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01.04.2017 | originalarbeit | Ausgabe 5-6/2017 Open Access

Wiener Medizinische Wochenschrift 5-6/2017

Adolf Lorenz’ Entscheidung zum Medizinstudium

Zeitschrift:
Wiener Medizinische Wochenschrift > Ausgabe 5-6/2017
Autor:
Univ. Prof. Dr. Gerold Holzer

Jugendjahre

Adolf Lorenz wurde am 21. April 1854 in Weidenau in Schlesien als Sohn eines Sattlers geboren. Seine Mutter prägte ihm schon früh ein, dass er einen höheren Bildungsweg einschlagen müsste:
Auf alle Fälle zweifelte die junge Mutter keinen Augenblick daran, dass ihr Adolfla im Laufe der Zeit ein „großer Herr“ werden würde [1, S. 12].
Adolf Lorenz erzählt in seiner Autobiographie, seine Mutter habe ihm eingeprägt: Adolfla, „a großa Herre“ musste werden, a Doktor! [2, S. 59]
Dieses zweite Zitat wurde dem Kind zur fixen Vorstellung und auf die Frage nach seinem Berufswunsch antwortete er stets mit dieser stereotypen Phrase [1, 2].
Ein Onkel mütterlicherseits, Pater Gregor Ehrlich, Verwalter der Stiftsgüter im Benediktinerkloster St. Paul im Lavanttal (Kärnten), hatte seiner Schwester (Adolfs Mutter) als Hochzeitsgeschenk versprochen, für den erstgeborenen Sohn im Untergymnasium des Stifts einen Freiplatz als Sängerknaben zu besorgen. 1866 trat er in die erste Klasse des Stiftsgymnasiums ein und blieb dort 4 Jahre. Weil es in St. Paul keine Oberstufe gab, trat er 1870 in das kaiserlich-königliche (k.k.) Staatsgymnasium der Landeshauptstadt Klagenfurt ein.
Als armer Schüler hatte er es nötig, nebenbei durch Nachhilfeunterricht bzw. als Hauslehrer Geld zu verdienen. Während des bereits begonnenen letzten Schuljahrs musste er seine Hauslehrerstelle wegen Differenzen mit den Eltern seines Schülers aufgeben, konnte aber keine andere Anstellung mehr finden. Für den entfernten Verwandten eines Mitschülers, der mit seiner Familie in Siebenbürgen lebte, wurde ein Hauslehrer gesucht und in Adolf Lorenz gefunden.
So übersiedelte er im Dezember 1873 auf das Gut der Familie von Rosthorn nach Gurahoncz. Wie sich später zeigte, und Lorenz war sich dessen wohl auch selbst bewusst [1, S. 142], war diese Übersiedlung möglicherweise eine entscheidende Komplikation für seine weitere Karriere. Er verblieb dort 8 Monate, wobei er seinen (Mit‑)Schüler Arthur für die Aufnahme ins Gymnasium und gleichzeitig sich selbst für die Matura vorbereitete. Im August 1874 kehrte er nach Klagenfurt zurück, um als Externist die Maturitätsprüfungen abzulegen, die er mit Auszeichnung bestand [3].

Persönliche Motive in der Studien- und Berufswahl von Medizinern

In Medizinerbiographien findet sich meist eine sehr stereotype Form der Darstellung der Studien- und Berufsmotivation, die wenig über die tatsächlichen Entscheidungsprozesse und die wirklich persönlichen Präferenzen und Motive Auskunft gibt. Die Argumente folgen in der Regel bestimmten sozialen Erwartungen, d. h., man schreibt, was gehört werden will bzw. was in einer bestimmten Zeit, einer bestimmten sozialen Schicht, einem bestimmten Beruf gesagt werden soll. Dabei handelt es sich keineswegs um bewusste Lügen oder Schönfärberei.
Sondern es geschieht, weil der eigene Blick auf den Entscheidungsprozess durch viele Interpretationsmuster beeinflusst und gefiltert wurde, sodass ein distanzierter Standpunkt zur eigenen Opportunitätsstruktur, dem sozialen Druck, den Zufällen des Lebens und (natürlich) „unbewussten“ Beweggründen fehlt. Stattdessen erfolgt die Darstellung der Berufswahlentscheidung nach dem Ideal des autonomen (meist bürgerlichen) Individuums, das seine Entscheidungen entsprechend der eigenen, wohlentwickelten und an den Prinzipien des „Guten, Richtigen und Schönen“ orientierten Werthaltungen trifft. Die Soziologie der Studien- und Berufswahl wertet daher Selbstaussagen über Motive in aller Regel als subjektive Begründungen und nicht als besonders verlässliche Quellen über entscheidende Kausalfaktoren.1
Die Entscheidung zum Medizinstudium lässt sich im Wesentlichen anhand folgender Fragen analysieren: (1) Welche Motive nennen die Anfänger für ihre Studienentscheidung bzw. welche Kriterien legen sie an? (2) Ist die Entscheidung für Medizin eine Wahl zwischen Alternativen? (3) Handelt es sich bei der Studienwahl um einen Prozess oder um eine punktuelle Entscheidung? (4) Ist die Entscheidung für Medizin eine einsame oder spielen Interaktionspartner (Bezugspersonen) eine Rolle? [4, S. 104–113]. In dieser Arbeit soll nun der Versuch unternommen werden, die Entscheidung von Adolf Lorenz nach diesem Modell systematisch zu analysieren.

Selbstaussagen über Motive der Studienentscheidung

Lorenz macht in seiner Autobiographie keine Angaben über seine Motivation, Medizin zu studieren. Aber es findet sich dort eine Reihe von Anekdoten, die mit Krankheit und Heilung zu tun haben und immer wieder Hinweise auf den Arztberuf:
Als er einmal eine totgeglaubte Katze begraben hat, sagte die Großmutter: „Das wird ein schöner Doktor werden, der seine Patienten bei lebendigem Leib begräbt?“ [1, S. 17].
Ein anderes Mal gerät eine Zigeunerin ins Elternhaus und erleidet einen epileptischen Anfall. Die Großmutter: „Nu, Adolfla, mecht’s du ein Doktor wer’n?“ Adolf: „s’müsst nie gerade ein Doktor für die hinfallende Krankheit sein.“ [7, S. 42].
Die persönliche Motivation für seine Berufswahl verschweigt er aber. Er schildert seinen Weg, lässt die Begründung, weshalb er ihn einschlägt aber aus.2
Abseits von persönlichen Motiven können Mediziner beziehungsweise schwere Erkrankungen in der näheren Umgebung subjektive Begründungen bilden. Eine eigene schwere Erkrankung3 [1, S. 25] fällt als Motiv ebenso aus wie die schwere Typhuserkrankung des Vaters [1, S. 38], als Adolf gerade 7 Jahre alt war. Er erwähnt sie, ohne näher darauf einzugehen.
Ja, wenn ich einen solchen Doktor habe wie Adolfla, werde ich sicher gesund [1, S. 38].
Der einzige Humanmediziner in der näheren Verwandtschaft war sein Onkel Eduard, bei dem er auf seiner Reise nach Kärnten einen Sommer verbrachte. Dieser wollte Adolf jedoch eher von seinem Vorhaben abbringen:
Onkel Eduard machte kein Hehl daraus, dass es Unsinn war, seinen Neffen auf das Gymnasium zu schicken [1, S. 57].
Kontakte zum medizinischen Milieu und Zugang zu relevanten Informationen sowohl über das Medizinstudium als auch über den Arztberuf schien er spätestens in Gurahoncz erhalten zu haben [4, S. 15].

Welche Alternativen zum Medizinstudium hat Lorenz erwogen?

