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Foto: Privat
Im Rahmen seiner Dissertation hat Mag. Thomas Magauer die Totalsynthese von Kendomycin durchgeführt.
 
Infektiologie 16. September 2009

Stoff mit Potenzial

Neuartiges Antibiotikum eröffnet Behandlungsoptionen.

In Krankenhäusern und Pflegeheimen vermehren sich resistente Keime, und viele bekannte Antibiotika sind bereits wirkungslos geworden. Gegen dieses Problem gibt es nun eine fundamentale Neuentwicklung der Universität Wien. Dort ist die Totalsynthese des Streptomyces-Stoffwechselprodukts Kendomycin gelungen – die Voraussetzung für ein viel versprechendes Antibiotikum.

 

Mag. Thomas Magauer und Dr. Harry Martin haben unter der Leitung von Prof. Dr. Johann Mulzer, Institut für Organische Chemie der Universität Wien, den Metabolit Kendomycin in naturidentischer Form nachgebaut. Die Wirkung dieses Stoffes hat großes Potenzial, so Magauer: „Bei verschiedenen Tests hat sich herausgestellt, dass die Verbindung nicht nur antibiotisch, sondern auch entzündungshemmend wirkt und Anti-Tumoreigenschaften aufweist. Außerdem könnte sie gegen Osteoporose eingesetzt werden.“

Die neue Verbindung ist auch gegen MRSA – Methicillinresistenten Staphylococcus aureus wirksam, der vermehrt in Krankenhäusern und Pflegeheimen auftritt. „In den Biofilmen, die sich z. B. auf Kathetern bilden, befinden sich eine Menge Bakterien, die bereits so viele Antibiotika gesehen haben, dass ihnen keines mehr gefährlich werden kann“, so Mulzer. Da die Keime nach einiger Zeit auch gegen das neue Antibiotikum resistent werden würden, müssen ständig neue Verbindungen entwickelt werden – und genau darin liegt der Vorteil der neuen Verbindung: „Da es sich hierbei um eine Leitstruktur handelt, ist sie sehr variierbar. Ähnlich wie bei Penicillin können aus ihr hunderte neue Verbindungen, sogenannte Bibliotheken, abgeleitet werden“, erklärt Magauer.

Industrie am Zug

Zudem kann der Stoff durch gezielte strukturelle Modifikation jeweils so optimiert werden, dass er als Antibiotikum, als Antikrebsmittel, als Mittel gegen Osteoporose oder gegen Entzündungen verwendet werden kann. „Aus einer Wirkung können also vier gemacht werden, was aber natürlich sehr aufwändig ist. Dafür sind die entsprechenden Ressourcen nötig, weshalb es nun Aufgabe von pharmazeutischen Unternehmen wäre, die Verbindung weiterzuentwickeln“, erklärt Mulzer.

 

 

Quelle: Magauer, Th. et al.: Angewandte Chemie International Edition 2009; 48(33): 6032-6, doi: 10.1002/anie.200900522

Universität Wien/PH, Ärzte Woche 38 /2009

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