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© Jiri M./ panthermedia.net
Ohne BK-Kanal hört man zwar, kann aber Sprache trotzdem nicht verstehen.
 
Neurologie 23. August 2012

Laut, aber unverständlich

Am Ulmer Institut für Neurobiologie wurde die Funktion eines Ionenkanals in den Sinneszellen des Innenohrs von Mäusen untersucht: Offenbar ist der BK-Kanal für die Entschlüsselung von Sprache unverzichtbar.

 

Sinneszellen im Innenohr machen aus Schall elektrische Signale und führen so zur Ausschüttung von Botenstoffen. Diese werden mithilfe der Hörnervenfasern in Nervenimpulse umgewandelt und im Hirn weiterverarbeitet. Um elektrische Signale der Sinneszellen auszuformen, ist der Strom durch verschiedene Typen von Kalium-leitenden Ionenkanälen von Bedeutung.

In der aktuellen Studie wurde der BK-Kanal in den Haarsinneszellen von Mäusen ausgeschaltet. Die Tiere wurden nicht schwerhörig, konnten aber schnelle und zeitlich veränderliche Schallsignale nur sehr eingeschränkt verarbeiten. Solche Signale kommen sowohl in der Kommunikation von Mäusen als auch Menschen vor. Ist der BK-Kanal deaktiviert, verliert das Gehör seine Empfindlichkeit für zeitlich präzise Signale wie zum Beispiel Sprache. Außerdem leidet die Fähigkeit, solche Signale aus starken Hintergrundgeräuschen zu filtern bzw. abgestufte Lautstärken zu erkennen.

Noch ist nicht sicher, ob und wie sich diese Erkenntnisse auf Menschen übertragen lassen. Betroffene Personen würden z. B. weder Sprache verstehen noch die Komplexität von Musik erfassen. In jedem Fall tragen sie zu einem besseren Verständnis des Hörsystems bei und könnten helfen, Hörprothesen so zu verbessern, dass die Sprachwiedergabe verständlicher wird.

Kurt S et al.: FASEB 2012, doi: 10.1096/fj.11-200535

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