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Foto: Privat
Prof. Dr. Reinhard Kirnbauer Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien
 
Dermatologie 30. April 2010

Breitbandimpfung gegen HPV

Wiener Forscher entwickeln eine neue Generation der Immunisierung.

Eine an der Wiener Universitätsklinik für Dermatologie entwickelte Impfstoff-Innovation soll in Zukunft einen Breitband-Schutz gegen viele verschiedene Typen von Humanen Papillomviren (HPV) bieten, berichteten Prof. Dr. Reinhard Kirnbauer und Dr. Christina Schellenbacher aus Wien.

Die zahlreichen inzwischen bekannten HPV-Typen sind für Infektionen mit ganz unterschiedlichen negativen Folgen verantwortlich. „Die derzeit zugelassenen HPV-Impfstoffe können etwa 30 Prozent der Krebsvorstufen am Gebärmutterhals, der so genannten Zervixdysplasien, nicht verhindern“, sagte Prof. Kirnbauer, der bereits an der Entwicklung der derzeit verfügbaren Impfstoffe federführend beteiligt war. „Ziel der nächsten Impfstoff-Generation, an der wir arbeiten, ist es, einen wirksamen Schutz gegen eine Vielzahl von onkogenen HPV-Typen zu bieten.“

HPV-Infektionen werden für rund fünf Prozent aller Karzinome weltweit verantwortlich gemacht. Dies gilt etwa für Zervixkarzinome, die zu rund 70 Prozent durch Infektionen mit den Hoch-Risiko-Typen HPV16 und HPV18 verursacht werden. Darüber hinaus sind diese Typen auch teilweise für Vulva-, Vaginal-, Anal-, Penis- und Mundrachenkarzinom verantwortlich. Condylomata acuminata werden durch Niedrig-Risiko-HPV verursacht. In Hautkarzinomen werden HPV-Typen der Gruppe β gefunden, die insbesondere bei Immunsupprimierten eine Rolle spielen könnten.

„Die protektive Wirkung der derzeit verfügbaren HPV-Vakzinen ist auf die im Impfstoff enthaltenen Typen beschränkt, mit teilweiser Kreuzprotektion gegen sehr nahe verwandte HPV-Typen“, erklärte Kirnbauer. „Daher wird ein Teil der Infektionen mit anderen Hoch-Risiko-Typen nicht verhindert. Weiters besteht keinerlei Schutz gegen Hautwarzen sowie Typen, die möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung von Hautkrebs spielen.“

Kreuzprotektion

Anders ist das bei der neuen Impfstoff-Entwicklung. „In einer rezenten Arbeit konnten wir neuartige virusähnliche Partikel als HPV-Vakzine generieren. In Tiermodellen lösten diese nicht nur sehr potente neutralisierende Antikörper gegen HPV16 aus, sondern darüber hinaus auch breit kreuzneutralisierende Antikörper gegen höchst unterschiedliche anogenitale Hoch-Risiko und Niedrig-Risiko-HPV, sowie verschiedene Hauttypen“, so Kirnbauer. „Diese neue Entwicklung stellt eine potenzielle HPV-Breitspektrumvakzine dar.“

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