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Urologie 1. Dezember 2010

TRAIL: Prognose und Therapie

Prostatakarzinom: Mit steigender TRAIL-Konzentration in der Tumorumgebung steigt das rückfallfreie Überleben.

Ein vom TRAIL-Protein initiierter Schutzmechanismus des Körpers ist in Prostatakrebszellen massiv verändert – gleichzeitig scheint das Protein die Überlebensaussichten für Patienten zu verbessern. Das sind die Ergebnisse einer Kooperation der Arbeitsgruppe Urologische Tumoren an der MedUni Wien und der amerikanischen Harvard Medical School.

 

Das Protein TRAIL (TNF-related Apoptosis Inducing Ligand) stimuliert einen komplexen Mechanismus, der mit der Apoptose einer Tumorzelle endet. Neben TRAIL beteiligen sich andere Proteine an diesem Prozess. Jetzt wurde die Rolle dieser Proteine beim Prostatakrebs genau analysiert – und dabei Überraschendes gefunden.

Überraschende Eindeutigkeit

Proteinmuster in 200 Prostata-Gewebeproben wurden untersucht. Dabei wurden Muster von Prostatakarzinomen mit jenen von gesundem Prostatagewebe verglichen. Die Eindeutigkeit der gefundenen Unterschiede überraschte sogar den Studienleiter Prof. Dr. Michael Krainer: „In 99,5 Prozent aller untersuchten Krebsgewebe deuteten die Proteinmuster eine reduzierte Aktivität des TRAIL-Reaktionswegs an.“

Doch neben dieser Erkenntnis ragte noch ein anderes Ergebnis heraus: Mit steigender TRAIL-Konzentration in der direkten Tumorumgebung steigt das rückfallfreie Überleben von Patienten an. Ein Effekt, der sich unabhängig von anderen prognostischen Markern zeigte. Dazu Prof. Krainer: „Damit kann anhand von Messungen der TRAIL-Konzentration eventuell eine Aussage über den weiteren Krankheitsverlauf getroffen werden.“

Derzeit werden Therapeutika getestet, die den TRAIL-abhängigen Schutzmechanismus des Körpers aktivieren sollen. Dass für deren effizienten Einsatz ein tiefgehendes Verständnis des Reaktionsweges wichtig ist, hat Krainer 2005 bereits für Eierstockkrebs zeigen können. Er entdeckte zwei Strategien, wie Krebszellen der vernichtenden Wirkung von TRAIL zu entgehen versuchen.

Damit auch im Prostatakrebs der komplexe TRAIL-Reaktionsweg besser verstanden wird, analysierte das internationale Team die Häufigkeit von sechs TRAIL-relevanten Proteinen in Tumoren und gesundem Gewebe. Neben TRAIL selber wurden die beiden Rezeptorproteine DR4 und DR5 untersucht, die das TRAIL binden und den Zelltod einleiten. Zusätzlich wurde die Häufigkeit der beiden weiteren Rezeptoren DcR1 und DcR2 untersucht, die zwar TRAIL binden, aber nicht den Zelltod initiieren. Diese als „Decoy-Rezeptoren“ bezeichneten Proteine fangen TRAIL also quasi ab und schützen die Tumorzelle vor dessen Wirkung. Ein Effekt, der auch durch das Protein FLIPL erreicht wird, das ebenfalls untersucht wurde.

Tatsächlich zeigte diese detaillierte Untersuchung ein differenziertes Bild des TRAIL-Reaktionsweges. Denn in jenen 99,5 Prozent der Krebsgewebe, die eine reduzierte Aktivität des Reaktionsweges hatten, war die Ursache dafür durchaus nicht einheitlich. So waren teilweise weniger DR4 und DR5 nachzuweisen, in anderen Fällen war mehr FLIPL vorhanden. Und in einigen Zellen waren gar beide Effekte zu erkennen.

Weitere Ergebnisse zeigten eine Korrelation zwischen dem Verlust der Rezeptoren DR4 und DR5 und dem sogenannten Gleason-Score. Und ein weiteres Ergebnis zeigte schließlich: Auch Gewebeproben von Männern im Alter von über 60 Jahren hatten deutlich weniger Rezeptoren DR4 und DR5

M. Anees, P. Horak, A. El-Gazzar, M. Susani, G. Heinze, P. Perco, M. Loda, R. Lis, M. Krainer, and W. K. Oh: Recurrence Free Survival in Prostate Cancer is Related to Increased Stromal TRAIL Expression. Cancer 2001; doi: 10.1002/cncr.25504

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