Bis zur endgültigen Entscheidung, sich schließlich doch dem Medizinstudium zuzuwenden, gab es für Adolf Lorenz während der Gymnasialzeit zwei zusätzliche Optionen: Mönch oder Gymnasiallehrer. Mit der Aufnahme ins Stiftsgymnasium St. Paul zeichnete sich die Möglichkeit des Eintritts in den Orden ab. Lorenz pflegte häufige Kontakte mit den Novizen, und zur Probe trug er gerne die Ordenstracht.
Nur noch 4 Jahre, und er würde dieses Kleid mit Recht tragen dürfen. Dieser Gedanke wäre sicher zur Wirklichkeit geworden, hätte das Stift schon zu dieser Zeit ein Obergymnasium besessen, das erst einige Jahrzehnte später errichtet wurde. Dann wäre ein absolvierter Maturant sofort ins Noviziat eingetreten und sein Lebenskampf wäre damit zu Ende gewesen. Er brauchte ja nur auf Onkel Gregor zu sehen, welcher als Verwalter der großen Güter des Stifts ein behagliches Leben führte [1, S. 73].
Sogar als er schon in Wien war und wieder einmal in finanziellen Nöten steckte, überlegte er, nach St. Paul zurückzukommen.
Es bleibt mir augenblicklich nichts anders übrig, als entweder Dienstmann zu werden oder nach St. Paul zu gehen, um ins Kloster einzutreten. Einmal war dies mein heißer Wunsch, aber ich bin während der letzten 4 Jahre anderen Sinnes geworden; ich würde gewiss ein schlechter Mönch werden [1, S. 87].
Onkel Gregor hatte die Aufnahme ins Gymnasium vermittelt. Ob der spätere Abt dem Knaben den Zugang zu höheren Studien ebnen wollte (was nach dem guten Verhältnis, das beide zueinander hatten, eher wahrscheinlich ist) oder ob er seinem Orden Nachwuchs bescheren wollte, lässt sich nicht klären. Zu jener Zeit war nämlich die Rekrutierung des Nachwuchses, noch dazu wo St. Paul nicht nur das eigene, sondern auch das Gymnasium in Klagenfurt, mit Lehrkräften auszustatten hatte, eine für die Schule und das Stift existenzielle [5, S. 6].
Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts übte die Theologie starke Anziehungskraft auf die Berufswahl der österreichischen Maturanten aus. Dieser Trend verschob sich. Von den 347 österreichischen Gymnasiasten, die 1871 eine Hochschulberechtigung erlangten, wählten lediglich 79 Theologie, 134 Jurisprudenz, 48 Medizin, 58 Disziplinen der philosophischen Fakultät und die restlichen 28 entschlossen sich zu anderen Berufen oder gaben keinen bestimmten Berufswunsch an [6, S. 169].
Schon früh war Lorenz, ein armer Freiplätzler, gezwungen, Unterricht zu geben, um Geld zu verdienen. Durch seine Erfahrungen im Erteilen von Nachhilfeunterricht und als Hauslehrer schien er für die Laufbahn eines Gymnasiallehrers prädestiniert. Sowohl Mutter als auch Sohn Rosthorn [7, S. 1–28] äußerten sich sehr lobend über den Lehrer. Und schließlich rieten ihm sogar seine eigenen Gymnasiallehrer zum Studium der Philosophie [1, S. 85].
Wie weit diese beiden Berufe für ihn als wirkliche Alternativen in Frage gekommen wären, lässt sich nicht mehr nachverfolgen. Allerdings wäre aufgrund seiner Biographie keiner davon eine Überraschung gewesen.

Studienwahl − Prozess oder punktuelle Entscheidung?

Die Berufswahltheorie ging ursprünglich davon aus, dass die Berufswahl eines jeden Individuums in einem Punkt lokalisiert werden könne, gewöhnlich dem Abschluss der obligatorischen Schulpflicht. Das Entwicklungsmodell dagegen betont die zeitliche Ausdehnung des Wahlprozesses, der im Rahmen der allgemeinen Persönlichkeitsentwicklung in Kindheit und Jugend abläuft [8, S. 14]. Da bei Lorenz der Wunsch, Arzt zu werden, schon frühzeitig geweckt wurde, die Entscheidung aber erst nach Abschluss der Gymnasialzeit fiel, handelte es sich hier um ein prozessuales Geschehen über mehrere Jahre.

Welche Bezugspersonen haben in welcher Weise Einfluss genommen?

