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Ein Vierteljahrhundert Selbstverantwortung

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Die zentrale Einrichtung für ärztliche Aus- und Fortbildung feierte vor Kurzem ihren 25. Geburtstag.

Geschäftsführer Günther Ochs, ÄK-Präsident Johannes Steinhart und Akademie-Präsident Peter Niedermoser (v.li.) legten beeindruckende Zahlen vor.


„Dieses Jubiläum ist für uns ein sehr wichtiger und auch sehr freudiger Moment“, sagte Dr. Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). 25 Jahre ist es her, dass die Standesvertretung der österreichischen Ärzteschaft die Akademie der Ärzte als zentrale Einrichtung für ärztliche Aus- und Fortbildung ins Leben gerufen hat. „Medizinisches Wissen hat eine hohe Dynamik und eine vergleichsweise geringe Halbwertszeit“, erläutert Dr. Peter Niedermoser, Präsident des Wissenschaftlichen Beirats der Akademie und Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich. Und weiter: „Fortbildung ist nicht nur Pflicht, sondern auch ärztliches Selbstverständnis und grundlegendes Berufsethos. Darin unterscheiden wir uns von so manchen Gesundheitsökonomen und Politikern.“

Die Säulen der Arbeit der Österreichischen Akademie der Ärzte sind das Diplom-Fortbildungsprogramm (DFP), die Arztprüfung, die Deutschprüfung für Ärzte mit nichtdeutscher Muttersprache und diverse Akademie-eigene Angebote. Die ÖÄK-Granden legten Zahlen vor: So wurden seit der Gründung der Akademie im Jahr 2000

- über 96.000 DFP-Diplome und mehr als 44.000 Weiterbildungsurkunden als Qualifikationsnachweise zur kontinuierlichen Fortbildung bzw. zur Vertiefung von medizinischen Themengebieten ausgestellt;

- mehr als 400.000 qualitätsgesicherte Fortbildungen im Rahmen des DFP zertifiziert (in den vergangenen Jahren durchschnittlich rund 30.000 pro Jahr);

- 19.100 Prüfungen „Arzt für Allgemeinmedizin“ und mehr als 23.500 Facharztprüfungen absolviert (in den vergangenen Jahren durchschnittlich rund 2.000 pro Jahr);

- 4.500 Sprachprüfungen (medizinisches Deutsch) abgelegt.


Dazu kommen über 150.000 Teilnehmer bei eigenen Fortbildungen (zuletzt rund 19.000 im Jahr 2024), zum Beispiel Lehrgänge in Sachen Notfallmedizin, Schulärzte oder Qualitätsmanagement in der Arztpraxis.

Das Österreichische Ärztegesetz sieht vor, dass sich Ärzte laufend medizinisch fortbilden müssen. Dafür wurde 1995 mit dem DFP ein einheitlicher Rahmen geschaffen. Im Jahr 2000 hat sich die ÖÄK entschieden, die Akademie der Ärzte zu gründen, um ihr diese Aufgabe zu übertragen. „Damit sollte die ärztliche Aus- und Fortbildung systematisch abgesichert und transparent gemacht werden“, erklärt Steinhart. 2014 folgte die Verpflichtung durch den Gesetzgeber, dass Ärzte alle fünf Jahre 250 Diplom-Fortbildungspunkte nachweisen müssen. Bei der heimischen Ärzteschaft kommt das Fortbildungsprogramm gut an. Eine Umfrage der ÖÄK zeigt, dass 91,2 Prozent der Ärzte mit der Qualität der Fortbildungen mit DFP-Siegel sehr bzw. eher zufrieden sind.

Am Herzen liegt Steinhart und Niedermoser, dass die ärztliche Aus- und Weiterbildung in ärztlicher Obhut ist, also in den Händen der Standesvertretung liegt, und nicht vom Staat organisiert wird. Das bestätigt auch die genannte Umfrage: Aktuell betrachten es 92,4 Prozent der Ärzte als wichtig, dass die Verwaltung des DFP von der Ärztekammer bzw. der Akademie der Ärzte vorgenommen wird. Übrigens gehört die ärztliche Aus- und Weiterbildung im gesamten deutschsprachigen Raum zum Aufgabenbereich der jeweiligen Standesvertretung.

