zur Navigation zum Inhalt
© K.Haag/imago
Schienengeratter nervt auch.
 
Allgemeinmedizin 22. Februar 2016

Stressfaktor Lärm

Auswege aus der Geräuschkulisse

Ob Verkehrslärm, Bauarbeiten im Nachbarhaus oder die Geräuschkulisse im Großraumbüro: Ein gewisser Lärmpegel ist im Alltag nahezu immer vorhanden, und die Mehrheit der Menschen fühlt sich davon gestört. Allerdings ist Lärm mehr als nur eine reine Belästigung; er hat auch beträchtliche gesundheitliche Auswirkungen.

Verkehrslärm geht besonders auf die Nerven. Eine Erhebung des Umweltbundesamts (UBA) in Deutschland zeigte beispielsweise, dass sich etwa 83 Prozent der Bundesbürger im Jahr 2014 davon gestört fühlten. Fluglärm nervt jeden fünften, Schienengeratter jeden sechsten. 54 Prozent stört vor allem der Straßenverkehrslärm in ihrem Wohnumfeld, zudem ärgern sich etwa 40 Prozent der Deutschen dem UBA zufolge, über nachbarschaftlichen Lärm. Dass Lärm nicht nur lästig ist, sondern krank machen kann, belegen mittlerweile eine Reihe von Studien. So hat beispielsweise eine dänische Untersuchung gezeigt, dass ein Anstieg des Straßenlärmpegels um zehn Dezibel bei Menschen über 65 Jahren das Risiko eines Schlaganfalls um mehr als 25 Prozent erhöht.

Lärm macht krank

„Lärm ist also nicht nur etwas, das uns nervt, sondern auch Krankheiten verursacht. Vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Infarkt, aber auch Schlaganfälle, Bluthochdruck und Diabetes mellitus“, so der Kardiologe und Angiologe Prof. Dr. Thomas Münzel, ärztlicher Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Welche Auswirkungen alltägliche Lärmpegel auf die Herzfunktion haben, analysierte die Epidemiologin Ute Kraus in einer Studie am Helmholtz Zentrum München. Die Analyseergebnisse zeigen, dass nicht nur starker Lärm über 65 Dezibel die Herzratenvariabilität akut verringert und damit eine Gefahr für Herz und Kreislauf birgt, sondern bereits der Anstieg des Lärms im Bereich unter 65 Dezibel. Zur Verdeutlichung: 60 Dezibel (dB) sind Menschen ausgesetzt, über die in 1.500 Metern Höhe ein Flugzeug hinweg fliegt. Auch Gespräche bei Zimmerlautstärke erreichen diesen Wert und können auf Dauer belastend sein. 80 dB erzeugt ein Düsenjet beim Start in 300 Metern Entfernung, zudem entspricht dies dem Geräuschpegel einer Hauptverkehrsstraße oder eines Schulhofs. Hier droht auf Dauer ein Herz-Kreislauf-Risiko.

Neue Perspektiven zum Umgang mit Lärm

Lärm zu vermeiden, wäre angesichts dessen die wichtigste Maßnahme. Ist dies nicht möglich, sei zumindest ein entspannter – und gesünderer – Umgang damit erstrebenswert, so die Freiburger Diplom-Psychologin und Stress-Expertin Bettina C. Engemann. Sie empfiehlt neben der Umdeutung von Lärm – dem „reframen“ – Strategien, die bereits kurzfristig wirksam sind, bzw. langfristige, die innerlich stabilisieren und auf lange Sicht den Umgang mit Lärm verändern. Ebenso wie mentale Entspannungstechniken kann der Einsatz natürlicher Wirkstoffkombinationen bis zu einem gewissen Maß die individuelle Empfindlichkeit gegenüber Stressbelastungen stabilisieren und die innere Balance zurückbringen.

Springer-gup/red

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben