematik die Studie „Estrogen Plus Progestin and Colorectal Cancer: Long-Term Findings from the Women’s Health Initiative Randomized Clinical Trial“ von Chlebowski et al. vorgestellt [1].
Insgesamt wurden in dieser Studie 16.608 postmenopausale Frauen zwischen dem 50. und 79. Lebensjahr mit vorhandenem Uterus innerhalb der Jahre 1993 bis 1998 an verschiedenen medizinischen Zentren der Vereinigten Staaten eingeschlossen. Sie erhielten entweder täglich konjugiertes equines Östrogen 0,625 mg in Kombination mit Medroxyprogesteronacetat (MPA) 2,5 mg oder ein Placebopräparat. Nach 5,6 Jahren wurde die Studie abgeschlossen. Obwohl in der Interventionsgruppe 44 % weniger Kolorektalkarzinome auftraten (43 vs. 72, p = 0,003), hatten die Karzinome häufiger einen positiven Lymphknotenstatus (59 % vs. 29,4 %, p = 0,003). Obwohl die Daten nicht statistisch signifikant waren, kam es in der Gruppe mit der HRT zu mehr Todesfällen durch Kolorektalkarzinome (87 vs. 69, p = 0,26).
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Nach 11,6 Jahren eines kumulativen Follow-ups zeigte sich, dass die kombinierte HRT weder die Inzidenz des kolorektalen Karzinoms noch die Mortalität weiterhin beeinflusste (37 Todesfälle [0,04 %] vs. 27 Todesfälle [0,03 %] für die Interventionsgruppe gegenüber der Placebogruppe).
Studien, die den Zusammenhang einer kombinierten HRT und des Kolorektalkarzinoms untersuchten, brachten bis dato gemischte Ergebnisse. In der Cochrane Database of Systematic Reviews konnte im Gesamten keine starke Evidenz einer klinisch bedeutenden Reduktion von Darmkrebs durch eine HRT entweder mit Östrogen allein oder in Kombination mit Progestin gezeigt werden [2].
Der Mechanismus, der einer kombinierten HRT und der Entwicklung von kolorektalen Karzinomen zugrunde liegt, konnte bis dato nicht geklärt werden. Es wurde aber gezeigt, dass vaginale Blutungen in der Interventionsgruppe häufiger auftraten als in der Placebogruppe (p < 0,001). Interessanterweise waren diese mit einem Lymphknotenbefall bei Diagnose des Darmkrebses assoziiert (p = 0,006). Die Häufigkeit von Darmuntersuchungen unterschied sich in beiden Gruppen jedoch nicht [3]. Frauen der Interventionsgruppe hatten außerdem eine statistisch signifikante Verzögerung der Darmuntersuchungen, was die mögliche Ursache für das fortgeschrittene Stadium der Kolorektalkarzinome bei Erstdiagnose erklärt.
In einer anderen Studie wurde Östrogen allein bei postmenopausalen Frauen nach einer Hysterektomie in Hinblick auf kolorektale Karzinome untersucht. Hier konnten keine Reduzierung der Inzidenz von Darmkrebs oder Unterschiede beim Stadium bei Erstdiagnose festgestellt werden [4].
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Zusammenfassend konnte eine Reduktion der Inzidenz von kolorektalen Karzinomen bei einer kombinierten HRT demonstriert werden. Dieser Effekt persistierte jedoch nicht im Langzeit-Follow-up. Ebenso konnte durch die HRT keine Reduktion der Mortalität von Darmkrebs erzielt werden. Somit kann von keinem klinisch bedeutenden Benefit einer HRT hinsichtlich des Outcomes von kolorektalen Karzinomen ausgegangen werden.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
I. Holzer gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
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