zur Navigation zum Inhalt
Foto: ©iStockphoto.com/Maxrale
 
Onkologie 7. Juni 2011

Therapien maßschneidern

Die genetische Forschung über die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit von medikamentösen Therapien ist wieder einen Schritt weitergekommen. Nun ist entdeckt worden, dass das Enzym mTOR in zahlreiche Vorgänge der Zelle maßgeblich eingreift.

In nahezu jeder Zelle des menschlichen Körpers ist das Enzym mTOR aktiv und notwendig, um die Kinase S6K zu aktivieren. mTOR spielt eine entscheidende Rolle bei Zellteilung, Zellwachstum, Stress- und Alterungsvorgängen, programmiertem Zelltod und Tumorentwicklung.

 

mTOR ist ein Schlüsselprotein für die Entstehung von vielen Krankheiten des Menschen. Dazu gehören verschiedene Typen von Karzinomen, Morbus Alzheimer, Diabetes mellitus, bestimmte Herzleiden, die Tuberöse Sklerose, das Peutz-Jeghers Syndrom, Cowden Syndrom, Proteus Syndrom, die von-Hippel-Lindau Erkrankung, Neurofibromatose u.v.m.

Im Vorjahr konnte die humangenetische Forschungsgruppe von Prof. Dr. Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik, Medizinische Universität Wien, außerdem erstmals zeigen, dass mTOR ein wesentlicher Regulator des Entwicklungspotenzials humaner Stammzellen ist.

Die Bedeutung von mTOR als Schlüsselenzym bei der Entstehung vieler Erkrankungen wird auch dadurch unterstrichen, dass aktuell schon über 200 klinische Studien bei verschiedenen Erkrankungen das therapeutische Potenzial von Medikamenten (Everolimus, Temsirolimus etc.) untersuchen, die biochemisch die Funktion haben, hyperaktives mTOR wieder zu blocken.

Therapeutische Blockade nicht immer wirksam

Im Zuge der klinischen Studien, die Medikamente überprüften, welche mTOR zu blockieren vermögen, hat sich aber gezeigt, dass diese Medikamente in bestimmten Fällen sehr gut wirken, in anderen aber nicht. Die Ursachen dafür sind unklar. Jetzt konnten die Forscher der MedUniWien zeigen, dass mTOR nicht nur die Aktivität, sondern auch die Lokalisation der Kinase S6K innerhalb der Zelle reguliert. Diese im internationalen Topjournal Oncogene veröffentlichten Erkenntnisse widerlegen die bisherige Ansicht, dass es genügt, mittels der eingesetzten Medikamente die Aktivität der Kinase S6K wieder zu normalisieren.

Delokalisation überprüfen

Ab sofort sollte für jede Erkrankung, bei der diese Medikamente zum Einsatz kommen sollen, vorher geklärt werden, ob die S6K in den betroffenen Zellen delokalisiert ist und ob die Verabreichung dieser Medikamente überhaupt wieder zu einer entsprechenden Normalisierung führen kann. „An unserem Institut arbeiten fünf Fachärzte für Humangenetik, zwei Fachhumangenetiker und eine Vielzahl an Genetikern und biomedizinischen Analytikern im gesamten Spektrum humangenetischer Beratung und Diagnostik von Patienten. Unser Ziel ist es aber auch, durch unsere Forschung Beiträge wie diese zur Verbesserung maßgeschneiderter Therapien genetischer Erkrankungen leisten zu können“, erklärt Hengstschläger.

 

Quelle: Institut für Medizinische Genetik, MedUni Wien

 

Publikationen:

Valli et al., ONCOGENE 29, 966; Rosner et al., NATURE PROTOCOLS 5, 1081; Siegel et al., HUMAN MOLECULAR GENETICS 19, 3320)

 

Margit Rosner, Markus Hengstschläger: Nucleocytoplasmic localization of p70 S6K1, but not of its isoforms p85 and p31, is regulated by TSC2/mTOR. ONCOGENE, DOI:10.1038/onc.2011.165x

 

http://www.meduniwien.ac.at/medizinische-genetik

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21602892

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben