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Erschienen in: ProCare 5/2017

01.06.2017 | pflege & wissenschaft Zur Zeit gratis

Cochrane Pflege Forum

Selbstmanagement für Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung

verfasst von: Springer Vienna

Erschienen in: ProCare | Ausgabe 5/2017

Plain Language Summary

Hintergrund: Symptome von Patienten mit COPD verschlechtern sich langsam im Verlauf der Jahre. Dies führt zum Verlust des Wohlbefindens dieser Patienten. Ein anderer, in der Forschung gängiger Begriff für Wohlbefinden ist gesundheitsbezogene Lebensqualität. Im Selbstmanagement-Training lernen Patienten die Fertigkeiten und Verhaltensweisen, welche nötig sind, um ihre Krankheit erfolgreich zu bewältigen. In der Behandlung von COPD werden Selbstmanagement-Trainings immer wichtiger. Dennoch ist die Diskussion der wirkungsvollsten Inhalte dieser Trainings noch nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund überprüften wir die Evidenz zur Wirksamkeit von Selbstmanagement auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bei Patienten mit COPD. Die Evidenz ist auf dem Stand von August 2011.
Merkmale der Studien: In diesem Review bewerteten wir 29 Studien, welche die Wirksamkeit von Selbstmanagement überprüften. Die Patienten der Studien wurden über einen Zeitraum von zwei bis 24 Monaten beobachtet. In 23 Studien gab es eine Kontrollgruppe, die wie üblich versorgt wurde. Insgesamt nahmen 3180 Patienten an diesen Studien teil. In sechs Studien wurden unterschiedliche Komponenten des Selbstmanagements direkt verglichen. Inhalte und Dauer der Selbstmanagement-Programme waren jedoch unterschiedlich.
Hauptergebnisse: Die Auswertung der Studien zeigte, dass sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Patienten mit COPD durch ein Selbstmanagement-Training im Vergleich zu einer üblichen Versorgung verbesserte. Ebenso reduzierte sich bei den Teilnehmern an einem Selbstmanagement-Training die Anzahl der Patienten mit mindestens einer Krankenhausaufnahme infolge einer Lungenerkrankung oder einer anderen Ursache. Diese Patienten litten auch weniger unter Atemnot. Wir identifizierten Studien, die unterschiedliche Arten von Selbstmanagement-Maßnahmen miteinander verglichen. Wir hatten gehofft, dass uns diese Studien dabei helfen würden, die wirksamsten Komponenten des Selbstmanagements zu identifizieren. Allerdings waren alle Interventionen unterschiedlich, wodurch es uns unmöglich war, Schlüsselthemen herauszufiltern.
Die in diesem Review bewerteten Studien waren unterschiedlich. Die Selbstmanagement-Programme unterschieden sich in Inhalt und Dauer. Ebenso unterschieden sich die Teilnehmer der Studien. Aus diesem Grund kann zum heutigen Zeitpunkt keine eindeutige Empfehlung hinsichtlich der wirksamsten Inhalte von Selbstmanagement-Trainings abgegeben werden.

Umfassende Zusammenfassung

Forschungsfrage: Können Selbstmanagement-Interventionen bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) im Vergleich zu Standardinterventionen zu verbesserten gesundheitlichen Ergebnissen und zu einer reduzierten Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen?

Stichprobe

Die Teilnehmer waren Personen mit einer klinisch diagnostizierten, Symptome zeigenden COPD, die Spirometrie-Kriterien erfüllten (Exspiratorische Einsekundenkapazität und forcierte Vitalkapazität < 70%).

Intervention und Kontrolle

Als Intervention galt die Anwendung von Selbstmanagement-Interventionen, die auf die Verbesserung des eigenen Gesundheitsverhaltens und der Selbstmanagementfähigkeit ausgerichtet waren. Mindestens zwei der folgenden Komponenten mussten Teil der Intervention sein:
  • ▪ Raucherentwöhnung
  • ▪ Selbstwahrnehmung von Symptomverschlechterung und Selbstmanagement von Symptomen
  • ▪ körperliche Aktivität und Übungen, Ernährungsberatung, Beratung im Umgang mit Medikamenten oder Bewältigung der Kurzatmigkeit. Die Kontrollintervention bestand aus herkömmlichen Interventionen ohne Selbstmanagement wie Ausdauerübungen oder Internet-basierenden Selbstmanagement-Interventionen.

