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Wissenschaft & Lehre 5. Juni 2008

Spielen für die Forschung

Seit ein paar Wochen können Liebhaber von Online-Games auf spielerische Art und Weise die Welt des Forschens ergründen –und nicht nur das: Hat ein Nutzer das Spiel gewonnen, so ist es ihm vielleicht gelungen, eine Substanz gegen HIV oder vielleicht Alzheimer zu entwickeln.

Wissenschaftler der Universität von Washington (www.washington.edu) haben das Computerspiel „Foldit“ entwickelt, das gleichzeitig für Forschungszwecke einen Nutzen bringen soll. Die Aufgabe des Spielers ist es, widerspenstige dreidimensionale Formen zusammenzufalten. Diese Strukturen sind aber in Wirklichkeit nichts anderes als Proteinstränge, deren Faltprozesse für die medizinische Forschung wichtige Erkenntnisse liefern können. Genau hier setzt Foldit an. In spielerischer Art und Weise sollen Nutzer durch das Falten dieser Strukturen die Wissenschaft in ihrer Arbeit unterstützen und helfen, diese Prozesse zu ergründen.

Schon viele neue Mitspieler

„Der Sieg in diesem Spiel könnte das Finden einer Heilung für Krankheiten wie HIV oder Alzheimer bedeuten“, erklärt David Baker, Professor für Biochemie am Institut für Computer Science and Engineering der Universität von Washington, gegenüber dem Fachmagazin IT Business. Wer bislang geglaubt habe, Computerspiele seien eine sinnlose Zeitverschwendung, werde durch Foldit eines Besseren belehrt. Gemeinsam mit seinen Forscherkollegen hofft der Wissenschaftler, dass sich so viele Nutzer wie möglich an dem Online-Spiel beteiligen werden. Bislang sehe es laut Baker allerdings sehr gut aus. „Seit dem offiziellen Start von Foldit haben wir im Schnitt alle 20 Sekunden einen neuen Mitspieler hinzugewonnen“, schildert Baker.

Spielspaß ist ausschlaggebend

Neben dem forscherischen Aspekt sei vor allem der von Foldit gebotene Spielspaß ausschlaggebend für das rege Interesse an dem Online-Game. Ein zusätzlicher Anreiz, der Nutzer zum Mitmachen bewegen soll, ergibt sich zudem aus der Funktionalität der Foldit-Webseite. Interessierte, die an dem Medizin-Spiel teilnehmen wollen, müssen sich dazu nämlich zuerst dort registrieren. Danach haben sie ähnlich wie bei einem Social Network die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen. Auf diese Weise können beispielsweise Teams gebildet werden, die gemeinsam versuchen, eine Lösung für ein bestimmtes Falt-Problem zu finden. „Die Reaktionen auf unser Spiel sind durchwegs positiv. Viele Menschen sind ganz aus dem Häuschen, dass es jetzt ein Spiel gibt, das Spaß macht und mit dem gleichzeitig der Menschheit geholfen werden kann“, betont Baker.
Hinter dem grundlegenden Konzept von Foldit verbirgt sich der Ansatz der sogenannten Massenkollaboration. Darunter versteht man eine Form der Zusammenarbeit, die es Menschen dank neuer Medientechnologien ermöglicht, über Landesgrenzen hinweg gemeinsam und selbstorganisiert an Projekten zu arbeiten. Ein Beispiel, das sich ähnlich wie Foldit mit Faltprozessen bei Proteinen beschäftigt, ist das „Folding@home-Projekt“. Mittels einer Client-Software, die zum Download zur Verfügung gestellt wird, können Menschen aus aller Welt mit ihren Rechnern dem Forschungsnetzwerk der Universität Stanford beitreten und so mithelfen, die Rechenleistung zu steigern.

Mehr zum Thema unter:
http://fold.it
http://folding.stanford.edu

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