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13.05.2018 | Cannabinoidtherapie | Pharma News | Onlineartikel | Bionorica ethics

Hanf: Wissenswertes aus Botanik und Kultivierung

Die Gattung Cannabis ist eine von 11 Pflanzengattungen aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Sie ist, in ihrem natürlichen Umfeld gesehen, eine einjährige krautige, leicht verholzende Pflanze, die eine Größe von 2 bis 6 Metern erreichen kann. Die Vegetationsdauer ist mit circa 90 – 110 Tagen beschränkt. Die Pflanze stirbt nach der Blütezeit ab.

Als Kurztagpflanze blüht sie erst, wenn abnehmende Tageslängen eine kritische Zeitdauer unterschreiten, hauptsächlich von Juli bis September. Cannabis ist eine windbestäubende (anemophile) Pflanze, daher sind Geruch und Färbung nicht besonders ausgeprägt . Männliche und weibliche Blüten bilden sich an verschiedenen Pflanzen (getrennt geschlechtlich) und sehen auch unterschiedlich aus. Die männlichen Blüten, in losen Rispen, bilden und enthalten kaum Cannabinoide, genauso wie Stängel, Wurzel, Blätter und Samen. Die weiblichen Blüten, die in Trauben angeordnet sind, liegen unterhalb der winzigen, harzigen Blätter und weisen hohe Cannabinoidgehalte auf:
In den Blütenkelchen befinden sich die Drüsenzellen, die mehr als 100 Cannabinoide (Terpenphenole)  enthalten, welche bislang nur in Cannabis gefunden wurden. Weiter finden sich in den Blüten ätherisches Öl, sowie Flavonoide und Zucker. Insgesamt sind bereits circa 500 verschiedene Inhaltsstoffe nachgewiesen. Am bekanntesten ist Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC).

Hanf als Kulturpflanze

Hanf zählt zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt. Die frühesten Nachweise für eine Verwendung der Hanffasern reichen bis in das dritte Jahrtausend v. Chr. zurück. Hanffasern wurden bis weit in das 20. Jahrhundert zur Herstellung von Segeltuch und Seilen, Tauen und Stoffen genutzt, der Hanfsamen wurde zu Hanföl verarbeitet. Erst die Entwicklung synthetischer Fasern verdrängte den Hanf, sodass die Pflanze heute nur noch ein Nischenprodukt in der Textil-, Zellstoff- und Papierindustrie ist, v.a. zur Herstellung von Dämmstoffen verwendet wird und der Blattabfall, zu Pellets gepresst, als Tierfutter oder Brennstoff dient.

Arzneipflanze des Jahres 2018

Die Wissenschaft gewinnt ständig neue Erkenntnisse über die Wirkungen der traditionellen Arzneipflanzen und neue Pflanzenwirkstoffe halten Einzug in die Medizin. Ein jährliches Highlight ist es, die Arzneipflanze des Jahres in Österreich auszuwählen. Für 2018 fiel die Wahl dabei auf die Hanfpflanze (Cannabis sativa). Die Herbal Medicinal Products Plattform Austria (HMPPA), bestehend aus ExpertInnen der pharmazeutischen Institute der Universitäten Graz, Innsbruck und Wien, wählte sie aufgrund ihrer aktuellen Bedeutung, der Vielfalt an interessanten pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffen so wie der Tatsache, dass sie in Österreich zur Arzneistoffgewinnung angebaut wird und kürte sie zur Arzneipflanze des Jahre 2018.

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