zur Navigation zum Inhalt
 
Wissenschaft & Lehre 9. November 2011

Grazer Forscher finden Biomarker für Leberversagen

Mit dem Schweregrad der Erkrankung nimmt die irreversible Oxidation des Albumins zu.

Mit HNA2 könnte erstmals ein spezifischer Biomarker für Leberversagen zur Verfügung stehen, der auch prognostische Bedeutung hat: An der MedUni Graz konnte bei 29 zirrhotischen Patienten das 90-Tage-Überleben mit HNA2 besser vorhergesagt werden als mit dem MELD-Score, dem derzeitigen Standardparameter für die Kurzzeitprognose bei Leberversagen.

 

Wenn es bei einer zunächst stabilen chronischen Lebererkrankung durch eine zusätzliche Schädigung zu einer kritischen Verschlechterung der Leberfunktion kommt, spricht man von einem akut-auf-chronischen Leberversagen (acute-on-chronic liver failure, ACLF). Eine Forschergruppe der MedUni Graz um Prof. Dr. Rudolf Stauber (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie), Prof. Dr. Karl Öttl (Institut für Physiologische Chemie) und Prof. Dr. Karoline Lackner (Institut für Pathologie) beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der Frage, welche Rolle oxidativer Stress in diesem Prozess spielt und wie dieser am besten gemessen werden kann. Dabei wurde auch der Zusammenhang zwischen Albuminoxidation und Leberversagen untersucht.

Albumin ist das mengenmäßig wichtigste Bluteiweiß. Zu seinen Aufgaben gehören der Transport von wasserunlöslichen Substanzen im Blut und die Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Drucks. Es ist auch ein wichtiges Antioxidans: Neben der reduzierten Form (human mercaptalbumin, HMA) findet man im Blut immer auch kleinere Mengen von reversibel oxidiertem (human nonmercaptalbumin-1, HNA1) und irreversibel oxidiertem Albumin (human nonmercaptalbumin-2, HNA2). Je größer die oxidative Belastung, desto mehr Albuminmoleküle werden irreversibel oxidiert. Dadurch kommt es nicht nur zu einer Verringerung der antioxidativen Funktion von Albumin, sondern auch zu einer Beeinträchtigung seiner Bindungsfähigkeit und Transportfunktion. Erhöhte Blutkonzentrationen von toxischen Stoffwechselprodukten und eine eingeschränkte Albuminfunktion sind auch ein Kennzeichen des Leberversagens. Viele dieser Toxine können zwar mit einer Leberdialyse entfernt werden, eine Elimination des funktionell geschädigten HNA2 war bisher aber nicht möglich. Dies könnte dazu beigetragen haben, dass Leberunterstützungssysteme keinen Überlebensvorteil für die Patienten brachten.

In ihrer Studie an 29 Leberpatienten (20 Patienten mit stabiler Zirrhose und 9 ACLF-Patienten) und 15 gesunden Kontrollpersonen fanden die Forscher, dass insbesondere HNA2 mit dem Schweregrad des Leberversagens kontinuierlich anstieg. Während bei Gesunden im Mittel nur 4% des Albumins als HNA2 vorlagen, stieg der Prozentsatz des irreversibel oxidierten Albumins bei den stabilen Zirrhotikern auf 8% und bei den ACLF-Patienten auf 15%. Bemerkenswert war, dass bei keinem anderen bisher untersuchten Krankheitsbild ähnlich hohe HNA2-Werte gefunden wurden.

MedUni Graz/PH, Ärzte Woche 45 /2011

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben