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Buchcover: Positionierung der österreichischen Forschung in Weltraummedizin und Space Life Sciences
 
Wissenschaft & Lehre 6. November 2008

Weltraummedizin aus Österreich

Geld für Grundlagenforschung ist in Österreich generell rar. Doch die Ergebnisse der Weltraumforschung finden durchaus auch praktische Anwendungen.

Wo steht Österreich in der Erforschung der Weltraummedizin und welche Bedeutung haben die Ergebnisse für die medizinische Praxis? Anlässlich der Präsentation des Buches „Positionierung der österreichischen Forschung in Weltraummedizin und Space Life Sciences“ Ende September in Waidhofen an der Thaya sprach die Ärzte Woche mit einem der Autoren, Prof. DI Dr. Norbert Vana vom Atominstitut der Technischen Universität Wien.

Grundlage des präsentierten Buches ist eine Studie der Austrian Society for Aerospace Medicine/Life Sciences in Space (ASM), an der zahlreiche Wissenschaftler aus verschiedensten Fachgebieten mitarbeiteten. Und das, so Vana, ist eine der Stärken der Weltraummedizin in Österreich: „Der trans- und interdisziplinäre Ansatz, der bei uns forciert wird, ist international selten zu finden. Der Stand der österreichischen Forschung auf diesem Gebiet ist international sehr gut und anerkannt.“ Dazu trägt auch die enge Verknüpfung mit den Universitäten bei. „Die amerikanischen Kollegen beklagen, dass sie keinen Nachwuchs finden“, erklärt Vana, „wir haben aufgrund der Uni-Nähe aber keine Probleme.“

Weltraumforschung ist teuer und das Umfeld schwierig

Allerdings schafft diese Verbindung auch Probleme, denn die universitären Budgets sind beschränkt und Drittmittel nur schwer zu finden. Die Finanzierung der Forschung ist auch auf dem Gebiet der Weltraummedizin eines der großen Probleme. Nicht zuletzt, da immer wieder andere Ministerien zuständig sind. „Das hat sich mit der Gründung der Forschungsförderungsgesellschaft allerdings gebessert“, so Vana, „aber immer noch müssen die Mittel vom Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie regelmäßig abgefragt werden.“ Die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) fördert ausdrücklich nur „anwendungsorientierte und wirtschaftsnahe Forschung“. Grundlagenforschung wird hingegen vom Wissenschaftsministerium gefördert. In beiden Ministerien sehen sich die Forscher mit häufig wechselnden politischen Ansprechpartnern konfrontiert, die eine längerfristige Kalkulation erschweren.

Vor allem aber fehlt Vana eine Corporate Identity der österreichischen Weltraumforschung. „Wenn man heute jemanden auf der Straße fragt, wer in Österreich Weltraumforschung betreibt, wird man wohl ein Kopfschütteln ernten.“ Dies sei auch einer der Gründe für das Buch.

Immerhin zeitigt die Weltraummedizin durchaus terrestrisch brauchbare Ergebnisse. Da wäre etwa der Vibrationsschuh zu nennen, der spezielle mechanische Reize setzt und in Zukunft wohl bei Parkinson- und Wachkomapatienten eingesetzt werden kann, oder ein nicht-invasiver Test für Blasenkrebs sowie ein spezieller Ergometer. In Vanas Spezialgebiet, der Strahlenphysik, wird die Verteilung des Spektrums im menschlichen Körper anhand einer Matroschka-Puppe erforscht, einem in der Strahlenmedizin häufig verwendeten Phantom. Die Erkenntnisse werden in der Strahlentherapie eine Anwendung finden.

Auch für Laien

Das Buch richtet sich an alle an Weltraummedizin Interessierten und ist so formuliert, dass ein Laie den sehr spezifischen Ausführungen durchaus folgen kann. Informationen über Versuche und deren Ergebnisse in den Teilbereichen Biophysik, Biotechnologie, Strahlenphysik und -biologie, Physiologie (speziell Kreislauf und Atmung sowie Muskelphysiologie) und Raumfahrtneurologie werden durch Interviews mit weltweit führenden Weltraumforschern, einer politischen Diskussion aus dem Wissenschaftsministerium und einer sehr ausführlichen Literaturliste ergänzt. n

Von Livia Rohrmoser, Ärzte Woche

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