Bezugspersonen sind in mehrerlei Weise wichtig: Sie sind relevante Andere, an denen man sich orientiert und deren Erwartungen man versucht, gerecht zu werden. Aber sie sind auch wichtig, weil sie über verschiedene Kapitalien im Sinne des französischen Soziologen Pierre Bourdieu verfügen, z. B. über Wissen und Information über Möglichkeiten, über sozialen Zugang, über Beziehungen, also soziales Kapital [9, S. 7–46].
Bekanntlich hatte Lorenz’ Mutter ihm schon früh eingeprägt, ein „großer Herr“ werden zu müssen. Dass damit die Medizin gemeint war, zeigen die anekdotenhaften Hinweise auf den Arztberuf im Verlauf der Autobiographie. Über die frühkindliche Prägung hinaus dürfte der Einfluss der Mutter allerdings nicht gereicht haben, da man später überhaupt Hinweise auf die Mutter vermisst. (Vom Vater hingegen hört man allerdings noch mehrmals). Es ist bekannt, dass Mütter im Hinblick auf das Berufsziel der Kinder, vor allem im nichtmedizinischen Milieu, besonders ehrgeizig sind. Dafür sind wohl extrinsische Gratifikationen (Wohlstand, Ansehen, Erfolg, Unabhängigkeit) verantwortlich. (Motto: Unseren Kindern soll es einmal besser gehen als uns.) [10, S. 121].
Von den Gymnasialprofessoren kommen vor allem zwei für die Berufsentscheidung in Frage. Der Direktor des Gymnasiums (bis 1873), Dr. Johann Ritter von Burger, war Arzt. Neben seiner Tätigkeit als Professor für Landwirtschaft und Naturgeschichte und Politiker (er war längere Zeit Landeshauptmannstellvertreter) blieb er aber auch weiterhin ärztlich tätig und übernahm einmal wegen Mangel an Militärärzten freiwillig das Klagenfurter Militärspital [11].
Ein weiterer Lehrer, der möglicherweise eine Rolle bei Lorenz’ Berufsentscheidungsprozess gespielt haben könnte, war der Theologe Pater Dr. Bruno Scheitz, der sich u. a. wissenschaftlich mit Darwin beschäftigte und 1871 eine Arbeit „Zur psychologischen Würdigung der Darwin’schen Descendenztheorie“ publizierte [12].
Schließlich gab es noch die über die Hauslehrerstelle zustande gekommene Bekanntschaft mit der Familie von Rosthorn, namentlich Josefine von Rosthorn, die schließlich die Entscheidung wesentlich mitbeeinflusst hat. Die Zeit im Haus Rosthorn erscheint besonders bedeutsam, weil sich dort eine Fülle von Kontakten mit Fragen von Krankheit und Gesundheit ergeben haben und auch Beziehungen zu potenziellen Förderern an der Medizinischen Fakultät vorbereitet wurden.
1.
Die Familie von Rosthorn war besonders sozial eingestellt. Als beispielhaft werden Arbeiterwohn- und Werkskrankenhäuser in den Eisenwerken der „Gebrüder Rosthorn“ in Niederösterreich und Kärnten angeführt [13]. Josef von Rosthorn, Josefines Gatte, war die Unfallverhütung ein persönliches Anliegen. Er inspizierte die Fabriken, um nach Unfallquellen zu fahnden, und entwickelte Vorrichtungen zum Schutz für die Arbeiter. Später wurde er der erste Gewerbeinspektor von Kärnten, also für die Sicherheit in Betrieben landesweit zuständig (heute Arbeitsinspektorat), und organisierte 1885 die erste österreichische soziale Arbeitssicherheitsausstellung („Ausstellung für Schutzeinrichtungen“) [14].
 
2.
Auf dem Gut in Siebenbürgen bestand eine Tradition der Pflege Erkrankter aus der Umgebung. Josefines jüngste Tochter Helene schreibt darüber in autobiographischen Notizen: „Die Mutter war überall vergöttert wie eine Königin. Mit all ihren Sorgen und Beschwerden kamen die Leute zu ihr. Sie war weit und breit die Helferin in jeder Not. Oft war sie umgeben von Seuche und Krankheit aller Art. Cholera und Blattern waren fast ständige Gäste in diesem Lande. Mutter kannte keine Furcht. Sie holte sich stets Rat bei ihren ärztlichen Freunden in Wien und half sich überall durch, so gut sie konnte. Nicht selten lagen Schwerkranke auf unseren Hausgängen, wo Mutter sie mit den Dienstleuten pflegte, bis sie wieder heim konnten. Im Hause hatten wir stets eine reichhaltige Apotheke, aber wenn es zum Schlucken eines Medikamentes kam, da wollten die Kranken erst immer vorgekostet bekommen. Die arme Mutter hatte immer große Mühe, die Kranken zu überreden, dass für Gesunde ein Medikament nicht taugen kann, was für Kranke notwendig ist“ [15]. Dort war also Lorenz mit Kranken in Kontakt gekommen.
 
3.
Josefine von Rosthorn hatte Kontakte zu Professoren der Medizinischen Fakultät in Wien. Der ehemalige Vorstand der 1. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien und Vorgänger Billroths, Professor Franz Schuh (1804–1865), war mit ihr verschwägert. Da Adolf Lorenz in seiner Biographie auch Franz Schuh als Verwandten Frau von Rosthorns erwähnt, dürfte sie ihm während seines Aufenthalts in Gurahoncz vom ihm erzählt haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich Schuh, obwohl Chirurg, bereits mit orthopädischen Erkrankungen wie dem Klumpfuß, dem Pes valgus, dem Genu valgum, Hydrops genu, Schlotterknie, mit Kontrakturen und offenen Knochenbrüchen, also orthopädischen Problemen, befasste [16, S. 6]. Persönlich hatte Lorenz Professor Schuh allerdings nie kennengelernt, da er schon 8 Jahre vor seinem Eintreffen in Gurahoncz verstorben war.
 
