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14.05.2018 | Cannabinoidtherapie | Pharma News | Onlineartikel | Bionorica ethics

Historische Entwicklung - Cannabis indica 1839

Der Medizinalhanf wurde bereits 2737 vor Christus das erste Mal als Heilpflanze schriftlich in China erwähnt. Er eroberte von da aus Indien und die persisch-islamische Welt, bevor er Europa Ende des 18. Jahrhunderts erreichte. Es waren vorwiegend Ärzte aus den Kolonialmächten Frankreich und England, die sich zunächst für den Einsatz der indischen Hanfpräparate in Europa interessierten. Die dazu benötigten Rohstoffe und Präparate wurden in beachtlichen Mengen aus den Kolonien nach Europa importiert.

Die Verwendung von Cannabis erreichte zwischen 1880 und 1900 in Europa ihre Blütezeit. Der eigentliche Höhenflug des Arzneimittels Cannabis begann und eine große Anzahl von Publikationen zum Thema Hanf wurden verfasst. Tinctura Cannabis wurde zur Behandlung von Schmerzen, Spasmen, Asthma, Schlafstörungen und Rheuma genauso eingesetzt, wie zur Therapie von Cholera, Tetanus und Epilepsie.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor der Stellenwert von Cannabis wieder an Bedeutung. Der schleichende Abstieg hatte verschiedene Gründe:

1. Die medizinische Entwicklung

für alle Hauptindikationen von Cannabis-Arzneien wurden noch vor dem 20. Jahrhundert neue, synthetisch hergestellte Arzneimittel und Impfungen eingeführt, wodurch nicht mehr nur die Symptome, sondern auch die Grunderkrankungen behandelt werden konnten.

Und anders als die Vielzahl von Opiatmedikamenten wurden Hanfpräparate letztlich durch die Einführung von synthetischen Analgetika, wie z.B. von Aspirin im Jahre 1898 verdrängt. Aber auch die pharmazeutische Instabilität wurde zu einem Problem für die Standardisierung des Wirkstoffextraktes. Rechtliche Auflagen durch restriktive internationale und nationale Gesetze schränkten die Verwendung wesentlich ein, der Import von hochwertigen, indischen Hanf nach Europa wurde schwieriger und kostenintensiver.

2. Der politische Druck 

Die Pflanze wurde in vielen Ländern den Betäubungsmittelgesetzen unterstellt und teilweise auch mit Anbauverboten belegt. Der politische Druck einer Welt mit zunehmenden Drogenmissbrauch wurde immer stärker: 1961 verbot das sogenannte Einheitsübereinkommen (Single Convention on Narcotic Drugs) die Verwendung.

Als 1964 Dronabinol aus dem Medizinalhanf isoliert und damit seine chemische Struktur identifiziert werden konnte, waren Hanfzubereitungen aus den Arzneibüchern der westlichen Industrieländer weitgehend schon wieder verschwunden. Die stark ideologisch motivierte Klassifizierung des Einheitsübereinkommens und die Bestätigung des Abkommens durch die Schweiz, hatten  bereits den Grundstein für das Jahrzehnte andauernde, internationale Verbot von Cannabis gelegt. 

Erst mit der Entdeckung des Endocannabinoidsystems in den 1990er Jahren setzte erneut reges Interesse an der pharmakologischen und klinischen Erforschung von Cannabis ein. Die intensive präklinische und klinische Weiterbeschäftigung mit der Pflanze und ihren Inhaltsstoffen haben seitdem dazu beigetragen, dass Cannabinoide in den letzten Jahren als Therapieoption zunehmend  Akzeptanz finden. Dronabinol ist seit 1998 in Deutschland und seit 2008 in Österreich als magistrale Zubereitung erhältlich.

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