Skip to main content
main-content

13.12.2018 | Allgemeinmedizin | Pharma News | Onlineartikel

Entgeltliche Einschaltung

Berufskrankheit Krebs: Ohne Meldung keine Leistung!

Besteht der Verdacht, dass eine Krebserkrankung beruflich bedingt ist, müssen Ärztinnen und Ärzte das der gesetzlichen Unfallversicherung melden. Denn nur Versicherte, deren Krebserkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird, stehen finanzielle Leistungen und weitreichendere Rehabilitationsmaßnahmen zu. Die Meldung ist dazu der erste Schritt.

Zentrale Rolle der Ärzte

Durch eine Anamnese, bei der auch abgefragt wird, mit welchen Stoffen die Patientin bzw. der Patient am Arbeitsplatz in Kontakt gekommen ist, lässt sich ein eventueller Zusammenhang zwischen der Krebserkrankung und dem Beruf herstellen. Dabei sind auch früher ausgeübte Tätigkeiten in Betracht zu ziehen, denn nur bei wenigen Stoffen wie Benzol tritt Krebs sehr schnell auf, bei den meisten sind die Latenzzeiten sehr lang. Bei Asbest liegen diese bei 40 Jahren oder mehr. Sollte der begründete Verdacht bestehen, dass eine Krebserkrankung durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden ist, muss die behandelnde Ärztin bzw. der Arzt die Erkrankung innerhalb von fünf Tagen an die AUVA bzw. an den zuständigen Unfallversicherungsträger melden. Die gesetzliche Grundlage dafür bildet § 363 des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG).

Meldung ist 1. Schritt

Nur wenn der Verdacht auf Berufskrankheit gemeldet wird, besteht die Möglichkeit, dass diese anerkannt wird. Die Meldung ist daher die Voraussetzung, aber keine Garantie dafür, dass eine Krebserkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird. Die Bedingungen für die Anerkennung als Berufskrankheit hat der Gesetzgeber in § 177 ASVG geregelt. In Anlage 1 sind die Erkrankungen aufgelistet, die zum Teil nur in bestimmten, zum Teil in allen Branchen als Berufskrankheiten gelten. Auch Erkrankungen, die nicht in dieser Berufskrankheitenliste angeführt sind, können über die sogenannte „Generalklausel“ (§ 177 Abs 2 ASVG) anerkannt werden.

Liste der Berufskrankheiten

Der Gesetzgeber regelt, welche Erkrankungen als Berufskrankheiten gelten, diese sind in der österreichischen Liste der Berufskrankheiten nachzulesen. Aktuell gelten 53 Krankheiten als Berufskrankheiten. Darüber hinaus kann durch die „Generalklausel“ jede Krebserkrankung als Berufskrankheit anerkannt werden, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Es gibt gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zur krebserzeugenden Wirkung des Stoffes oder der Strahlung.
  2. Es wird festgestellt, dass die Krankheit ausschließlich oder überwiegend durch die Verwendung schädigender Stoffe oder Strahlen am Arbeitsplatz entstanden ist.
  3. Der zuständige Minister stimmt zu.

Eine Rentenleistung wird bei Anerkennungen nach § 177 Abs 2 ASVG jedoch erst ab einer 50-prozentigen Minderung der Erwerbsfähigkeit gewährt.

Berufskrankheit vs. arbeitsassoziierte Krankheit

Patientinnen und Patienten sind immer wieder enttäuscht, wenn ihre gemeldete Erkrankung nicht als Berufskrankheit anerkannt wird, obwohl sie am Arbeitsplatz mit gefährlichen Stoffen in Kontakt kommen. Doch Berufskrankheiten sind nur ein kleiner Teil der arbeitsassoziierten Erkrankungen. Grund dafür ist, dass die Berufskrankheiten-Liste nicht alle mit dem Beruf in Zusammenhang stehenden Erkrankungen umfasst. Für die Aufnahme in die Liste muss das relative Risiko einer Erkrankung doppelt so hoch sein wie in der Allgemeinbevölkerung. Bei häufigen Krebserkrankungen wie Lungenkrebs ist die Abgrenzung zu den beruflichen Risiken und die Entscheidung über eine Aufnahme in die Berufskrankheiten-Liste oft schwierig. Umfassende wissenschaftliche Prüfungen mit Bewertung entsprechender epidemiologischer Studien sind erforderlich. Die Berufskrankheiten-Liste kann durch Novellen an die jeweiligen neuen medizinischen Erkenntnisse angepasst werden.

Weg zur Anerkennung

Nach der Meldung des Verdachts auf eine Berufskrankheit wird ein Feststellungsverfahren eingeleitet. Die Unfallversicherungsanstalt holt dazu medizinische Befunde ein und veranlasst notwendige Untersuchungen. Falls erforderlich, erhebt der Unfallverhütungsdienst die tatsächliche Exposition, die im Rahmen der versicherten Tätigkeit stattgefunden hat. Abschließend wird ein medizinisches Gutachten erstellt und geprüft. Auf dieser Grundlage und auf Basis des Gesetzes entscheidet die Unfallversicherung über die Anerkennung als Berufskrankheit. Bei einem positiven Bescheid gibt es Unterstützungsleistungen, etwa eine Versehrtenrente (ab einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von 20 %). Bei einer hundertprozentigen Minderung der Erwerbsfähigkeit kann es sich dabei um recht hohe Beträge handeln, die den Betroffenen in dieser schwierigen Situation zumindest in finanzieller Hinsicht das Leben erleichtern. Dazu kommen Angebote der medizinischen Rehabilitation, z. B. an der Abteilung für Berufskrankheiten der Rehabilitationsklinik der AUVA in Tobelbad, und Maßnahmen der sozialen Rehabilitation wie etwa ein behindertengerechter Umbau der Wohnung.

​​​​​​​AUVA-Kampagne „Gib Acht, Krebsgefahr!“

Arbeitsbedingte Krebserkrankungen sind das Thema des aktuellen Präventionsschwerpunkts „Gib Acht, Krebsgefahr!“ der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Dieser knüpft an die Kampagne zu gefährlichen Arbeitsstoffen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz an. Neben dem vordringlichen Ziel, zukünftige Erkrankungen zu verhindern, ist es der AUVA ein Anliegen, den von Berufskrankheiten bereits Betroffenen die bestmögliche Hilfestellung zu bieten. Ärztinnen und Ärzte spielen dabei durch die Meldung an die AUVA bei Verdacht auf Berufskrankheit eine zentrale Rolle.

Informationen zur Kampagne unter www.auva.at/krebsgefahr

Informationen zur Berufskrankheiten-Liste und zur Meldung unter www.auva.at/bk-meldung

​​​​​​​

Neue App: SpringerMed Fortbildung

Jetzt per App am Handy oder Tablet DFP-Fortbildungen absolvieren.
DFP-Punkte in 8 Fachbereichen sammeln, keine neue Registrierung nötig!

Bildnachweise