Zielkriterien

Die primären Zielkriterien setzten sich aus der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HRQoL) und der Anzahl an Krankenhauseinweisungen zusammen. Als sekundäre Zielkriterien galten Krankenhausaufenthaltstage, die Anzahl an Exazerbationen, die einen Besuch in der Notfallambulanz notwendig machen, Inanspruchnahme weiterer Gesundheitseinrichtungen, die Anzahl an Exazerbationen, die eine Behandlung mit Korticosteroiden und Antibiotika notwendig machen, die Notwendigkeit von Notfallmedikation, Dyspnoe, Angst und Depression, Selbstwirksamkeit, verlorene Arbeitstage, Lungenfunktion und Trainingskapazität.

Methodisches Vorgehen

Im Rahmen dieser systematischen Übersichtsarbeit wurde im August 2011 in folgenden Registern und elektronischen Datenbanken nach randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) und kontrollierten klinischen Studien (CCTs), die die Wirksamkeit von Selbstmanagement-Interventionen bei COPD untersuchten, gesucht: Cochrane Airways Group Specialised Register (CAGR), Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL), MEDLINE, EMBASE, CINAHL, AMED, clinical-trials.gov, WHO und PsycINFO. Es gab keine Beschränkungen bezüglich der Sprache der Studien. Zusätzlich wurde in den Referenzlisten nach relevanten Studien und Abstracts gesucht. Die Auswahl der relevanten Studien und die Extraktion relevanter Daten aus den Studien wurde von zwei Autoren getrennt voneinander durchgeführt. Jede Studie wurde mit der GRADEpro Software bewertet und auf Qualität überprüft. Mögliche Bias (systematische Fehler) wurden mit den Bewertungskriterien der Cochrane Collaboration ermittelt. Unstimmigkeiten wurden unter den Autoren diskutiert oder es wurde ein weiterer Autor oder Experte zur Klärung von Unstimmigkeiten hinzugezogen.

Datenanalyse

Für kontinuierliche Zielgrößen wurden die mittlere Differenz (MD) oder standardisierte mittlere Differenz (SMD) mit einem Konfidenzintervall (CI) von 95% berechnet. Für dichotome Zielgrößen wurde die gepoolte Odds Ratio (OR) berechnet. Im Falle fehlender oder unvollständiger Daten wurde der Originalautor kontaktiert. Die Ergebnisse wurden, wenn sie klinisch ähnlich waren, unter Verwendung eines Random Effekt Modells zusammengefasst.

