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© Vincenzo Bianco / panthermedia.net
Nicht nur Raucher, auch Schweißer oder Hochofenarbeiter könnten von einem Screening auf HSP27 profitieren.
 
Pulmologie 13. Juni 2012

Proteinmarker deckt Frühschäden bei Rauchern auf

Airtrapping und Emphyseme sind schon nachweisbar, wenn das Lungenvolumen noch normal ist.

An der Medizinischen Universität wurde ein neuer Biomarker entdeckt, der Lungenschäden in einem sehr frühen Stadium aufdecken kann. Auch mehr als die Hälfte der Raucher, die sich noch gesund fühlten, zeigte erhöhte Serumwerte dieses Proteins. In High Resolution Computertomographie bestätigten sich Lungenpathologien.

 

Neben Prävention ist die Früherkennung der COPD ein wichtiges Ziel der Gesundheitspolitik, um diese zur Volkskrankheit gewordene Erkrankung in Zukunft eindämmen zu können. Ein Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Hendrik Jan Ankersmit an der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien und dem Christian Doppler Labor für Diagnose und Regeneration von Herz- und Thoraxerkrankungen hat nun einen Proteinmarker im Blut entdeckt, der Lungenschädigungen bei beginnender COPD bereits nachweisen kann, bevor ein Lungenfunktionstest eine Abnahme des Lungenvolumens anzeigt .

Früherkennung bei normaler Lungenfunktion

Bisher war die Früherkennung von COPD und den damit verbundenen Lungenschädigungen wie Airtrapping (Luft, die aufgrund der Überblähung von Lungenbläschen nicht mehr ausgeatmet werden kann) oder Lungenemphysemen nicht möglich. Ankersmit und sein Team konnten nun zeigen, dass sich das Heat-Shock-Protein HSP 27 als Marker im Blut für bereits vorliegende Lungenschädigungen eignet – auch bei Menschen, die sich gesund fühlen und deren Lungenfunktionstests keinen Grund zur Beunruhigung darstellen (Ankersmit H et al.: Respiration 2012).

Schäden bei scheinbar Gesunden

94 vermeintlich gesunde und relativ junge Raucherinnen und Raucher (Durchschnittsalter 43 Jahre) wurden in einer von den Universitätskliniken für Chirurgie, Radiologie und Pulmologie der MedUni Wien durchgeführten Studie untersucht. Diese Probanden unterzogen sich freiwillig einer High Resolution Computertomographie. Das Ergebnis: Airtrapping oder Airtrapping plus Emphyseme wurden bei 57,45 Prozent der Untersuchten festgestellt, obwohl sie bei der zusätzlich durchgeführten Lungenfunktion normale Werte zeigten. Zudem korrelierte der HSP27-Wert signifikant mit den vom Radiologen in der Computertomographie festgestellten Lungenpathologien.

Ankersmit: „Ist der Marker HSP27 erhöht und liegt Risikoverhalten vor, zum Beispiel Rauchen, lässt das auf Lungenschädigungen bis hin zu einer beginnenden COPD schließen.“ Normalerweise wird COPD erst dann diagnostiziert, wenn die Patienten mit einer Umstellung ihrer Lebensweise (z.B. Rauchentwöhnung) nur noch begrenzt in den Krankheitsverlauf eingreifen können.

Screening für berufsbedingte Risikogruppen

Neben den Rauchern gibt es laut Ankersmit auch berufsspezifische Risikogruppen wie etwa Schweißer oder Hochofenarbeiter und andere, die in ihrer Berufsausübung Rauch und chemische Dämpfe einatmen. Ankersmits Vision besteht darin, dass der HSP27-Wert in Zukunft in der Gesundenuntersuchung beim praktischen Arzt oder Pulmologen als Screening-Marker für Lungenkrankheiten zur Anwendung kommt.

Auch bei Lungenkrebs erhöht

In einer weiteren rezenten Studie zeigte das Forscherteam, dass Patienten, die an Non small cell lung cancer (NSCLC) leiden, ebenfalls deutlich erhöhte HSP27-Werte aufweisen (Zimmermann M et al.: Clin Chim Acta 2012).

Statistisch signifikant waren außerdem die Unterschiede zwischen Patienten im frühen und fortgeschrittenen Stadium. Die Serumlevel von HSP27 könnten somit ein geeigneter Parameter sein, um zwischen frühen und fortgeschrittenen Stadien von NSCLC zu unterscheiden, meinen die Autoren.

COPD und Lungenkrebs sind verwandte Erkrankungen

Mit den Ergebnissen dieser beiden Studien wird außerdem eine wissenschaftliche Hypothese bestätigt: Dass der Marker HSP27 sowohl bei COPD als auch bei Lungenkrebs erhöht ist, spricht dafür, dass diese beiden Erkrankungen immunologisch verwandt sind.

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