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Allgemeinmedizin 28. März 2007

Gesundheitsrisiken durch Holzheizungen

Das Heizen mit erneuerbarer Energie gilt als Beitrag zum Klimaschutz. An die Gesundheit der Bevölkerung wird dabei zu wenig gedacht, warnen jetzt Umweltmediziner. Eine unlängst präsentierte Studie wirbelt (Fein-)Staub auf.

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass Holzrauch negative Auswirkungen speziell auf die Atemwege haben kann. So führte beispielsweise in der Salzburger ISAAC-Untersuchung (International Study of Asthma and Allergies in Childhood) die Exposition gegenüber Holzrauch aus Heizungen in der Nachbarschaft zu einer Erhöhung des Risikos für Asthmasymptome.
Dementsprechend hat der Umweltmedizin-Referent der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Gerd Oberfeld, immer wieder betont, dass Holzheizungen eines der wichtigsten umweltmedizinischen Probleme in Österreich darstellen.

Private Müllverbrennung

Auch das Umweltbundesamt stellte in seiner umfassenden Publikation „Schwebestaub in Österreich“ fest, dass Holzheizungen (speziell alte sowie billige, nicht mehr zulässige Anlagen, die etwa bei Baumärkten erhältlich sind) bedeutende Feinstaubquellen sind. Hinzu kommt, dass die Öfen nicht selten für die private Müllverbrennung missbraucht werden.
Aus Gründen des Klimaschutzes werden Holzheizungen dennoch in etlichen Bundesländern gefördert, z.B. in Tirol. Der Innsbrucker Verein „Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt“ initiierte deshalb eine Studie, in der am Beispiel des Tiroler Inntales untersucht werden sollte, wie sich die zu erwartende Zunahme an Holzheizungen auf die Feinstaub-Emissionen und -Immissionen und in weiterer Folge auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt. Die Studie wurde Anfang Jänner in Innsbruck präsentiert.

Szenarien der Belastung

Die Szenarien für das Jahr 2015 gingen jeweils von einem Austausch des Brennstoffs Öl, mit dem derzeit die Hälfte der Haushalte heizt, in unterschiedlichem Umfang aus. „Im Szenario ‚Holz’ wird die Hälfte der ölbeheizten Anlagen durch Anlagen mit Brennholz ersetzt, im Szenario ‚Holz+’ sind es sämtliche Ölheizungen“, erläuterte Doz. Dr. Andreas Windsperger vom Institut für Industrielle Ökologie in St. Pölten. Bei „Gas“ wird die Hälfte aller Ölheizungen durch Gas ersetzt und bei „Mix+“ weichen sämtliche ölbeheizten Anlagen den Brennstoffen Erdgas und Holz.
Während „Holz“ und „Mix+“ ähnliche Emissionstrends aufweisen – CO2 geht gegenüber 2003 um 40 bzw. 50 Prozent zurück, NOx steigt um 14 bis 18 Prozent und Feinstaub gar um bis zu 45 Prozent –, sind diese Trends im Szenario „Holz+“ noch verstärkt.
„Die CO2-Emissionen sinken zwar um 76 Prozent, doch Stickoxide (plus 34 Prozent) und Feinstaub (plus 88 Prozent) nehmen gegenüber 2003 sehr deutlich zu“, betonte Windsperger. Beim Szenario „Gas“ gehen hingegen alle Emissionen zurück.
Insgesamt kommt es somit bei einer entsprechenden Zunahme von Holzheizungen zu einer deutlichen Reduktion der CO2-Emissionen aus Heizungen, auf der anderen Seite jedoch zu einer gefährlich steigenden Feinstaubbelastung. „Der Anteil von Hausbrand an den Feinstaubemissionen beträgt dabei im Inntal schon jetzt etwa 16 Prozent“, sagte Prof. Dr. Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien.
Ausgehend von einer Population von 360.000 Menschen, fällt die Prognose der Experten für die Gemeinden des Inntals eher düster aus. „Insgesamt muss ungefähr ab dem Jahr 2015 im Szenario ‚Holz’ mit etwa 30 zusätzlichen Sterbefällen jährlich und einer noch größeren Anzahl spitalsbedürftiger Erkrankungen gerechnet werden und im Szenario ‚Holz+’ mit fast doppelt so vielen Fällen“, fasste Neuberger zusammen. Vor allem betroffen sind dabei das Herz und die Atmungsorgane.

Förderung kontraproduktiv

„Die umweltmedizinische Folgerung daraus ist, dass die zur Verhinderung langfristiger negativer Klimafolgen unerlässliche CO2-Reduktion durch andere Maßnahmen erzielt werden sollte. Eine Förderung der Holzheizung erscheint beim derzeitigen Stand der Technik für Einzelfeuerungen zumindest für Ballungsräume kontraproduktiv“, so die Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt. Sinnvoller sei es in erster Linie, den Energieverbrauch zu senken – etwa durch umfassende thermische Gebäudesanierung.
Generell sollten Umstellungen, die zu keiner Reduzierung von Feinstaub und Stickstoffdioxid führen, nicht gefördert werden.
Neue Entwicklungen bei Biomasse-Einzelöfen zielen allerdings auf deutlich niedrigere Feinstaub-Emissionswerte ab, was deren Verwendung außerhalb von Ballungsräumen vertretbar machen würde, so Windsperger. Für Ballungsgebiete seien jedoch Blockheizwerke mit entsprechenden Feuerungs- und Abgasreinigungsanlagen oder zentrale Biomasse-Fernheizwerke zu empfehlen.
Von Seiten der Tiroler Politik wurde die Studie erwartungsgemäß kritisiert. So sprach etwa ÖVP-Umweltsprecher Josef Hechenbichler von „Ärzten im Dienste der Öllobby“. Und verschiedene Holzheizungs-Lobbyisten argumentierten, dass moderne Holzheizungen lediglich harmlose Salze emittieren würden.

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