Josefine von Rosthorn, die ihre Jugend zum Teil in Budapest verbrachte, kannte aus seiner Zeit dort als Professor der Zoologie auch Karl Langer (1819–1887). Langer übernahm 1874 als Nachfolger Hyrtl die anatomische Lehrkanzel der Wiener Universität. Lorenz, der in diesem Jahr mit dem Studium begann, erhielt von Frau von Rosthorn ein Empfehlungsschreiben für den Professor der Anatomie [1, S. 86].
Um die Bedeutung des Einflusses der Familie von Rosthorn richtig einschätzen zu können, muss man die damaligen Verhältnisse an den Universitäten, und speziell den medizinischen Fakultäten, kennen. Sie waren im ausgehenden 19. Jahrhundert geprägt durch Filiismus, Nepotismus und Socerismus. Das Cliquenwesen spielte überall eine Rolle [17, S. 7].
Soziologische Studien über die Herkunft und den Beruf des Vaters von Medizinstudenten an der Wiener Universität bestätigen eindrucksvoll diese Beschreibung. Für Söhne, die aus kleinbürgerlichen Verhältnissen abstammten, blieb die Universität, das Medizinstudium und vor allem die Karriere an der Medizinischen Fakultät meist unerfüllter Wunsch, noch dazu, wenn man aus einem der Kronländer fern von Wien stammte [18, 19].
In dieser Situation ist die Berufsentscheidung Adolf Lorenz’ erst richtig plausibel. Er selbst schreibt „ …, beschloss ich doch das Studium der Medizin zu wählen. In meiner Wahl war ich sehr beeinflusst durch Frau v. R.“ [9].

Schluss

In dieser Arbeit wird unter Verwendung von zum Teil bisher unveröffentlichten Darstellungen versucht, die Jugend- und Gymnasialjahre von Adolf Lorenz nachzuzeichnen und die Berufswahl zu rekonstruieren: Der Wunsch, Arzt zu werden, begleitete das Kind und den Jugendlichen von dem Zeitpunkt an, wo ihm seine Mutter „den Floh (a großer Herre) ins Ohr gesetzt hatte“. Er hatte immer wieder Kontakt mit Ärzten (übrigens war sein anderer Onkel Eduard auch einer), das naturwissenschaftliche Interesse wurde in ihm einerseits durch die Schulzeit in St. Paul, später durch fortschrittliche Lehrer wie Bruno Scheitz geweckt; das Gut in Gurahoncz verwandelte sich zeitweise in eine Hospital, wo er Kontakt zu Kranken erhielt.
Dies waren eigentlich schon Gründe genug, um in einem jungen Mann die Entscheidung reifen zu lassen. Als nun Frau von Rosthorn ihre Unterstützung in Form von Kontakten zur Wiener Fakultät offerierte, waren wohl die letzten Hindernisse ausgeräumt.

Danksagung

Stellvertretend für die große Anzahl von Personen, die bei der Erstellung dieser Arbeit hilfreich und unterstützend waren, möchte sich der Autor bei Frau M. Bacon (†), Berkeley, CA, USA und den Herren Univ. Prof. Dr. R. Kotz, Univ. Doz. Dr. M. Skopec und Univ. Prof. Dr. M. Hubenstorf recht herzlich bedanken.
Open access funding provided by Medical University of Vienna.

Interessenkonflikt

G. Holzer gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (http://​creativecommons.​org/​licenses/​by/​4.​0/​deed.​de) veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden.
Fußnoten
1
Persönliche Mitteilung Dr. Karl Krajic, Institut für Soziologie, Universität Wien.
 
2
Die publizierte Autobiographie könnte möglicherweise vor allem die Jugendzeit betreffend vom Lektorat gekürzt worden sein, da ein unveröffentlichter Teil der Kindheits- und frühen Jugendjahre vorliegt. Ein möglicher weiterer unveröffentlichter Teil die Gymnasialjahre betreffend könnte verschwunden sein. Oder die Begründung war ihm nicht wichtig genug oder zu offensichtlich.
 
3
„Er erinnert sich an keine schwere Erkrankung“ [1, S. 25].
 
Literatur
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