Ergebnisse

Diese Übersichtsarbeit schloss 29 Studien mit 3688 Teilnehmern ein. 23 dieser Studien verglichen Selbstmanagement-Interventionen mit Standardinterventionen zwei bis 24 Monate nach der Intervention mit dem Fokus auf Langzeiteffekte. Sechs Studien verglichen die Wirksamkeit unmittelbar nach dem Erhalt der Intervention, um Kurzzeiteffekte aufzeigen zu können. 15 Studien untersuchten die Wirkung des Selbstmanagements auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität und zehn Studien davon konnten zusammengefasst werden. Die Ergebnisse dieser Studien zeigten, dass Selbstmanagement-Interventionen im Vergleich zu üblichen Interventionen eine signifikante Wirkung auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität hatten (MD = −3.51, 95% CI = −5.37 bis −1.65). Des Weiteren untersuchten zwölf Studien die Wirkung des Selbstmanagements auf atmungsbedingte Krankenhauseinweisungen und generell bedingte Krankenhauseinweisungen. Davon konnten neun Studien bezüglich atmungsbedingter Krankenhauseinweisung und sechs Studien bezüglich generell bedingter Krankenhauseinweisungen zusammengefasst werden. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Verringerung atmungsbedingter Krankenhauseinweisungen (OR = 0.57, 95% CI = 0.43 bis 0.75) und eine signifikante Verringerung der generell bedingten Krankenhauseinweisungen (OR = 0.60, 95% CI = 0.40 bis 0.89) auf. Der Effekt des Selbstmanagements auf Atemnot wurde in sechs Studien untersucht. Drei Studien davon konnten zusammengefasst werden und stellten eine signifikante Reduktion von Dyspnoe fest (MD = −0.83, 95% CI = −1.36 bis −0.30). In acht Studien wurde die Wirkung des Selbstmanagements auf die Lungenfunktion untersucht. Davon konnten sechs Studien zusammengefasst werden, die aber keine signifikanten Effekte feststellen konnten (MD = 0.08, 95% CI = −0,03 bis 0.19). Die Wirkung des Selbstmanagements auf die Trainingskapazität wurde in acht Studien mit dem sechs-Minuten-Gehtest untersucht. In den sechs zusammengefassten Studien konnte keine Erhöhung der Trainingskapazität durch das Selbstmanagement festgestellt werden (MD = 33.69, 95% CI = −9.12 bis 76.50). Auch bezüglich der Ergebnisparameter Krankenhausaufenthaltstage, Besuch einer Notallambulanz, Inanspruchnahme weiterer Gesundheitseinrichtungen, Notwendigkeit von Korticosteroiden und Antibiotika, Notwendigkeit von Notfallmedikation, Angst und Depression, Selbstwirksamkeit und verlorene Arbeitstage, gab es in den Gruppen keinen signifikanten Unterschied.

Schlussfolgerung

Selbstmanagement-Interventionen bei Patienten mit COPD sind mit einer Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, einer Reduktion von atembezogenen und generell bedingten Krankenhauseinweisung und einer Verbesserung der Dyspnoe assoziiert. Bezüglich der restlichen Ergebnisparameter wurde kein statistisch signifikanter Unterschied gefunden. Aufgrund der Heterogenität (Variabilität) bezüglich Interventionen, Studienpopulationen oder Ergebnismessungen in den inkludierten Studien und der damit begrenzten Möglichkeit einer Analyse von Untergruppen ist weitere Forschung auf diesem Gebiet notwendig.
Zusammengefasst und übersetzt durch: Corinna Müller BSc, Christina Eva Peyker BSc, Dr. Daniela Schoberer BSc, MSc.

Cochrane Pflege Forum: Wissen was wirkt

Das „Cochrane Pflege Forum“ ist eine Serie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Cochrane Zentrum. Es zeigt in regelmäßigen Abständen den aktuellen Stand der Forschung in Form von Zusammenfassungen von Cochrane Reviews auf. Dabei werden unterschiedliche pflegerische Themen aufgegriffen. Ziel der Serie ist es, den Pflegekräften Forschungsergebnisse schneller und direkter zur Verfügung zu stellen.
Literatur
Zurück zum Zitat Zwerink, M, Brusse-Keizter, M, van der Valk PDLPM, Zielhuis, GA, Monninkhof, EM, van der Palen, J, Frith, PA & Effing, T 2014, ‚Self mangement for patient with chronic obstructive pulmonary disease’, Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 3. Art. No.: CD002990. DOI: 10.1002/14651858.CD002990.pub3. Zwerink, M, Brusse-Keizter, M, van der Valk PDLPM, Zielhuis, GA, Monninkhof, EM, van der Palen, J, Frith, PA & Effing, T 2014, ‚Self mangement for patient with chronic obstructive pulmonary disease’, Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 3. Art. No.: CD002990. DOI: 10.1002/14651858.CD002990.pub3.
Metadaten
Titel
Cochrane Pflege Forum
Selbstmanagement für Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung
verfasst von
Springer Vienna
Publikationsdatum
01.06.2017
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
ProCare / Ausgabe 5/2017
Print ISSN: 0949-7323
Elektronische ISSN: 1613-7574
DOI
https://doi.org/10.1007/s00735-017-0782-4