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© Grafik:B. Keppler
Wirkmechanismus von NKP-1339: Das Antikrebsmittel wird über Transferrin in die Tumorzelle eingeschleust.
© Barbara Mair

In jahrelanger Forschungsarbeit hat der Chemiker Prof. DDr. Bernhard Keppler von der Universität Wien den krebshemmenden Wirkstoff entwickelt.

 
Onkologie 5. September 2012

Neuer Wirkstoff im Kampf gegen Krebs

Wiener Chemiker schleust Krebsmittel über Transferrin in die Tumorzelle.

Ein Krebswirkstoff aus Österreich soll bösartige Tumoren in Schach halten: Der Wirkstoff NKP-1339 – ein kleines, an Transferrin bindendes Molekül – wurde von Prof. DDr. Bernhard Keppler, Dekan der Fakultät für Chemie der Universität Wien, im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit der Medizinischen Universität Wien entwickelt. Ein vielversprechender neuer Weg in der Krebstherapie, der auch schon erfolgreich an PatientInnen getestet wurde.

Der Dekan der Fakultät für Chemie und Leiter der Forschungsplattform „Translational Cancer Therapy Research“ an der Universität Wien beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Entwicklung von Tumortherapeutika. Vor kurzen wurden die ersten klinischen Studien (Phase I) an Patientinnen und Patienten mit metastasierten festen Tumoren abgeschlossen. Mit Erfolg: Das neue Medikament wirkt krebshemmend und ist außerdem gut verträglich. Bis jetzt gab es kaum „europäische“ antitumorale Wirkstoffe, die derart vielversprechende Ergebnisse zeigen.

Erfolgreich in die Zelle eingeschleust

NKP-1339 ist das erste Krebsmittel auf Rutheniumbasis: Der Wirkstoff wird über das Protein Transferrin – und zum Teil auch über Albumin – in die Tumorzelle eingeschleust. Im Tumor wird es aktiviert und bringt über den sogenannten „mitochondrialen pathway“ die Tumorzelle zum programmierten Zelltod (Apoptose). Parallel dazu wird das Protein GBR78 gehemmt, welches für die Korrektur missgestalteter Proteine und somit für die Resistenz zahlreicher Tumorarten verantwortlich ist. „Durch diesen Prozess reichern sich Abfallprodukte in der Tumorzelle an, die letztlich auch den Zelltod der Tumorzelle bewirken“, erklärt Keppler, der den Wirkstoff in Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Walter Berger am Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien entwickelt hat.

Der Weg zum Erfolg war ein langer

Die Anfänge der erfolgreichen Forschung liegen jedoch etwas weiter zurück: Bereits vor vielen Jahren hat Keppler an der Universität Heidelberg und anschließend am Deutschen Krebsforschungszentrum mit der Entwicklung des mittlerweile patentierten antitumoralen Wirkstoffs begonnen.

In Wien hat er seine Arbeit bis zum „proof of principle“ an Patienten und Patientinnen vorangetrieben, und vor Kurzem wurden die ersten Studienergebnisse bekannt gegeben: Bei den teilnehmenden Patientinnen und Patienten – die auf frühere Standardbehandlungen und neue experimentelle Therapien nicht mehr ausreichend reagiert haben – wurde eine krebshemmende Wirkung festgestellt.

Selektiver Angriff auf unterschiedliche Tumoren

„Die Ergebnisse der Studie stützen das, was bereits aus unseren vorklinischen Studien hervorgegangen ist: Das Medikament greift die Tumoren selektiv an und ist gegen verschiedene Tumore wirksam“, freut sich Keppler vom Institut für Anorganische Chemie. Jetzt beginnt die Phase II der klinischen Studien zum Medikament.

PA Uni Wien/IS, Ärzte Woche 36/2012

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