Allergien ändern dich
- 24.03.2026
- Allergologie
- Zeitungsartikel
15 Jahre vergehen oft zwischen den ersten Allergie-Symptomen bis zur Einleitung einer zielgerichteten Therapie.
Kind mit Allergiesymptomen. Leistungsfähigkeit und Konzentration sind beeinträchtigt. ALK (Symbolbild mit Fotomodellen)
ALK
Chronische Kreuzschmerzen, Bluthochdruck und Allergien, mit Ausnahme des allergischen Asthmas, sind weit verbreitet. In Österreich leidet jeder Fünfte an allergischer Rhinitis, die durch Blütenstaub von Pflanzen ausgelöst wird. Das betrifft etwa 1,5 bis 2 Millionen Menschen. Damit gehört die Pollenallergie zu den häufigsten chronischen Leiden.
Priv.-Doz. Dr. Petra Ziegelmayer, niedergelassene Allergologin und Fachärztin für HNO, berichtet von einer Zunahme der Pollenallergien und einer spürbaren Veränderung der Belastungssituation. Sie warnt davor, Heuschnupfen zu unterschätzen. Viele Betroffene betrachten ihn als lästig, aber harmlos, und verzichten auf eine ärztliche Abklärung. Dies ist ein Fehler, da allergischer Schnupfen ein wichtiger Wegbereiter für allergisches Asthma sein kann. Die frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie seien daher entscheidend.
Vor 100 Jahren kannte man Heuschnupfen in Österreich und der Schweiz kaum. Heute leidet etwa jede fünfte Person darunter. Die Schweizer Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) teilte mit, dass der Klimawandel viele allergieauslösende Pflanzen dazu bringt, ihre Pollen früher und intensiver freizusetzen. Zudem fördert er die Ausbreitung invasiver, stark allergener Pflanzen wie Ambrosia. Auch die Luftverschmutzung könnte zur Zunahme von Heuschnupfen beitragen. Gestresste Pflanzen in verschmutzter Luft scheinen laut Forschern Pollen zu produzieren, die stärker wirken.
Ziegelmayer leitet das postgraduale Studienprogramm „Klinische Immunologie und Allergologie“ an der Karl-Landsteiner-Universität in Krems. Hierzulande erhalten 9 von 10 Allergikern nicht die nötige Versorgung. Dabei existieren wirksame Medikamente und die Möglichkeit einer allergenspezifischen Immuntherapie, die sowohl Symptome als auch Ursachen einer Allergie bekämpfen kann. „Erst bei unerträglichen Beschwerden suchen die meisten einen Arzt auf.“
Oft vergehen 15 Jahre von den ersten Symptomen bis zum Beginn einer gezielten Therapie.“
Risiko für schlechte Noten steigt
Allergien beeinträchtigen das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Konzentration. Kinder mit unzureichend behandelter Allergie haben ein höheres Risiko für schlechtere Noten und längere Reaktionszeiten bei Tests. Sie machen auch mehr Fehler. Eine allergische Erkrankung kann sich von den oberen in die unteren Atemwege ausweiten und Asthma auslösen.
Die unzureichende Behandlung einer Allergie hat ökonomische Folgen. Verminderte Produktivität und Arbeitsausfälle verursachen pro Patient und Jahr vermeidbare, indirekte Kosten von mehr als 2.400 Euro.
Vorarlberg ist nicht Burgenland
Das Klima beeinflusst die Gesundheit der Menschen maßgeblich. In Österreich gibt es drei unterschiedliche Klimazonen mit jeweils eigener Vegetation. Daher variiert der Pollenflug und die Belastung unterscheidet sich je nach Region. Was in Vorarlberg gilt, trifft nicht unbedingt auf das Burgenland zu. Der Pollenflug unterscheidet sich nicht nur im Zeitpunkt, sondern auch in Intensität, Dauer und in den jeweils dominierenden Pflanzenarten. Das erklärt Dr. Markus Berger, Leiter des Österreichischen Polleninformationsdienstes (ÖPID).
Und wie geht’s weiter?
Platane, Buche und Eiche sorgen für eine Übergangsbelastung von Mitte April bis Mitte Mai. Die Gräserblüte beginnt in der Regel Anfang Mai. Im Spätsommer führt die Schilfblüte rund um den Neusiedler See und in den Seenregionen Kärntens zu Belastungen. Beifuß erreicht meist Mitte August seinen Höhepunkt. Der Einjährige Beifuß ( Artemisia annua ) verursacht im Spätherbst Belastungen. Das Unkraut Ragweed sorgt von August bis Oktober für Belastungen.
Etwa 50 Prozent der Pollenallergiker reagieren auf Gräser, mehr als 40 Prozent reagieren auf die Birke.
Woher stammt das Wissen?
Der Österreichische Polleninformationsdienst erfasst, analysiert und teilt seit fast 50 Jahren Daten zur Pollenbelastung. „Unser Messnetz umfasst 25 Pollenfallen in allen Bundesländern“, erläutert HNO-Arzt und ÖPID-Leiter Markus Berger. Wer schnell und unkompliziert Informationen zu seiner Allergie sucht, nutzt das „Pollinar“, ein neues Online-Format in Zusammenarbeit mit IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung), das Berger nachdrücklich empfiehlt. In kompakten Vorträgen in leicht verständlicher Sprache erfahren die Teilnehmer alles Wichtige über allergieauslösende Pflanzen, den bevorstehenden Pollenflug, die Behandlung von Allergien und Vorsorgemaßnahmen. Der erste Termin ist am 15. April 2026 (Thema: Gräserpollenallergie).
Infos zum Pollinar finden Sie online auf www.polleninformation.at sowie unter www.allergenvermeidung.org
Pollee
Weitere Informationen:
www.allergenvermeidung.org/ratgeber