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Virionen des EBV (TEM-Abbildung, Deformationen präparationsbedingt)

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Wie eine Ritterrüstung soll das Immunsystem uns schützen: Allerdings bleibt oft genug der Erfolg aus.
 
Immunologie 30. September 2009

Epstein-Barr-Virus und multiple Sklerose

Der Erreger mischt bei der Entstehung verschiedener Autoimmunerkrankungen mit.

Seit 40 Jahren steht das Epstein-Barr-Virus (EBV) im Verdacht, an der Entstehung und Unterhaltung von Autoimmunerkrankungen beteiligt zu sein. Dr. Francesca Aloisi, Istituto Superiore di Sanità, Rom, präsentierte neue Daten, die diesen Zusammenhang erhärten.

 

Die Gewebezerstörung bei der multiplen Sklerose ist das Ergebnis eines fehlgesteuerten Angriffs des Immunsystems, der sich gegen körpereigene Strukturen richtet. Bei der multiplen Sklerose greift das Immunsystem nach derzeitigem Verständnis das Myelin an, die lipidreiche Markscheide der Nervenfasern.

Bei der Suche nach möglichen Auslösern standen Viren wegen ihrer Fähigkeit, mit dem Immunsystem des Wirts zu interagieren, als mögliche Trigger von Autoimmunerkrankungen immer im Fokus der Wissenschaftler. Insbesondere EBV wurde immer wieder mit der multiplen Sklerose in Verbindung gebracht. Ein direkter Beweis eines Zusammenhangs wurde jedoch nie erbracht. Bekannt ist, dass EBV sich in einer bestimmten Population von Immunzellen, den B-Lymphozyten, verstecken kann. Wenn die Kontrolle des Immunsystems versagt, kann es reaktiviert werden und Tumoren verursachen.

Vor einiger Zeit wiesen Aloisi und ihr Team EBV-Akkumulationen in den Hirnläsionen von MS-Patienten nach. Sie fanden heraus, dass die Viren über B-Lymphozyten wie in einem Trojanischen Pferd in das Zentralnervensystem eingeschleust werden. Sie zeigten, dass die mit EBV infizierten B-Lymphozyten im Gehirn dann selbst zum Ziel eines Immunangriffs werden. Durch die Immunreaktion wird die chronische Entzündung angefacht, die letztlich zum Untergang von Hirngewebe führt. „Dies erhärtet den Verdacht, dass EBV und sein Trojanisches Pferd die wichtigste Ursache der Zerstörung von Nervengewebe bei multipler Sklerose darstellen“, betonte Aloisi.

Darüber hinaus fanden sie abnorme Nester von mit EBV infizierten B-Lymphozyten im kranken Gewebe von Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen. „Diese Befunde stützen die Sichtweise, dass EBV in der Entstehung verschiedener Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielt, und stellen einen Schritt vorwärts in der Aufklärung des Phänomens Autoimmunität dar. Jetzt müssen wir herausfinden, ob die Vermeidung oder Bekämpfung der EBV-Infektion einen positiven Einfluss auf Autoimmunerkrankungen hat.“

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