Strenge DFP-Approbation

Um die Qualitätskriterien, vor allem die Unabhängigkeit der ärztlichen Fortbildung, zu garantieren, gelten innerhalb des DFP strenge Maßstäbe dafür, welche Organisationen als ärztliche Fortbildungsanbieter infrage kommen. Zugelassene DFP-Fortbildungsanbieter sind unter anderem wissenschaftliche Gesellschaften, medizinische Universitäten, Abteilungen und Institute von Krankenanstalten oder ärztliche Berufsverbände. Einzelpersonen oder Unternehmen, die Medizinprodukte, Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel herstellen oder vertreiben, sind nicht als Anbieter einer DFP-Fortbildung anerkannt. Im Rahmen der sogenannten DFP-Approbation wird begutachtet, ob eine Fortbildung den vorgeschriebenen Qualitätskriterien entspricht. Die Fortbildung muss unter anderem vorurteilsfrei, neutral und frei von wirtschaftlichen Interessen sein.

„Um bei Kooperation von ärztlichen Fortbildungsanbietern mit Sponsoren die Unabhängigkeit der Fortbildungsinhalte nicht zu gefährden, sind der Rahmen und die Grenzen der Zusammenarbeit dabei klar abgegrenzt“, fügt Niedermoser hinzu. In diesem Zusammenhang hat der ÖÄK-Vorstand 2022 das Positionspapier „Erfolgsfaktoren unabhängiger, DFP-approbierter Fortbildung für ÄrztInnen“ beschlossen, das gemeinsam mit der Pharmig, dem Interessenverband der Österreichische Pharmaindustrie, erstellt wurde.

Nach wie vor sind Präsenzfortbildungen das beliebteste Aus- und Fortbildungsformat. Der persönliche Kontakt und der fachliche Austausch unter Kollegen seien ein unschlagbarer Vorteil klassischer Präsenzveranstaltungen, weiß Niedermoser. Allerdings würden die digitalen Lernformen seit der COVID-19-Pandemie wesentlich intensiver genutzt. E-Learning, Webinare und Micro-Learning erfreuen sich vor allem in der jüngeren Kollegenschaft großer Beliebtheit. „Die Zukunft liegt sicherlich in der Digitalisierung und auch im Bereich der künstlichen Intelligenz“, ist der Beiratspräsident überzeugt.

Deutschprüfung immer wichtiger

Immer mehr Bedeutung bekommt die Sprachprüfung Deutsch. Diese Prüfung soll sicherstellen, dass Ärzte, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, über die notwendigen Sprachkenntnisse verfügen, damit eine reibungslose Verständigung mit Patienten, aber auch mit Kollegen möglich ist. Der positive Abschluss der Deutschprüfung ist Voraussetzung, um in Österreich in die Ärzteliste eingetragen zu werden. Der Nachweis über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache kann allerdings auch durch Abschluss eines deutschsprachigen Studiums, der deutschsprachigen Reifeprüfung oder durch eine mehrjährige, deutschsprachige Tätigkeit im Gesundheitswesen nachgewiesen werden. „Kommunikationsprobleme sind eine der häufigsten Fehlerquellen im Gesundheitswesen“, erläutert Steinhart. „Daher ist der Nachweis der Kenntnis der deutschen Sprache für das Gesundheitssystem elementar wichtig.“

380 Mediziner, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sind im Jahr 2024 zur Sprachprüfung Deutsch angetreten. 2025 traten allein bis August 383 an. Stark angestiegen ist auch die Durchfallquote: Obwohl der Gesetzgeber bei der letzten Gesetzesnovelle die Anforderung von C1 („kompetente Sprachkenntnisse“) auf B2 („obere Mittelstufe“) herabgesetzt hat, haben im Jahr 2025 bisher 41 Prozent der Kandidaten die Prüfung nicht geschafft. Im Jahr 2024 sind – ähnlich wie in den Jahren davor – nur 22 Prozent durchgefallen.

Zu den weiteren Aufgaben, für welche die vor 25 Jahren gegründete Akademie der Ärzte zuständig ist, zählen die Arztprüfungen und ÖÄK-Weiterbildungsurkunden. Diese Urkunden dokumentieren ärztliche Zusatzqualifikationen, etwa die beliebten ÖÄK-Diplome für Ernährungsmedizin, Geriatrie, Sportmedizin oder die PSY-Diplome (Psychosoziale Medizin, Psychosomatische Medizin, Psychotherapeutische Medizin). Die Arztprüfung, die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin oder der Absolvierung eines Sonderfaches, soll sicherstellen, dass die zukünftige Ärztin bzw. der zukünftige Arzt die erforderliche Kompetenz hat, um die alltäglichen beruflichen Erfordernisse zu bewältigen.


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Titel
Ein Vierteljahrhundert Selbstverantwortung
Schlagwort
Ärztekammer
Publikationsdatum
16.01.2026
Bildnachweise
Bild/© ÖÄK/Bernhard Noll