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Zimt-Liquids in E-Zigarettenhaben offenbar Einfluss auf die Immunreaktion der Lunge.
 
Pulmologie 30. September 2016

Zimt-Liquids schwächen Immunabwehr

 E-Zigaretten sind wahrscheinlich weniger gesundheitsschädlich als gewöhnliche Zigaretten, harmlos sind sie deshalb aber nicht.

Pneumonews. Neue Forschungen zeigen, dass aromatisierte Liquids die lokale Immunabwehr in der Lunge herabsetzen. Die Ergebnisse wurden auf dem ATS-Kongress in San Francisco vorgestellt.

Im Prinzip enthält der Rauch von E-Zigaretten die gleichen Toxine, Karzinogene und Partikel wie der von Tabakzigaretten, aber in deutlich geringerer Konzentration, erklärte Prof. Dr. Ilona Jaspers von der University of North Carolina in Chapel Hill. Die Trägerstoffe Propylenglykol und Glyzerin gelten als harmlos, auch wenn ein irritierendes Potenzial bei Inhalation letztlich nicht auszuschließen ist.

Mehr Sorgen bereiten Jaspers die mangelnde Qualitätskontrolle und die nahezu unüberschaubare Vielzahl an Aromastoffen in den Liquids. Viele davon stehen auf der sogenannten GRAS-Liste („Generally Regarded As Safe“) der FDA und werden deshalb als sicher angepriesen, untersucht sind sie aber nur für die orale Aufnahme. „Ob sie bei Inhalation auch so harmlos sind, ist völlig unklar“, betonte Jaspers beim ATS-Kongress 2016.

EMA zeigt sich alarmiert

Ihr Team hat sich für die aktuelle Arbeit Aromastoffe auf Basis von Trans-Cinnamaldehyd näher angeschaut. Dieser Stoff verleiht Zimt den typischen Geruch und Geschmack. Die Katastrophenschutzbehörde FEMA stuft ihn als potenziell gefährlich bei Inhalation ein. Zimt-Liquids zählen dennoch derzeit zu den Bestsellern in den USA.

Getestet wurden in vitro die Effekte auf Zellen des angeborenen Immunsystems, namentlich Makrophagen und neutrophile Granulozyten. Mit Cinnamaldehyd aromatisierte Liquids üben konzentrationsabhängige Effekte auf diese Zellen aus, berichtete Jaspers.

Unter dem am stärksten konzentrierten Liquid sank die Phagozytose-Kapazität der Makrophagen auf nur ein Drittel des Normalwerts. Neutrophile reagierten noch stärker auf die Liquids. Auch ihre Phagozytose-Leistung ging zurück. Zudem stellten sie das für die Infektabwehr wichtige Trapping fast völlig ein.

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